Fraport-Chef Stefan Schulte: 1,9 Milliarden freie Liquidität

Fraport-Chef Stefan Schulte: 1,9 Milliarden freie Liquidität

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Fraport-Chef Stefan Schulte

von Henryk Hielscher und Rüdiger Kiani-Kreß

Warum Fraport-Chef Stefan Schulte interessiert nach Lateinamerika blickt und den angebotenen spanischen Flughäfen keine Träne nachweint.

WirtschaftsWoche: Herr Schulte, Ihr wichtigster Flughafen Frankfurt öffnet am 21. Oktober nach zehn Jahren Planung die neue Landebahn. Würden Sie mit Blick auf die Konflikte um Stuttgart 21 oder den neuen Berliner Airport ein solches Projekt heute noch einmal durchbekommen?

Schulte: Das ist eine hypothetische Frage

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Und was ist die hypothetische Antwort?

Auch wenn es inzwischen schwieriger ist, große Infrastrukturprojekte zu bauen, glaube ich, dass auch heute noch eindeutig die Argumente für den Ausbau zählen. Die Region Frankfurt lebt vom Flughafen und mit dem Flughafen. Das Finanzzentrum und Branchen wie Biotech oder Pharma hätten sich ohne den Flughafen sicher nicht so stark entwickelt. Zwei Drittel aller Interkontinentalflüge von und nach Deutschland gehen über den Frankfurter Flughafen. Das kann kein anderer Flughafen leisten, auch München nicht.

Ihr Finanzchef hat gesagt, die neue Landebahn bringe im nächsten Jahr einen Mehrertrag von 50 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Ist das angesichts der milliardenschweren Baukosten nicht reichlich bescheiden?

Die Zahl gilt für 2012 bei einem Passagierwachstum von etwa fünf Prozent. Die Erfahrung zeigt, dass ein Prozent Wachstum unser operatives Ergebnis um rund zehn Millionen Euro hebt. Je nachdem wie die Konjunktur läuft, könnte das Passagierwachstum in den kommenden Jahren bei etwa vier bis sieben Prozent liegen. Bis 2015 wäre das ein Ergebnisplus von circa 200 Millionen Euro auf etwa eine Milliarde Euro. Und das brauchen wir auch, um Investitionen, Abschreibungen und Zinsen zahlen zu können.

Sie könnten mehr Geld verdienen, wenn Sie die Zahl der Flüge schneller hochfahren. Wollen Sie durch die gemächliche Expansion Ihrem Hauptkunden Lufthansa die Konkurrenz vom Leib halten?

Wir fahren die Zahl der Flüge bereits deutlich hoch, dabei gilt aber "safety first". Mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn strukturiert die Deutsche Flugsicherung den ganzen Luftraum um Frankfurt neu. Das muss sich alles erst einspielen. Außerdem ist es im Sinne reibungsloser operativer Abläufe vernünftiger, die Ausnutzung der Kapazität Schritt für Schritt mit dem Marktwachstum zu steigern, statt das gesamte Potenzial sofort ausschöpfen zu wollen.

Landen künftig auch mehr Billigflieger bei Ihnen? Easyjet hat mehrfach Interesse bekundet, aber nie Start- und Landezeiten bekommen.

Easyjet hätte jetzt eine größere Zahl von Flügen haben können, für den Winterflugplan 2011/12 haben sie sich aber dagegen entschieden.

Neben der Landebahn wollen Sie 2016 ein drittes Terminal eröffnen. Ist das bei Ihren Wachstumsplänen nicht zu spät?

Nein, nach unserer jetzigen Planung rechnen wir mit etwa 65 Millionen Fluggästen im Jahr 2015. Der Ausbau der bisherigen Terminals schafft Platz für 65 bis 68 Millionen Passagiere. Ende 2016 öffnen wir dann im Terminal 3 die ersten beiden Flugsteige für 15 Millionen Passagiere und später zwei weitere für noch mal zehn Millionen. Damit schaffen wir eine komplett neue Infrastruktur mit viel Raum, einer offenen Check-in-Halle und einer großen, zentralen Sicherheitskontrolle. Ferner werden wir im Terminal 3 einen zentralen Marktplatz mit Geschäften und Restaurants für alle Passagiere schaffen.

Das klingt nach einem Shopping-Labyrinth wie im Londoner Flughafen Heathrow. Dort nötigt der Airport die Kunden zu langen Aufenthalten, indem er die Flugsteige erst in letzter Minute bekannt gibt.

Das wird es bei uns nicht geben. Unsere Passagiere erwarten eine breite Auswahl an Läden und Restaurants von einfacheren bis zu hochwertigen Angeboten – und das geht über einen zentralen Marktplatz für alle am besten. Aber wir lotsen unsere Passagiere nicht durch ein Spiegelkabinett von Geschäften, nur damit sie am Ende ein paar Cent mehr ausgeben. Keine Frage, die Läden sind wichtig. Ohne deren Einnahmen wären große Investitionen wie die neue Landebahn nicht finanzierbar. Aber letztlich betreiben wir einen Flughafen – und keine Shoppingmall mit angeschlossenem Flugbetrieb. Zum Shoppen allein kommt keiner zum Flughafen.

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