Galerist Gerd Harry Lybke: "Spekulanten fallen weg"

Galerist Gerd Harry Lybke: "Spekulanten fallen weg"

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Galerist Gerd Harry Lybke

Galerist Gerd Harry Lybke über die Krise des Kunstmarkts und die Chancen für Sammler.

Herr Lybke, haben Sie heute schon ein Bild verkauft?

Nein.

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Ihr Motto war doch immer: Nur eine verkaufte Arbeit ist auch eine gute Arbeit. Was ist los?

Das Motto gilt noch immer. Ich habe heute auch schon mit der Galerie telefoniert, mache aber gerade ein paar Tage Urlaub auf Hiddensee – das sagt schon einiges.

Was denn?

Dass die Krise auch an mir nicht spurlos vorübergeht. Dennoch muss ich niemanden entlassen, wir haben Rücklagen gebildet, geringe laufende Kosten und sind aus früheren DDR-Zeiten das Sparen gewöhnt. Aber wir werden dieses Jahr zum Beispiel nicht mehr auf die Kunstmesse nach Miami gehen...

...mit ihren Preisen und Partys das Synonym der Blase am Kunstmarkt...

...und es dauert wieder länger, den richtigen Kunden für die Arbeiten meiner Künstler zu suchen. Vor einem Jahr war das einfacher.

Auf der New Yorker Kunstmesse Armory Show im März zeigten Sie Ölbilder von Matthias Weischer und konnten alle Arbeiten verkaufen. Das klingt nicht nach Krise.

Das hat aber nur geklappt, weil Arbeiten dieser Art von diesem Künstler lange nicht zu haben waren und wir ein Jahr -intensive Vorarbeit geleistet hatten. Trotzdem haben die meisten Kunden erst nach dem zweiten, dritten Besuch am Stand -gekauft. Früher wäre alles am ersten Tag weg gewesen. Kunst verkauft sich eben nicht mehr so schnell und sportlich wie noch vor Kurzem.

Welche Konsequenzen hat das für den Markt?

Die Umsätze werden im Markt um rund 40 Prozent einbrechen, allein in Berlin 70 Prozent der 600 oder 700 Galerien schließen müssen, die es hier inzwischen gibt.

Welche sind besonders gefährdet?

Solche, die ihr Geld in PR, viele Mitarbeiter und größere Ausstellungsflächen gesteckt haben, anstatt rechtzeitig Rücklagen zu bilden. Die, die erst im Boom eingestiegen und nicht gewohnt sind, dass man normalerweise die ersten drei Jahre in diesem Geschäft nichts verdient.

Und die Künstler?

Müssen wieder lernen, dass man eine Akademie nicht besucht, um nach dem Studium gleich dickes Geld zu machen.

Weil auch den Sammlern das Geld ausgeht?

Weil die Spekulanten wegfallen, die Kunst nur als Prestigeobjekt oder Wertanlage betrachtet haben. Das finde ich gut.

Sie beißen die Hand, die Sie füttert...

Nein. Gute Arbeiten meiner Künstler an gute Sammlungen zu vermitteln, ist doch das A und O meines Geschäfts. Das heißt derzeit auch, einem wichtigen Sammler eine gute Arbeit zu reservieren, selbst wenn er sie erst in einem Jahr bezahlen kann. Die Sammler sind froh, wieder mehr Zeit zu haben und nicht mehr innerhalb weniger Minuten über den Kauf millionenschwerer Kunstwerke entscheiden zu müssen, weil sonst ein Konkurrent zuschlägt. Diese Krise ist auch eine Chance.

Wieso?

Weil jahrelang betonierte Verhältnisse aufbrechen, frische Energie entsteht, neue Galerien und Künstler nachkommen werden – und hohe Preise kein Maßstab für Wertschätzung sind. Kunst ist Passion. Und dafür kann man immer Geld ausgeben. Auch als Schutz gegen Inflation.

Was empfehlen Sie?

Werke arrivierter Künstler bieten auf dem jetzigen Preisniveau durchaus wieder Einstiegschancen. Aber der Blick zurück in die Kunstgeschichte ist nicht das allein selig machende Kriterium. Gerade jungen Sammlern empfehle ich, sich am besten mit Künstlern ihrer Generation zu beschäftigen, weil sie deren Kunst am besten nachvollziehen können. Um so, befreit vom ängstlichen Blick auf mögliche finanzielle Renditen, ihr Leben zu bereichern.

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