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Galileo: EADS-Satellitenbauer unter Druck

von Markus Fasse Quelle: Handelsblatt Online

Nach Galileo droht die deutsche EADS-Tochter Astrium zusätzlich den Auftrag für die Wettersatelliten zu verlieren. Nutznießer ist erneut OHB. Eventuell wird der Auftrag aber auch zwischen beiden aufgeteilt. Die Entscheidung der ESA darüber soll in den kommenden Tagen fallen.

Die neuen Wettersatelliten sollen ab 2015 die Vorgänger ablösen Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Die neuen Wettersatelliten sollen ab 2015 die Vorgänger ablösen Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
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MÜNCHEN. Der Januar war ein schlechter Monat für EADS Astrium, der Februar könnte noch frostiger werden. Nachdem Astrium den Großauftrag für das Navigationsprojekt Galileo verloren hat, droht die EADS-Satellitensparte nun, auch bei den Wettersatelliten den Kürzeren zu ziehen. Die europäische Weltraumagentur ESA will in den kommenden Tagen über den Bau der Wettersatelliten Meteosat entscheiden. Geht es nach ESA-Chef Jean-Jacques Dordain, bekommt den Auftrag der französisch-italienische Anbieter Thales-Alenia. Als dessen Auftragnehmer käme dann der deutsche OHB-Konzern zum Zuge, mittlerweile der schärfste Astrium-Rivale.

Auf dem Spiel steht der dickste Auftrag im europäischen Satellitengeschäft seit Jahren. Ausgeschrieben sind sechs Satelliten, die das Rückgrat der europäischen Wetterbeobachtung bilden. Diese sollen ab 2015 schrittweise die bestehenden Wettersatelliten ablösen. Der Auftrag hat einen Wert von 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro. "Es geht um die Vorherrschaft im europäischen Satellitengeschäft", sagt ein Brancheninsider. Und um hochwertige Arbeitsplätze: Thales-Alenia bangt um seinen Standort in Cannes, EADS Astrium um Friedrichshafen.

Die Unternehmen geben sich bedeckt. "Zu laufenden Verhandlungen keinen Kommentar", hieß es bei Astrium. Auch OHB wollte sich nicht äußern. Die ESA ließ offen, wann der Auftrag erteilt wird. Hinter den Kulissen tobt der Machtkampf zwischen deutschen und französischen Satellitenbauern mit voller Härte.

Zuständig für die Ausschreibung ist das "Tender Evaluation Board", das am vergangenen Donnerstag seine Empfehlung abgegeben hat. Demnach solle der Auftrag zwischen Astrium und Thales aufgeteilt werden. ESA-Chef Dordain will nun aber exklusiv mit Thales-Alenia verhandeln, heißt es in Branchenkreisen. Sicher ist: Thales-Alenia hat das günstigere Angebot vorgelegt.

Die Deutschen fühlen sich nun über den Tisch gezogen. In deutschen ESA-Kreisen kursiert ein Papier, dass dem französischen Angebot Dumping-Preise unterstellt. Und: "Die Empfehlung für das Thales-Angebot fußt auf einer massiven Intervention der französischen Regierung", steht dort. "Im Endeffekt würden deutsche Steuerzahler tatsächlich die französische Industrie subventionieren und Deutschland in einer Abhängigkeit halten."

EADS-Astrium pocht auf das so genannte Geo-Return-Prinzip: Demnach müssen bei ESA-Ausschreibungen genauso viele Arbeitsanteile zurückfließen, wie der entsprechende Staat in das Projekt investiert hat. Deutschland beteiligt sich etwas stärker an der Finanzierung des Meteosat-Projektes und könnte demnach die industrielle Führung beanspruchen, hofft Astrium. Die Franzosen und OHB kontern: Mit einem Arbeitsanteil von rund 34 Prozent könnte OHB als Unterauftragnehmer den deutschen Arbeitsanteil voll abdecken.

So könnte OHB erneut der Gewinner des Satellitenpokers werden. Die "Orbitale Hochtechnologie Bremen" hat EADS in den vergangenen Jahren mehrere Schlappen bereitet. Völlig überraschend beauftragte die Bundeswehr 2006 OHB mit dem Bau der SAR-Lupe-Spionagesatelliten und erteilte der favorisierten Astrium eine Absage. Anfang 2010 dann der Paukenschlag: Für rund 560 Mio. Euro kommt OHB bei der Neuausschreibung des Satellitennavigationssystems Galileo zum Zuge.

Die Börse feiert den einstigen Neuer-Markt-Wert. Gestern legte die Aktie erneut um rund 3,5 Prozent zu, in den vergangenen Monaten hat sich der Kurs fast verdoppelt. Zwei Drittel der Anteile liegen in den Händen der Gründerfamilie Fuchs, die das Unternehmen nach wie vor auch operativ führt.

Für die Meteorologen ist der Streit der Satellitenbauer nebensächlich, sie warten sehnsüchtig auf die neuen Apparate. Vier der sechs neuen Satelliten sind mit Hochleistungskameras ausgestattet, die noch exaktere Satellitenfotos liefern sollen. Zwei weitere arbeiten mit Infrarotmessungen, die Temperaturunterschiede und Wetterströmungen erfassen.

Satellitenbau

Enger Markt Aufträge von Telekommunikationsfirmen sind in der Krise rar, öffentliche Aufträge daher überlebenswichtig. Neben Galileo ist der Bau der sechs europäischen Wettersatelliten zur Zeit das wichtigste Projekt für die Industrie. Der Sieger der Ausschreibung ist erst einmal ausgelastet.

Konkurrenten Seit Jahren streiten die EADS-Tochter Astrium und der französische Rivale Thales-Alenia um die öffentlichen Aufträge in Europa. Bei Projekten der Weltraumbehörde ESA muss Deutschland in Höhe seines Projektbeitrages beteiligt werden. Thales-Alenia will daher Unteraufträge an die Bremer OHB vergeben. OHB hat EADS-Astrium bereits bei den Projekten Galileo und SAR-Lupe ausgestochen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2010, 22:15 UhrAnonymer Benutzer: Europäer

    Dass die französische Regierung eine extrem nationalistische industriepolitik verfolgt, dabei auch deutsche industrieinteressen entgegen lautstarker Freundschaftsbeteurungen mit Füssen tritt, ist hinlänglich bekannt.

    Dass sie aber einen ESA Generaldirektor, weil er zufällig Franzose ist, 'fernsteuern' kann, in dem Fall ESA interne Auswahlgremien zu überstimmen ist eine neue Qualität an Dreistigkeit.
    Hier muss die deutsche Regierung gegenhalten, will sie noch ernstgenommen werden.
    Apropos 'zufällig'. in den 35 Jahren, in denen es die die ESA gibt, gab es 14 Jahre also 40% einen französischen Generaldirektor. Der französische Anteil am ESA-budget ist aber nur etwa 25%. Alles klar?
    Wie ist das eigentlich bei der EZb, beim iWF?

  • 09.02.2010, 12:48 UhrAnonymer Benutzer: Nicht Dumm

    ist doch klar, dass die Franzosen ihre Cooperation mit den Deutschen in EADS opfern, um anschließend groß mit ihrer Thales das Sagen ohne Deutschland zu haben.

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