Fußball-WM: Fifa trifft mit Katar eine schräge Wahl

KommentarFußball-WM: Fifa trifft mit Katar eine schräge Wahl

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Jubel in Katar

von Peter Steinkirchner

Die Würfel sind gefallen - die Fifa-Exekutive um Sepp Blatter und den deutschen Vertreter Franz Beckenbauer hat getagt und entschieden: Katar und Russland richten die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 aus. Vor allem die Wahl von Katar ist eine schräge Wahl, meint Peter Steinkirchner.

Selbst wenn die Wettquoten zuletzt für den Sieg des Emirats sprachen: Dennoch hatten alle selbst ernannten und tatsächlichen Experten mit diesem Ausgang nicht ernsthaft gerechnet – denn keiner der übrigen Kandidaten (Japan, Südkorea, Australien und die USA) hat wohl weniger Fußballtradition als das Emirat im Nordosten der Arabischen Halbinsel. In keinem anderen Bewerberland als dem Wüstenstaat ist es im Sommer, wenn die WM angepfiffen wird, so heiß. Und in keinem die Entfernung zwischen den Stadien so kurz, dass die Nationalkicker praktisch beim Warmlaufen noch mal eben im Nachbarstadion vorbeischauen könnten – Katar ist gerade mal halb so groß wie das Bundesland Hessen. Wobei – bei Durchschnittstemperaturen im Sommer von 45 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von annähernd 90 Prozent bekommt Sportreiben ohnehin seinen sehr eigenen Reiz. Und was die Stadien betrifft: neun der zwölf Sporttempel müssen für die Hohe Messe des Kickergewerbes erst noch aus dem Wüstenboden gestampft werden – die internationale Bauindustrie wird’s freuen. Auch Deutsche profitieren: Fünf der zwölf Arenen entwirft wohl das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner. Und die Deutsche Bahn soll helfen, das Schienennetz rechtzeitig WM-tauglich zu machen.

Wüstensöhne müssen Gas geben

Was jedoch die Fifa-Oberen geritten hat, ausgerechnet hierher die WM zu vergeben? An einem wird es jedenfalls nicht mangeln – das Emirat, in dem mittlerweile mehr Ausländer leben als Einheimische, verfügt dank seiner Öl- und Gasvorkommen über das nötige Kleingeld, das es offenbar geschickt einzusetzen versteht. Und muss nun nicht länger neidvoll zum Nachbarn Abu Dhabi schielen, dass sich dank seiner Rennstrecke auf den Formel 1-Kalender und damit ins Bewusstsein der Sportwelt hieven konnte. Katar zieht nun nach – und demonstriert mit seiner Wahl zugleich, wie wenig sich die Fifa tatsächlich um sportliche Belange schert. Die Wahl von Russland und Katar wird noch für reichlich Ärger sorgen – nicht allein deshalb, weil nach massiven Korruptionsvorwürfen und der Suspendierung von zwei ihrer Mitglieder nur 22 der 24 Fifa-Exekutivmitglieder über die künftigen WM-Orte abstimmten. Das könnte Klagen Tür und Tor öffnen.

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Sportlich jedenfalls müssen die Wüstensöhne in zwölf Jahren bis zur WM noch ordentlich Gas geben, wenn sie sich bei ihrer Premiere auf der ganz großen internationalen Bühne  nicht gnadenlos blamieren wollen. In der Weltrangliste der Fifa rangieren die Katar-Kicker auf Rang 113 - direkt vor der Fußballgroßmacht Thailand. Warum das so ist, das demonstrierten sie nicht zuletzt im Viertelfinale des Asien-Cups, als einem ihrer Stürmer im Match gegen Usbekistan das bemerkenswerte Kunststück gelang, in der Nachspielzeit das leere Tor zu verfehlen. Da staunte die Fußballwelt zum ersten Mal über Katar.

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