Fusion mit VW: Porsche-Aktien günstig abzugeben

Fusion mit VW: Porsche-Aktien günstig abzugeben

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Porsche bietet Aktien aus einer fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung mit einem hohen Abschlag an. Stimmrechte gibt es jedoch nicht zu kaufen. Und die Fusion mit VW bleibt trotzdem fraglich.

Die von den Milliardärsfamilien Piëch und Porsche kontrollierte Porsche SE steht unter Zeitdruck, da der Gang an den Kapitalmarkt vorerst nur noch bis Ende Mai möglich ist. Zudem müssen die Stuttgarter schon im Juni einen Teil der Schulden zurückzahlen.

Porsche und Volkswagen sollen nach den bisherigen Plänen zu einem Unternehmen verschmolzen werden. Allerdings drücken Porsche Schulden von 6,3 Milliarden Euro zum Jahresende 2010. Der Schuldenabbau gilt neben der Klärung einiger juristischer Probleme als der wichtigste Baustein für die geplante Fusion mit Europas größtem Autobauer Volkswagen, an dem die Porsche SE derzeit etwas mehr als die Hälfte der Stimmrechte und rund ein Drittel des Kapitals hält. Der Volkswagen AG gehört wiederum knapp die Hälfte des operativen Geschäfts Porsches.

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Nach der Kapitalerhöhung sollen die Schulden nach früheren Angaben noch bei 1,5 Milliarden Euro liegen, auf jeden Fall aber sollen sie unter zwei Milliarden Euro sinken. Bei diesem Stand wäre eine Verschmelzung möglich.

Mit der jetzt angepeilten Ausgabe von maximal 131,25 Millionen Anteile zu jeweils 38 Euro – je zur Hälfte Stamm- und Vorzugsaktien – steigt das Kapital des Sportwagenbauers um 75 Prozent. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag gibt es die neuen Aktien mit einem Abschlag von rund einem Drittel. Im frühen Börsenhandel heute geriet die Porsche-Aktie deshalb deutlich unter Druck und musste bis zum Mittag ein Kursminus von mehr als drei Prozent auf 54 Euro hinnehmen.

Die Anteilseigner haben ein Vorkaufsrecht. Je einer gehaltenen Aktie dürfen sie 0,75 neue kaufen - die Zahl der Aktien steigt damit um 75 Prozent auf 306,25 Millionen. Die Familien Piëch und Porsche sowie der Golfstaat Katar, die  sämtliche Stammaktien besitzen, haben sich verpflichtet, ihre Bezugsrechte auszuüben. Die Stimmrechtsverhältnisse bei Porsche bleiben somit unverändert. Aber die neuen Aktien könnten sich nachteilig auf eine Dividende auswirken, sofern der Konzern die ausgeschüttete Gewinnsumme nicht deutlich erhöht.

Sollten die Eigentümer von Vorzugsaktien bei dem Angebot nicht komplett zugreifen, garantieren die Banken die Abnahme der Anteile. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien soll bereits am 30. März beginnen und bis zum 12. April laufen.

Ringen um gemeinsame Zukunft

Die Konzerne sind derzeit dabei, die Beteiligungen zu entflechten – bei der geplanten Fusion der Porsche SE mit der Volkswagen AG tauchen jedoch immer neue juristische Hürden auf, die das Vorhaben in Gefahr bringen. Die Wolfsburger haben allerdings die Option, im Falle einer gescheiterten Fusion der Porsche SE mit der Volkswagen AG den Rest des operativen Geschäfts der Porsche AG, komplett zu übernehmen. De facto wird Porsche derzeit schon als zehnte Marke des Volkswagen-Konzerns geführt – so steht zum Beispiel an der Spitze der Porsche SE schon seit längerem der VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

Das Ringen um eine gemeinsame Zukunft dauert nun schon seit September 2007 an, als der deutlich kleinere Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche ankündigte, den deutlich größeren Autohersteller Volkswagen übernehmen zu wollen. Die Wolfsburger wehrten sich dagegen. Doch lange Zeit sah der deutlich kleinere Sportwagenbauer Porsche wie der sichere Sieger aus. In den ersten Monaten während des Übernahmeversuchs hatte die Porsche-Vorzugsaktie zeitweise knapp 185 Euro gekostet.

Juristische Risiken gefährden Fusion

Dem früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinem Finanzvorstand Holger Härter gelang es 2008 über waghalsige Finanzkonstruktionen, Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien zu erhalten. Doch aufgrund des sogenannten VW-Gesetzes, das dem Land Niedersachsen als Anteilseigner besondere Rechte gibt, bekam Wiedeking Volkswagen nicht ganz unter seine Kontrolle – der Griff in die vollen VW-Kassen blieb ihm damit verwehrt. Wiedeking und Härter lösten mit ihren Finanzspekulationen zudem bei der VW-Aktie bis dahin nie gesehene Kurskapriolen aus und brachten damit zahlreiche Banken und Hedgefonds in arge Bedrängnis. Diese schlugen dann in der Finanzkrise zurück, ließen Finanzierungen platzen und klagen immer noch gegen die Kursverluste von damals. Die Träume des ehrgeizigen Wiedekings, sich den größeren Konkurrenten unter den Nagel zu reißen, platzten. Er und sein Finanzvorstand mussten den Platz räumen und Volkswagen war in der Folge am Drücker.

Mit der Kapitalerhöhung ist allerdings die Fusion noch nicht sicher. In Stuttgart laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen frühere Porsche-Manager wegen des Machtkampfs mit VW im Jahr 2009. Außerdem klagen in den USA Finanzanleger aus dem selben Grund gegen Porsche. Die Ermittlungsbehörden in Stuttgart hatten erklärt, ihre Arbeit sei im Jahr 2011 nicht mehr zu schaffen. Ehe diese Risiken nicht aus der Welt sind, kann eine Fusion nicht stattfinden. Zudem drohen bei einer Fusion vor 2013/2014 hohe Steuerforderungen. VW und Porsche hatten in einer Grundlagenvereinbarung zur Fusion schon eine Möglichkeit abgemacht, falls ein vollständiger Zusammenschluss unmöglich wäre: VW würde in diesem Fall das operative Sportwagengeschäft von Porsche für jetzt noch 3,9 Milliarden Euro vollständig kaufen. Bisher gehören VW erst knapp unter 50 Prozent daran.

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