Fraport-Chef Stefan Schulte : "Wir sind offen für Billigflieger"

Fraport-Chef Stefan Schulte : "Wir sind offen für Billigflieger"

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Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte

Der neue Fraport-Chef Stefan Schulte über den Ausbau des Frankfurter Flughafens, den Gebührenstreit mit der Lufthansa, Service für Passagiere und den Kampf gegen mehr Umweltbelastung.

WirtschaftsWoche: Herr Schulte, die Rezession ist vorbei, Fraport  hochprofitabel und darf nach fast 13 Jahren Streit endlich den Flughafen Frankfurt ausbauen – haben Sie sich so einen bequemen Start vorgestellt?

Von bequem kann keine Rede sein. Auch uns trifft die Krise. Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen.

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Welche sind das?

Wir müssen den Ausbau jetzt umsetzen. Das ist nicht weniger anspruchsvoll als die Planung. Zudem ist für uns die Krise noch nicht vorbei. Wir sehen ein erstes zartes Pflänzchen der Hoffnung. Aber wir haben immer noch weniger Passagiere als im Vorjahr und erwarten für 2009 ein Minus von mindestens sechs Prozent.

Wann gibt es wieder mehr Passagiere?

In den kommenden beiden Jahren erwarten wir nur einen leichten Aufschwung von schätzungsweise etwa zwei Prozent. Mehr wird es erst 2011, wenn wir die neue Landebahn öffnen.

Was bringt Ihnen die neue Bahn?

Wir können damit unsere Position als wichtigster Langstreckenflughafen in Deutschland und Drehkreuz der Lufthansa und ihrer Partner in der Star Alliance ausbauen. Wir haben eine lange Warteliste mit Airlines, die zusätzliche Flüge anbieten möchten. Doch die mussten wir bisher mangels freier Start- und Landezeiten ganz oder teilweise abweisen. Jetzt können sie kommen.

Welche Fluglinien sind das?

Vor allem asiatische. Allein in China gibt es fast zwei Dutzend Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, die keine Nonstop-Flüge nach Europa haben. Für die haben wir jetzt Platz.

Angeblich will auch der Billigflieger Easyjet bei Ihnen landen.

Wir sind mit Easyjet in Kontakt. Aber auch andere Unternehmen wie Air Berlin haben dann mehr Platz.

Der Flughafenausbau ist bei Umweltschützern umstritten. Und Wirtschaftsverbände befürchten wegen der zusätzlichen Einschränkung bei Nachtflügen einen Schaden für die Exportnation Deutschland.

Unser Antrag auf Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr im Planfeststellungsverfahren entsprach den Empfehlungen einer Mediation, die auf Initiative der Landesregierung die Umweltinteressen der Bevölkerung mit den Wünschen der Wirtschaft in Einklang bringen sollte.

Zum Ergebnis gehörte das Nachtflugverbot. Wir haben das akzeptiert, aber die Planungsbehörde hat es in der Interessenabwägung so nicht übernommen, sondern erlaubte nachts „nur“ noch 17 Flugbewegungen. Heute sind es im Jahresdurchschnitt 40. Ich rechne damit, dass nach der ablehnenden Haltung des Verwaltungsgerichtshofes in Kassel letztlich höchstrichterlich entschieden wird. Das muss man also abwarten. Wir werden ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität aufbringen, damit die Wirtschaft auch künftig keinen Schaden nimmt.

Wie viel Jobs bringt der Ausbau?

Rund 100.000, das sind 25.000 am Flughafen, 40.000 in der Region und noch mal gut 30.000 in anderen Regionen.

Anfang des Jahres haben Sie laut Presseberichten eine hohe Gehaltserhöhung gefordert. Gleichzeitig verlangen Sie wegen der Krise Lohnzugeständnisse der Mitarbeiter. Wie passt das zusammen?

Alte Kamellen werden nicht dadurch besser, dass man sie erneut aufwärmt. Richtig ist, dass wir schon gesetzlich gehalten sind, die Vorstandsvergütung neu zu strukturieren – hin zu mehr Nachhaltigkeit.

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