Fred Butler: Linde-Chef Reitzle will Reinigungsbranche ins Rotieren bringen

Fred Butler: Linde-Chef Reitzle will Reinigungsbranche ins Rotieren bringen

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Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender der Linde AG

Linde-Chef Wolfgang Reitzle will mit der Kette Fred Butler die Textil-Reinigungsbranche ins Rotieren bringen. 50 Millionen Euro lässt er sich das kosten.

Die Kontrolllampe schaltet auf Grün, das leise Brummen verstummt, der Reinigungsvorgang ist beendet. Mit einem einfachen Handgriff lässt sich die Trommel an dem tonnenschweren Edelstahlmonstrum, das die Maße einer Kellersauna hat, öffnen. Siehe da: Die gereinigten Jacken, Hosen und Jacketts sind staubtrocken und kalt, knappe zehn Grad Celsius.

Was wie ein Blick in die Zukunft erscheint, ist in Frankfurt-Höchst Wirklichkeit: bei der Textilreinigungskette Fred Butler. Als Schmutzlöser kommen nämlich weder Wasser, Wärme noch das in herkömmlichen Reinigungen verwendete chemische Lösungsmittel Perchloräthylen zum Einsatz, sondern Kohlendioxyd (CO2). Dieses Verfahren, das erstmals Mitte der Neunzigerjahre vom amerikanischen Unternehmen Hangers angewendet wurde, soll nicht nur sehr schonend für die Kleidung sein. Das verwendete CO2, das sich während des Waschvorgangs bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen verflüssigt und anschließend wieder gasförmig wird, entweicht nur zu zwei Prozent in die Luft. Die restlichen 98 Prozent sind recycelbar.

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Von Hangers hat der deutsche Industriegaseriese Linde vor fünf Jahren die Generallizenz für Europa und die USA erworben. 2005 ließ Linde den Markennamen Fred Butler eintragen, den eine schwedische Agentur erfand und der in seinem Logo einen Pinguin mit weißer Weste zeigt. Seitdem tüftelt die Linde-Tochter Cleaning Enterprises an der Verfeinerung des Verfahrens und hat mit dem schwedischen Elektrogerätehersteller Electrolux spezielle Waschmaschinen entwickelt. In Schweden, Dänemark und den Niederlanden ist die Linde-Tochter mit ihren Fred-Butler-Reinigungen bereits aktiv. Als Franchiseunternehmen sollen sie nun den deutschen Reinigungsmarkt aufmischen.

Fred Butler sei ein Paradebeispiel für die vielen Anwendung von Industriegasen, schwärmt Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Für den Konzern bedeutet es zudem die Rückkehr zum Konsumentengeschäft, nachdem Linde vor gut 40 Jahren die Produktion von Kühlschränken eingestellt hatte. Reitzle will das Geschäft als Franchisemodell ausbauen und bis 2011 rund 50 Millionen Euro investieren.

Dafür hat er sich einen ausgewiesenen Experten geholt: Andreas Klensch. Der 43-jährige Diplom-Kaufmann ist Franchisespezialist. Zwischen 1998 und 2006 war Klensch beim Buletten-Brater Burger King zuständig für das Geschäft mit den Lizenznehmern in Deutschland. Für seinen neuen Arbeitgeber hat Klensch ein System mit mehreren Modulen ausgetüftelt: Stolze zwei Millionen Euro muss ein Franchise-nehmer etwa für eine sogenannte Plant – eine Reinigungsanlage mit bis zu vier riesigen Waschmaschinen – auf den Tisch legen, „eine Summe, die er sich mit maximal drei anderen Partnern teilen kann“, sagt Klensch. Weitere Varianten sind ein Shop mit einer Waschmaschine für 100.000 Euro und als billigstes Modul ein Wäsche-Annahme-Shop für 20.000 Euro.

Nach der Experimentierphase mit den konzerneigenen Reinigungsanlagen in Frankfurt-Höchst, München und Nürnberg sowie 15 Shops und rund 90 Depots in großen Unternehmen sei das System ausgereift, sagt Klensch, und solle nun bundesweit ausgerollt werden. Ein erster Franchisepartner ist seit Ende vergangenen Jahres in Ratingen bei Düsseldorf mit einem eigenem Shop am Start.

Noch lassen Neu-Butler Martin Ide und seine beiden Partner in Frankfurt-Höchst waschen. Im April nimmt der 35-Jährige dann seine eigene Anlage mit zunächst zwei Maschinen in Betrieb. Ausgelegt sei der Standort für vier Maschinen, sagt Ide. Kurz vorher wird er in einem Nachbarort seinen zweiten Shop eröffnen. Vier weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. „Fred Butler steht für eine neue Generation der Textilreinigung“, behauptet Klensch.

Etwas frischen Wind kann die Branche der deutschen Wäschereien dringend gebrauchen. Die Zahl der rund 7000 Betriebe bröckelt seit Jahren ebenso wie der Gesamtumsatz. Organisiert ist die Branche nach dem Prinzip Klitsche: 80 Prozent der Unternehmen sind inhabergeführte Kleinstunternehmen mit Jahreserlösen deutlich unter 500.000 Euro. Bundesweit agierende Filialketten gibt es in der Reinigungsbranche nicht. Die 24-Stunden-Wäscherei Zwo24 wollte vor Jahren ganz Deutschland erobern. Mittlerweile ist die Zentrale pleite, die Läden werden eigenständig fortgeführt.

Der Markt habe aufgrund dieser Strukturen keine Innovationskraft – dafür will nun Linde mit der neuen Technik sorgen. „Außer Preiskämpfen ist da in der Vergangenheit nichts passiert“, sagt Klensch. Aber darauf will sich Fred Butler nicht einlassen. „Gereinigte Hemden für 1,50 Euro wird es bei uns nicht geben.“ Dennoch sieht Klensch in Deutschland Potenzial für 100 Großanlagen und 400 Shops. Denn er setzt darauf, dass es genügend Kunden gibt, die sich den neuen Butler-Service auch etwas kosten lassen.

Denn um ihre Anlagen besser auszulasten, können Franchisepartner sogenannte Office-Boxen in großen Unternehmen aufstellen. Mitarbeiter der Linde-Zentrale in München lassen sich von Fred Butler schon genauso reinwaschen wie die Mitarbeiter der Commerzbank, ABN-Amro oder Siemens in Frankfurt. Auch der gestresste McKinsey-Berater lässt sein vom Meeting-Marathon verschwitztes Businesshemd reinigen: für 4,20 Euro (gefaltet, handgebügelt) inklusive Hol- und Bringservice.

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