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Franz Fehrenbach: Bosch-Chef: Von Rezession sind wir weit entfernt

von Hans-Jürgen Klesse und Roland Tichy

Bosch-Chef Franz Fehrenbach warnt davor, eine Rezession herbeizureden. Das Unternehmen korrigiert jedoch seine Wachstumsprognose nach unten.

„Von einer Rezession sind wir weit entfernt. Ich warne eindringlich davor, durch verbale Übertreibungen und panische Bremsreaktionen eine Rezession herbeizureden“, sagte Fehrenbach der WirtschaftsWoche. „Meine größte Sorge besteht darin, dass aus der Schuldenkrise eine politische Glaubwürdigkeitskrise wird: Wenn die Menschen in der EU ihren Regierungen nicht mehr zutrauen, die Krise lösen zu können, hätte das schlimme Folgen auch für den privaten Konsum.“

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Die Politik dürfe sich nicht länger von den Finanzmärkten treiben lassen, mahnte der Bosch-Chef. „Allen Beteiligten muss klar sein, dass diese Krise nicht innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre zu lösen ist – das ist ein Fünf- oder eher Zehnjahresprogramm. Diese Tatsache sollte aber auch ehrlicherweise kommuniziert werden, an die Finanzwirtschaft ebenso wie an die Bevölkerung“, so Fehrenbach. „Im Moment lassen sich die Regierungen von den Finanzmärkten vor sich her treiben, und das halte ich für falsch. Statt einen Rettungsschirm nach dem anderen aufzuspannen, muss die Politik das Primat des Handelns zurückgewinnen.“

Fehrenbach geht davon aus, dass die Politik nicht um Euro-Bonds herumkommen werde. „Ich bin sicher, dass wir irgendwann sowieso Euro-Bonds bekommen werden, der Druck der Finanzmärkte wird den Regierungen keine andere Wahl lassen.“ Die Regierungen müssten jetzt die Zeit nutzen, um zu diskutieren, unter welchen Bedingungen sie Euro-Bonds akzeptieren. „Wer für die Schulden anderer einstehen soll, muss auch Mitspracherechte und Gestaltungsrechte haben. Um das zu erreichen, müssten aber Gesetze geändert werden, sowohl in den Geber- wie in den Nehmerländern. Gemeinsam europäisch handeln kann nur, wer einen Teil seiner staatlichen Souveränität aufgibt.“  

Bosch korrigiert Wachstumsprognosen nach unten

Fehrenbach ist jedoch optimistisch, dass die Umsätze des weltgrößten Automobilzulieferers stabil bleiben. „Wir gehen in unseren Planungen davon aus, dass sich das Wachstum der Schwellenländer kaum verringern wird, da wird es allenfalls einen kleinen Dämpfer geben“, sagte Fehrenbach. „Von den Schwellenländern geht nach unserer Einschätzung auch keine Gefahr für die weltweite Autokonjunktur aus.“

Skeptischer äußerte sich Fehrenbach dagegen über die Geschäftsaussichten in den USA und Westeuropa. „Wir haben unsere Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft leicht nach unten korrigiert – statt ursprünglich etwa vier Prozent erwarten wir nun eher ein Plus von drei bis dreieinhalb Prozent für 2011 und zwischen zweieinhalb und drei Prozent für 2012. Immer vorausgesetzt, die gerade beschriebene politische Vertrauenskrise schlägt nicht weiter auf den privaten Konsum durch.“    

Der Bosch-Chef erwartet keine starken Belastungen durch den Atomausstieg für sein Unternehmen. „Die direkten Energiekosten spielen für unsere eigene Produktion nur eine untergeordnete Rolle. Sorgen macht sich der Elektrokonzern hingegen über die Zuverlässigkeit der Stromversorgung für das im Halbleiterwerk Reutlingen bei Stuttgart. „Wenn dort nur für Sekunden der Strom ausfällt, kann man gleich wieder von vorne anfangen, dann haben Sie eine Lücke von sechs bis acht Wochen und entsprechende Lieferverzögerungen“, so Fehrenbach.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.09.2011, 17:17 UhrAnonymer Benutzer: Ingenieur

    Sinnvoll, dass endlich mal einer darauf hinweist unseren deutschen, eigentlich schon chronischen Pessimimus, einzudämmen. im übrigen denke ich, dass ein Unternehmen wie bosch, dass die "große" Krise mit weniger als einem blauen Auge überstanden hat,doch etwas mehr Ahnung von Rezession und Wirtschaft hat wie manch anderer hier. Also, nicht immer den Kopf in den Sand stecken.

  • 03.09.2011, 20:40 UhrAnonymer Benutzer: Jochen J.

    P.S.: Aktuelle Schlagzeile: "S&P stempelt Eurobonds ab" (n-tv). Eurobonds würden ein Rating von CC bekommen, so schlecht wie das schlechteste Mitglied, Griechenland. Damit ist ein Pflock gegen die Eurobonds eingeschlagen. Wenn es doch noch ein deutscher Politiker wagt, eine 100%-Garantie von Deutschland für Eurobonds abzugeben, ist es Zeit für eine Revolution.

  • 03.09.2011, 19:32 UhrAnonymer Benutzer: Zero

    Wir haben seit der EUR-Einführung 6-10% reale inflation p.a., die PiiGS-Staaten sind pleite und werden entweder über EFSF oder direkt über die EZb über Wasser gehalten. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone liegt durchschnittlich bei 20% und die Jugendarbeitslosigkeit liegt in den PiiGS-Staaten bei ca. 40-50%.

    Vielleicht sollte Fehrenbach mal seine rosarote brille abnehmen, damit auch er erkennt, dass der EUR-Karren bald nicht mehr fährt.

    Aber wie so viele unfähige Manager der heutigen Zeit wird auch er erst am Tag X erkennen, dass er nichts vom Geldsystem verstanden hat. An dem Tag nämlich, wenn die banken schließen, die Konten umgestellt werden und der Großteil der EUR-Guthaben + -Schulden in einer Währungsreform ausgebucht werden...

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