Herbert Hainer, ein Freund des trockenen Humors, war gerade zum Scherzen aufgelegt: „Ja klar“, sagte der Vorstandschef von Adidas, „der neue Ball fliegt die ersten 80 Prozent geradeaus – und dann biegt er scharf nach links oder rechts ab.“ Es ist schon eine Weile her, dass sich Hainer über seinen Ball lustig gemacht hat. Denn ganz allmählich wird die Sache ernst. Teamgeist heißt der Spielball, den der Sportkonzern aus Franken für die Fußballweltmeisterschaft entworfen und mit viel Bohei präsentiert hat. Am vergangenen Dienstag stellte Adidas das Leder gar in einer güldenen Version für den Einsatz im WM-Finale vor. Und der Ball soll natürlich alles andere als unkontrolliert um die Ecke fliegen, sondern präziser durch die Luft peitschen als sein Vorgänger; er wird nicht mehr genäht, sondern geklebt und er besteht auch noch aus weniger Teilen als je ein vergleichbarer Fußball vor ihm. Der Teamgeist ist halt sehr rund. Viel mehr kann man von einem Ball nicht verlangen. Viel mehr nicht. Etwas mehr schon. Denn was ihm noch zum echten Unikum fehlt, ist ein kleiner elektronischer Baustein: Eigentlich sollte ein Microchip im Ball pünktlich zur WM den Sport revolutionieren. Der kleine Sender sollte dem Schiedsrichter etwa anzeigen, ob das Runde denn nun wirklich im Eckigen war. Doch dem funkenden Chip-Ball ergeht es wie zahlreichen technischen Innovationen, für deren Durchbruch die Fußball-WM in Deutschland eigentlich die passende globale Bühne und den Start ins Massengeschäft bieten sollte: Es gibt den Chip zwar, aber wettkampftauglich ist er noch nicht. Nach Tests etwa bei der WM der unter 17-jährigen Nachwuchskicker in Peru entschied der Weltfußballverband Fifa, Ball und Chip müssten noch ein paar Extrarunden auf dem Übungsplatz drehen, ehe sie ernsthaft zum Einsatz kommen – das System hatte noch seine Tücken. Ganz ähnlich geht es auch anderen Technologien, die in den kommenden Jahren – nicht nur in Deutschland – für einen Aufschwung in Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und bei mobilen Diensten sorgen sollen: dem TV auf dem Mobiltelefon etwa oder dem hochauflösenden Fernsehen HDTV. Noch vor wenigen Monaten rankten sich reichlich Blütenträume und Hoffnungen auf Milliardenumsätze mit neuer Technik um die Fußball-WM. Mobilfunkkonzerne müssen sich mit dem Verkauf von Medieninhalten – wie Fußballübertragungen – neue Einnahmequellen sichern; auch Handyhersteller und Unterhaltungselektronikkonzerne erhofften sich von der WM einen Schub durch den Absatz neuer Geräte.
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Doch inzwischen sind sich die Experten einig: Das Turnier allein wird den neuen Angeboten sicher nicht zum großen Durchbruch verhelfen, für viele Innovationen kommt es schlicht zu früh. „Die WM ist zu allererst ein Sportereignis und keine Technikmesse“, sagt Markus Buchwald, Senior Consultant der Bonner Unternehmensberatung Detecon. Zwar wird Star-Kicker Michael Ballack während der WM auch auf den Minibildschirmchen von Handys und anderen mobilen Geräten seine Kopfbälle in Richtung gegnerisches Gehäuse wuchten. Doch nach einer Untersuchung des Marktforschers TNS Infratest wollen hier zu Lande gerade mal zehn Prozent der Mobiltelefon-Besitzer überhaupt das Handy-TV nutzen. Diese Frühstarter seien zwar durchaus bereit, 20 bis 25 Euro im Monat für eine kombinierte Handy-TV/Internet-Flatrate zu zahlen, bei der keine Einzelgebühren anfallen. Der Marktpreis, den allerdings die breite Masse der Konsumenten zu zahlen bereit sei, falls sie denn eines Tages zum Gerät greifen sollte, werde sich „zum Teil deutlich unter 25 Euro monatlich“ bewegen, sagt Infratest-Geschäftsführer Stephan Lauer.













