Fritz Raff im Interview: "Wie das Ungeheuer von Loch Ness"

Fritz Raff im Interview: "Wie das Ungeheuer von Loch Ness"

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Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff über den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, öffentlich-rechtliches Internet und den Streit mit Verlegern und Privatsendern.

WirtschaftsWoche: Herr Raff, Sie gehen selten Streit aus dem Weg – wären Sie gern dabei gewesen, als Marcel Reich-Ranicki den deutschen Fernsehpreis ausschlug und Ihrem Medium in Bausch und Bogen jedes Niveau absprach?

Raff: Ich hätte sicher nichts dagegen gehabt, direkt mit ihm zu diskutieren, allerdings war ich bei der Verleihung des Fernsehpreises nicht dabei – ich bin kein Smokingfan und meide solche Veranstaltungen eher.

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Fühlten Sie sich angesprochen von der Kritik?

Nicht direkt – ich habe aber verstanden, dass es für Reich-Ranicki sicher schwer war, manches in dieser Abfolge zu ertragen, und vor allem hat die Aufzeichung der Sendung für einen alten Mann sicher sehr lange gedauert. Er hat wohl völlig falsche Erwartungen gehabt, was an diesem Abend auf ihn zukommt.

Aber Reich-Ranicki hat sich nicht nur über den Abend beklagt, sondern das TV-Programm nahezu komplett kritisiert?

An diesem Tag sind tolle Sendungen ausgezeichnet worden wie „Das Schweigen der Quandts“ und andere, die konnte er nicht gemeint haben. Aber nicht nur für ihn war offenbar irritierend, dass zugleich auch Sendungen ausgezeichnet worden sind wie „Deutschland sucht den Superstar“, die natürlich einen ganz anderen Anspruch haben und eine andere Publikumserwartung bedienen.

Verstehen Sie die Aufregung, die tagelang die Schlagzeilen der „Bild“-Zeitung bestimmte?

Ich habe nicht ganz verstanden, dass dieses Thema in der Lage war, die internationale Finanzkrise aus den Schlagzeilen zu verdrängen.

In wenigen Tagen entscheiden die Ministerpräsidenten darüber, was ARD und ZDF künftig im Internet treiben dürfen. Das hat monatelang für Streit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie Verlegern und Privatsendern gesorgt, zuletzt ist es merkwürdig ruhig geworden – warum?

Weil das ganze Vorhaben, das jetzt in den zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag münden soll, auf der Zielgeraden ist.

Das ist der US-Wahlkampf auch, und da geht es hoch her.

Ja sicher, aber allen Beteiligten ist jetzt klar, dass die Zeit der zugespitzten Polemik – und davon hatten wir reichlich – nun vorbei ist. Die Verleger haben zwar im Sommer noch eine sogenannte Münchner Erklärung abgegeben...

...in der verlangten sie unter anderem, kurz gesagt, dass ARD und ZDF im Internet nur bewegte Bilder und Tondokumente anbieten dürfen, aber keine presseähnlichen Texte.

Mit dieser Erklärung haben die Verleger nichts erreicht, sondern ihre bisherige Position eher karikiert. Das war so überzogen, dass sie die Politiker eher irritiert haben als sich selbst zu nutzen. Uns geht es nun darum, noch einige Punkte durchzusetzen. Dazu zählt, wie lange wir künftig Sportgroßereignisse wie Olympia im Internet zeigen dürfen.

Bislang ist Ihnen das für 24 Stunden erlaubt.

Ja, und das halten wir für nicht logisch, weil es da immer wieder Ereignisse gibt, die zu Diskussionen führen – und da will sich der Zuschauer doch solche Bilder noch einmal anschauen.

Die große Auseinandersetzung dreht sich um die Frage, ob ARD und ZDF wie die Verlage presseähnliche Texte ins Internet stellen dürfen und was darunter zu verstehen ist. Wieso lassen Sie den Verlegern nicht einfach das Feld?

Weil die gegenwärtige Regelung zu schwammig ist. Wir brauchen eine klare Definition dessen, was presseähnliche Angebote im Internet sind. Dazu bedarf es der Rechtssicherheit. Sonst besteht die Gefahr, dass die Verleger unsere Angebote auf Dauer torpedieren und zum Beispiel gegen Texte aus der Tagesschau im Internet rechtlich vorgehen. Wir wollen uns nicht ständig vor Gericht wiederfinden. Allerdings sehe ich das Bemühen der Politik, für Rechtssicherheit zu sorgen.

Abgesehen von Sportereignissen sollen andere Inhalte, die im TV gelaufen sind, sieben Tagen im Netz abrufbar bleiben. Bleibt es dabei?

Ja, im Prinzip ist das so.

Allerdings soll der Rundfunkrat der jeweiligen Sendeanstalt bestimmte TV-Inhalte auf gesellschaftliche Relevanz prüfen und eine längere Veröffentlichung im Internet erlauben können?

So ist es, denn es kann ja nicht sein, dass wir journalistische Angebote wie die „Tagesschau“ oder bestimmte Beiträge – denken Sie an die Präsidentenwahl in den USA – nach sieben Tagen löschen müssen. Es darf nicht sein, dass diese Sieben-Tage-Frist in jedem Genre wie ein Fallbeil dazwischenfährt. Wir wollen bestimmte Inhalte längerfristig anbieten, und das wird auch von der Politik so gesehen.

Wenn es so leicht sein soll, Ausnahmegenehmigungen zu erhalten, kann man die Sieben-Tages-Frist doch gleich auf den Müll werfen?

Wenn Sie mich fragen, wäre die dort sehr gut aufgehoben. Aber im Ernst: Sinn hat die Regel beispielsweise bei Unterhaltungsangeboten, und da hätten wir auch kein Problem.

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