Freispruch in Boxclever-Skandal: Strategischer Sieg für Ex-WestLB-Chef Sengera

Freispruch in Boxclever-Skandal: Strategischer Sieg für Ex-WestLB-Chef Sengera

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Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera

Ob schlecht abgesicherte Russland-Geschäfte, Flugaffäre, Babcock-Kredit, Boxclever-, Eigenhandelsskandale oder Hypothekenkrise: Wenn es darum geht, Geld zu verlieren oder über einen Skandal zu berichten, ist die Düsseldorfer Landesbank WestLB mit ihren Chefs häufig dabei.

Kaum ein Vorstand schaffte es bei dem Skandalinstitut jemals in eine zweite Amtszeit. Sämtliche vier Vorstandschefs vor Übergangskandidat Alexander Stuhlmann fielen unangenehm auf, bevor sie das Haus verließen.

Mit Jürgen Sengera musste sich nun einer der Skandal-Manager auch vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf Sengera Untreue vor, weil  er leichtfertig Kredite an die britische Fernseh-Verleihfirma Boxclever vergeben hatte. Durch die Sache entstand der Bank ein Schaden von rund 427 Millionen Euro.  

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Ob auch dem Ex-Chef Thomas Fischer, der erst im vergangenen Jahr über den Eigenhandelskandal gestolpert war, ein Verfahren droht, ist noch fraglich.

Boxclever sorgte einst wegen einer scheinbar genialen Geschäftsidee für Furore. Das Unternehmen vermietete Elektrogeräte wie Fernseher an Privatkunden. Einige Jahre lang lief das Geschäft rund. Im Frühjahr 2003 gerät das Unternehmen jedoch  in eine schwere Krise. Die Einnahmen brechen weg. Elektrogeräte sind mittlerweile so billig, dass das Geschäftsmodell von Boxclever nicht mehr funktioniert. Und die alten Kunden die Boxclever noch aus besseren Zeiten hatte, sterben dem Unternehmen nach und nach weg.

"Sondergenehmigung" des Vorstands

Das Szenario war schon seit Jahren absehbar. Trotzdem wollte die WestLB, allen voran Starbankerin Robin Saunders, 1999 an Boxclever noch einen Kredit in Höhe von 1,3 Milliarden Euro vergeben. Doch die Kreditprüfer lehnten ab, hielten das Geschäft für zu riskant. Erst eine „Sondergenehmigung“ durch den Vorstand machte das Geschäft noch möglich. Es kam wie es kommen musste:  Das Unternehmen rutschte in die Krise. 2003 musste die WestLB die ersten 458 Millionen Euro abschreiben.

Sengera war daraufhin als Vorstandschef nicht mehr haltbar. Die BaFin äußerte „Zweifel an der fachlichen Eignung und Zuverlässigkeit der zuständigen Vorstandsmitglieder. Daraufhin tritt der Vorstandschef zurück.

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