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Gastgewerbe: Luxushotels stehen vor großer Welle

von hans-juergen.klesse@wiwo.de

Die deutsche Luxushotellerie steht vor einem Bauboom ohnegleichen. Kann der Markt die zusätzliche Kapazität überhaupt verkraften?

Luxushotel Adlon in Berlin: Zweistellige Ertragsverbesserungen,  AP
Luxushotel Adlon in Berlin: Zweistellige Ertragsverbesserungen, Foto: AP

Mehr als 175 Jahre lang das erste Haus am Platz und dann so ein trauriges Ende: Seit 1999 eine eingerüstete und von Plastikplanen verhängte Ruine, in den letzten noch benutzbaren Erdgeschossräumen ein Billigschuhladen, der vier Jahre lang den endgültigen Räumungsverkauf plakatierte, der Haupteingang verkommt zur Pinkelecke für Obdachlose und Betrunkene. Erst 2005 rückten die Abrissbagger an und machten Platz für den Neubeginn. Der ist für das kommende Frühjahr geplant: Dann soll der Breidenbacher Hof an der Düsseldorfer „Kö“ wieder eröffnet werden – und mit gut 90 Zimmern und Suiten, Restaurants, Bars und einem Spa, Luxusapartments und teuren Geschäften an den Glanz alter Zeiten anknüpfen. Betrieben wird das neueste Luxushotel der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt von der amerikanischen Capella-Gruppe. Was in Düsseldorf passiert, ist kein Einzelfall: Die Luxushotellerie in Deutschland steht vor einem Riesenkapazitätsschub. Bis 2013 werden nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens CHD-Expert und des Hotelverbands Deutschland (IHA) insgesamt 49 neue Luxushotels mit rund 9300 zusätzlichen Zimmern eröffnet – eine Zunahme um mehr als 150 Prozent. „Vor allem 2008, 2009 und 2010 kommt eine große Welle“, sagt Christoph Härle, Hotelexperte beim Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle, „die Euphorie angesichts der guten Performance in 2005 und 2006 treibt Projektentwickler und Hotelbetreiber an.“ Ob der Markt die zusätzliche Kapazität verkraften kann, halten Branchenexperten allerdings für fraglich. Zwar sind Belegung und Erträge in den nobelsten deutschen Hotels dank Fußballweltmeisterschaft und generell höherer Besucherzahlen aus dem Ausland im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: In Berlin, Hamburg und München verbesserte sich der durchschnittliche Zimmerertrag sogar um bis zu 23 Prozent. Doch „die Zimmerpreise sind trotz des Wachstums weiter Lichtjahre entfernt von europäischen Top-Performern wie Mailand und London“, heißt es in einer Studie von Jones Lang LaSalle über den deutschen Hotelmarkt. Was verwöhnte Gäste in Mailand, Paris oder London für eine Nacht im Vier- oder Fünf-Sterne-Zimmer ausgeben müssen, reicht in Berlin, Frankfurt, München und Hamburg – den vier teuersten deutschen Städten – für wenigstens zwei Tage. Worüber sich die Touristen freuen, ist die Folge der seit Jahren bestehenden Überkapazität. Der neue Hotelbauboom dürfte den Abstand zu anderen europäischen Metropolen weiter vergrößern, zumal die aktuelle Entwicklung kaum Anlass zu Optimismus gibt: Obwohl die Zahl der Übernachtungen in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres noch einmal um 3,4 Prozent, die der Gäste aus dem Ausland sogar um 7,2 Prozent zunahm, gaben die Zimmerpreise bundesweit um zwei Prozent nach, die in der Luxushotellerie sogar um 2,6 Prozent. „Nicht jeder Nachfrageschub und jedes Plus in Zimmerpreis und Belegung sollte sofort eine Flut an zusätzlichen Bettenkapazitäten generieren“, warnt Hotelmarktexperte Härle. Vor allem für Düsseldorf kommt die Warnung zu spät: Mit fünf Neubauprojekten bis 2013 und fast 1000 zusätzlichen Zimmern allein im Fünf-Sterne-Segment liegt die Modestadt am Rhein bei der Aufstockung gleichauf mit München und Frankfurt – ohne deren Besucherzahlen. Horst Schulze, Chef der Capella-Hotelgruppe und zukünftiger Betreiber des Breidenbacher Hofs, ficht das nicht an: „Wir wollen einen durchschnittlichen Zimmerpreis von 350 Euro pro Nacht erzielen, Rabattspielchen werden wir nicht mitmachen.“ Ob er das durchhalten kann? Im vergangenen Jahr erreichten die Vier- und Fünf-Sterne-Häuser in Düsseldorf gerade mal einen Durchschnittspreis von 111 Euro – zusammen mit Köln das schlechteste Ergebnis aller deutschen Großstädte.

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