Fusion von AT&T und Bellsouth: US-Telekommarkt wird wieder zum Oligopol

Fusion von AT&T und Bellsouth: US-Telekommarkt wird wieder zum Oligopol

21 Jahre hat es gedauert, aber nach der Genehmigung der Mammutfusion von AT&T und Bellsouth ist das 1985 auseinandergebrochene US-Telefonmonopol fast wieder hergestellt. Angesichts der Kartellauflagen wird Mobilfunk in der Konzernstrategie zur wichtigsten Säule.

je PORTLAND. Von den damals neu konstituierten acht Gesellschaften – AT&T als überregionaler Anbieter und sieben so genannte „Baby Bells“ als lokale Telefonfirmen – sind nur drei geblieben: neben AT&T noch Verizon Communications und Quest Communications International. Der einstige AT&T-Rivale MCI gehört heute zu Verizon. Die US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission hat die Genehmigung der 86 Mrd. Dollar-Übernahme von Bellsouth indessen an Bedingungen geknüpft, die es AT&T erschweren, die Früchte ihrer neuerlichen Marktführerschaft zu ernten. Da wäre beispielsweise die so genannte Netz-Neutralität, die den Telefonriesen zwingt, den gesamten Internet-Verkehr auf seiner Infrastruktur – auch den der Konkurrenten – gleich zu behandeln. AT&T kann also weder eigene Dienste bevorzugen, noch den Konkurrenten höhere Preise abverlangen. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets für den Telefonverkehr, die Fernsehunterhaltung und den Bezug von Musik und Filmen ist das ein wesentliches Handicap. Beobachter gehen davon aus, dass AT&T sich vor allem auf den Ausbau der Position im Mobilfunk konzentrieren wird. Die Fusion mit Bellsouth gibt dem Fernsprechriesen die Kontrolle über das gemeinsam mit Bellsouth betriebene Joint Venture Cingular Wireless. Cingular Wireless, die sich Ende 2004 AT&T Wireless einverleibte, wird künftig wieder unter der Marke AT&T firmieren. Das Unternehmen ist mit fast 60 Mill. Abonnenten der nach Kunden größte Mobilfunkanbieter der USA, hinkt bei den Erlösen aber hinter Verizon Wireless hinterher. Nur gut ein Drittel des 115 Mrd. Dollar-Jahresumsatzes von AT&T und Bellsouth kommt aus dem Mobilfunk. Nach der Fusion kann AT&T ihren 67,5 Mill. Ortsnetzkunden sowie dem Heer ihrer Firmenkunden jetzt gebündelte Dienste aus Festnetz, Internet und Mobilfunk anbieten. Bislang trat AT&T im Cingular Joint Venture eher vorsichtig auf, aus Sorge, mit der Forcierung des Mobilfunks das traditionelle Festnetzgeschäft zu kannibalisieren. „Cingular ist unser Kronjuwel“, sagte jetzt Konzernchef Edward Whitacre, „Mobilfunk ist künftig das Herz unserer Gesellschaft.“ Die härtesten Wettbewerber in diesem Bereich sind Verizon Wireless und Sprint Nextel sowie T-Mobile, die Tochter der Deutschen Telekom. Verizon Wireless ist ein Joint Venture zwischen Verizon Communications und der britischen Vodafone Group, die 45 Prozent des Mobilfunk-Unternehmens kontrolliert. Die Fusion von AT&T und Bellsouth stärkt deren Wettbewerbsposition nicht nur bei gebündelten Diensten, sondern auch bei der boomenden Werbung über Handys. Experten rechnen deshalb auf dem US-Mobilfunkmarkt mit weiteren Umbrüchen. Die FCC-Bedingung der Netz-Neutralität läuft in zwei Jahren aus und gilt nicht für Fernseh-Dienste über das Internet, um den Telekomriesen nicht gegenüber Kabel-TV-Firmen zu benachteiligen, die bereits Telefonservice über das Internet bieten. Sowohl Verizon als auch Quest haben beim Angebot von Film- und Fernsehunterhaltung über das Internet bislang einen Vorsprung vor der neuen AT&T, vor allem, weil sich Bellsouth auf ihrem Netz im Südosten der USA mit Investitionen in diesen Service zurückhielt.

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