Frauen als Aufsichtsräte: Suche nach der weiblichen Nadel im Heuhaufen

Frauen als Aufsichtsräte: Suche nach der weiblichen Nadel im Heuhaufen

Bild vergrößern

Anke Schäferkordt

von Claudia Tödtmann

In den Dax-Kontrollgremien sind Frauen seltene Wesen – noch. Die Frauenquote unter den Aufsichtsräten hat sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig erhöht, doch die Nachfrage ist groß.

Die Ansage ist für Headhunter Christoph Netta schon Standard: Bei jeder Suche nach einem Aufsichtsrat bekommt der Partner von Heads in München zu hören, dass es „idealerweise eine Frau“ sein solle. Wenigstens in der Endrunde müsse eine dabei sein. Doch das ist schwierig. Als Aufseher kommen meist nur Vorstände oder Ex-Vorstände infrage. Dort sind Frauen aber höchst selten. In den Top-Etagen der Dax-Konzerne sitzen gerade mal vier Frauen – und 183 Männer. So wird die Forderung nach einer Kandidatin für den Aufsichtsrat „zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagt Bernhard Trappehl, Arbeitsrechtler der Großkanzlei Baker & McKenzie.

Weibliche Wesen in den Dax-30-Aufsichtsräten sind selten. Insgesamt haben sie auf der Kapitalseite einen Anteil von sieben Prozent und auf der Arbeitnehmerseite von 18 Prozent, im Schnitt also elf Prozent, so die Managerinnen-Initiative Fidar (Frauen in die Aufsichtsräte). Zu den wenigen zählen Anke Schäferkordt bei BASF, im Hauptjob RTL-Chefin; Simone Bagel-Trah bei Henkel als Vertreterin der Eigentümer-Familien; Ex-Shell-Managerin Karen de Segundo bei E.On; Nicola Leibinger-Kammüller bei Siemens und Lufthansa, sonst Chefin beim schwäbischen Maschinenbauer Trumpf; Ex-Nokia-Managerin Sari Baldauf bei Daimler; die Wiener Professorin Eva Eberhartinger bei Beiersdorf.

Anzeige

Kritische Masse

Die Unternehmensberatung McKinsey erhob, dass sich die Quote in den vergangenen drei Jahren nur um zwei Prozentpunkte erhöht hat. Wer immer eine Frau in sein Kontrollgremium hievt, feiert das gebührend. „Das bringt gute Presse, aber ändert nichts daran, dass die Unternehmen die erforderliche kritische Masse nicht erreichen – und wohl auch nicht erreichen wollen“, sagt Jutta von Falkenhausen, Vizechefin bei Fidar. Vorzeigefrauen allein bewirkten nichts.

Offenbar deshalb will die EU-Kommissarin und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Viviane Reding, 59, nicht länger tatenlos zusehen. Die Luxemburgerin hat drei Kinder und gilt als sehr entschlossen. Mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gab sie als Ziel aus: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten soll europaweit bis 2015 auf 30 Prozent und bis 2020 auf 40 Prozent steigen. Falls es bis 2011 keine gravierenden Veränderungen gibt, komme eine EU-Richtlinie. Eine gesetzliche Quote hat – mit 40 Prozent – bisher nur das Nicht-EU-Land Norwegen. Frankreich, Spanien und die Niederlande arbeiten gerade an Vorgaben zwischen 30 und 40 Prozent.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%