Fusion: Börsenhochzeit: Gemeinsam gegen Asien

Fusion: Börsenhochzeit: Gemeinsam gegen Asien

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Fusion als Chance für die Konkurrenten: Der Parketthandel der Deutschen Börse könnte unter der Fusion mit Nyse Euronext leiden, meint der Chef der Stuttgarter Börse - und wittert Chancen.

Gestern sagten die Deutsche Börse und die amerikanische NYSE Euronext ja zueinander. Bis Ende 2011 wollen sich beide Börsenbetreiber zum größten Handelsplatz der Welt zusammenschließen - wenn das Kartellrecht nicht dazwischen funkt.

Seit einigen Wochen bewegt sich etwas an den Börsenplätzen: Der Betreiber der Börse in Singapur schielt nach der australischen ASX, die Börse Hongkong möchte nicht mehr alleine sein, sagt aber noch nicht, wer der Partner der Wahl ist. London und Toronto haben sich bereits getraut. Vielleicht  klappt es dann ja im zweiten Anlauf auch mit Frankfurt und New York.

Bereits 2008 haben die beiden Börsenbetreiber überlegt, ob sie zusammenarbeiten sollten. Da zierte sich die New Yorker Euronext aber noch. Nun saßen die beiden Vorstände erneut über Fusionsplänen. Gestern sagten sie dann ja zueinander: Reto Francioni und Duncan Niederauer gaben gestern die Fusion bekannt. "Der Zusammenschluss bringt zwei der erfolgreichsten Börsenbetreiber der Welt zusammen", sagte Deutsche Börse-Chef Francioni. Beide Partner bringen ihre Kinder, die Frankfurter Eurex und die New Yorker Liffe, mit in die Beziehung ein. Endes des Jahres sollen die Ringe getauscht werden.

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In der gemeinsamen Erklärung hieß es, von der Zusammenarbeit profitierten sowohl Aktionäre als auch Kunden und Angestellte, außerdem könne man Kosten sparen und Geschäftsfelder vergrößern. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum dritten Jahr 300 Millionen Euro einsparen und 100 Millionen Euro Erlössynergien erzielen werden“, sagte NYSE-Vorstand Niederauer. Außerdem erleichtere die Fusion beispielsweise die Erschließung des asiatischen Marktes, der einer der zentralen Märkte sei. Ein wichtiges Argument auch für Analysten verschiedener Finanzhäuser. Diese begrüßen das westliche Börsen-Bollwerk gegen die stetig wachsende Konkurrenz aus Fernost. Auch Francioni sieht in dem neuen Unternehmen einen attraktiven Partner für die Märkte im asiatisch-pazifischen Raum.

Wer etwas gegen diese Verbindung hat, der möge nun sprechen

Im Vorfeld hagelte es jedoch bereits Kritik, besonders sauer stießen die Fusionspläne den Amerikanern auf. Die sind stolz auf ihre mehr als 200 Jahre alte Börse an der ehrwürdigen Wall Street, der Wiege des US-Kapitalismus. Sie wollen nicht, dass ein deutscher Konzern ihre Börse übernimmt. Alle Beteuerungen des NYSE-Chefs Niederauer, dass „es ein Zusammenschluss und keine Übernahme“ ist, bleiben ungehört. So forderte Lamar Smith, Vorsitzender des Rechtsausschusses im amerikanischen Repräsentantenhaus, umgehend eine sorgfältige Prüfung der Fusion. Er fürchte um den Wettbewerb und um Arbeitsplätze. Noch direkter formuliert es Orrin Hatch, US-Senator aus Utah: "Ich denke, wir wären verrückt, wenn wir das zulassen würden." Sobald die Fusion offiziell beantragt ist, will sich auch das amerikanische Justizministerium mit dem Zusammenschluss befassen.

Senator Hatch sagt, die USA habe die Möglichkeit, die Fusion zu verhindern. Allerdings sind es nicht die USA alleine. Auch Wettbewerber aus aller Welt und das Brüsseler Kartellamt können die Beziehung im Keim ersticken. Analysten gehen davon aus, dass das Kartellamt nur dann ja zur Megabörse sagt, wenn sich beide Betreiber von einigen Geschäftsbereichen verabschieden. Beispielsweise bei einer Zusammenlegung von Liffe und Eurex käme es zu einem Monopol in Europa, das Brüssel sicher nicht guthieße.

Zu guter Letzt könnte der Deal wegen Dieter Posch platzen. Posch ist hessischer Wirtschaftsminister, die Frankfurter Wertpapierbörse unterliegt seiner Aufsicht. Sagt er nein, wird es nichts mit der Hochzeit. Wie seine Antwort ausfallen wird, lässt sich jetzt jedoch noch nicht sagen, er selbst bleibt vage. Ihm gehe es um Arbeitsplätze und den Finanzplatz Frankfurt im Allgemeinen.

Für die Deutsche Börse wäre es nicht die erste geplatzte Fusion. Mal sollte es London sein, dann die Euronext, schließlich die Liffe. Mal war die Konkurrenz schneller und schnappte das Objekt der Begierde unter deutscher Nase weg, mal lag die Aktienbewertung zu weit auseinander, mal waren die New Yorker zu stolz. Da kann man nur Daumen drücken, dass es dieses Mal klappt.

Deutsche behalten die Hosen an

Wie das Kind denn heißen soll, steht noch in den Sternen. DB NYSE Group war in der Diskussion, wogegen die Amerikaner protestierten. NYSE und nicht DB müsse an erster Stelle stehen, forderte ein US-Senator. Niederauer nannte die Namensgebung eine emotionsgeladene Entscheidung, für die man sich noch ein paar Monate Zeit lasse. „Big Börse“ werde es aber sicher nicht, sagte der NYSE-Chef. Dafür ist bereits klar, wie das Unternehmen strukturiert sein soll und wer welche Positionen inne haben wird.

Der klassische Aktienmarkt soll in der neuen Megabörse eine Nebenrolle spielen. Star wird das Derivate-Geschäft. Der Umsatz soll sich aus folgenden Sparten zusammen setzen:

40 Prozent des Umsatzes sollen mit Derivaten erwirtschaftet werdencirca 30 Prozent mit dem Wertpapierhandel20 Prozent durch Verwaltungsgebühren undzehn Prozent sollen sich aus dem Geschäft mit Indizes generieren

Der rechtliche Sitz soll in Amsterdam sein, die Zentralen in New York und in Frankfurt beziehungsweise Eschborn bei Frankfurt bleiben. Das laufende Geschäft übernimmt Niederauer, Francioni wird Vorsitzender des Verwaltungsrates. Darin werden zehn der 17 Plätze von Deutschen besetzt sein.

Die Deutsche Börse ist nach Börsenwert schwerer als die amerikanische NYSE Euronext. Aus diesem Grund werden die deutschen Aktionäre 60 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen halten, die US-Aktionäre die restlichen 40.

Neben der Entscheidung zur Fusion gab die Deutsche Börse auch ihr vorläufiges Geschäftsergebnis für 2010 bekannt: Es sieht gut aus, wenn die Zahlen auch nicht überraschen. Die Frankfurter verzeichneten im Vorjahr einen Anstieg der Umsatzerlöse um zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro und konnten die ursprüngliche Kostenprognose deutlich unterschreiten. Des Weiteren gab es einen Anstieg des Gewinns vor Steuern und Zinsen um fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Vorstand Reto Francioni hält die Ausschüttungen stabil bei 2,10 Euro. Zudem rechnet er für 2011 mit „Wachstum in allen Geschäftsbereichen“.

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