Gastronomie: Authentisch als außergewöhnliche Idee

Gastronomie: Authentisch als außergewöhnliche Idee

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Le-Pain-Quotidien-Restaurant: Jedes Lokal hat einen extra langen Tisch

von Silke Wettach

Die Restaurantkette Le Pain Quotidien will nicht als Kette erscheinen. Die Masche mit dem Authentischen kommt an.

Vincent Herbert möchte den Puls seiner Kunden senken. „Die Welt da draußen ist so verdammt effizient“, sagt der Belgier, „wir wollen den Menschen einen Rückzugsort bieten, an dem sie entspannen können.“ Der ehemalige Investmentbanker mag wie der Manager eines Wellnesstempels klingen. In Wirklichkeit ist er der Chef der Restaurantkette Le Pain Quotidien und verkauft gutes Brot aus Bio-Zutaten mit gesundem Belag fast wie früher am Küchentisch der Eltern oder Großeltern.

Das eigentlich Besondere an dem Laden mit dem schwer aussprechlichen französischen Namen, der „tägliches Brot“ auf Deutsch heißt, ist jedoch der Hintergedanke: Wie kein anderer in der Fast-Food-Branche möchte der Le-Pain-Quotidien-Chef möglichst vermeiden, dass seine Lokale als Restaurantkette erscheinen. Obwohl es Le Pain Quotidien seit 19 Jahren gibt, eröffnet er Mitte November in München schräg gegenüber vom Hofbräuhaus erst die zweite Filiale in Deutschland, dem größten Markt in Europa. Und für Herbert steht fest: „2010 werden wir das Wachstum drosseln.“

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131 Filialen weltweit gibt es von Le Pain Quotidien bereits, in den vergangenen Wochen öffneten welche in Madrid, Moskau und Amsterdam. Wichtig ist jedes Mal, dass der Laden Authentizität, Individualität und Originalität suggeriert. Die Idee geht auf den Belgier Alain Coumont zurück, der 1990 das erste Le Pain Quotidien unweit der Brüsseler Börse eröffnete. Heute ist der gelernte Koch mit Firmenchef Herbert einer der fünf Anteilseigner des Unternehmens, das Lizenzen an Franchisepartner vergibt und die Lokale in den USA, Frankreich und Großbritannien selbst betreibt.

Croissant kostet 1,50 Euro

Geschäftszahlen gibt Le Pain Quotidien nicht heraus. Herbert lässt sich nur entlocken, dass die 41 Läden in den USA im Schnitt umgerechnet 1,7 Millionen Euro Umsatz im Jahr machen, was repräsentativ sei. Bei der Londoner Filiale im Bahnhof St. Pancras ist sogar von knapp 4,5 Millionen Pfund Umsatz die Rede. Le Pain Quotidien macht seinen Lizenznehmern strenge Vorgaben. Weil Gründer Coumont in den ersten Laden einen langen Tisch vom Flohmarkt stellte, muss bis heute in jeder Filiale eine Gemeinschaftstafel stehen, an der sich die Gäste mischen. Der große lange Tisch symbolisiert Gastlichkeit und Geselligkeit. In Düsseldorf, wo im August die erste Le-Pain-Quotidien-Filiale Deutschlands eröffnete, bietet er Platz für 26 Personen.

Ebenso verlangt Le Pain Quotidien von den Lizenznehmern, dass sie nur Gebäude auswählen, die an die vermeintlich gute alte Zeit erinnern. „Jedes Pain Quotidien soll individuell wirken“, sagt Thomas Burscheidt vom deutschen Franchisenehmer Apeiron. In München wurde während der Umbauarbeiten eine alte Säule mit Mosaiken freigelegt. Die Kundschaft kommt aber auch wegen der Qualität der Ware, die an der altmodischen Theke zum Mitnehmen verkauft wird. Der Sauerteig für die zwei Kilo schweren Brotlaibe aus Dinkel oder Roggen ruht sechs Tage, die Brioches werden mit reichlich Butter zubereitet. Das hat seinen Preis. In Deutschland kostet das Croissant zum Beispiel 1,50 Euro, fast doppelt so viel wie beim Bäcker um die Ecke. Trotzdem freut sich Apeiron-Manager Burscheidt über „exorbitant hohe Verkäufe“ in Düsseldorf.

Apeiron hat sich auf Edel-Schnellimbissketten spezialisiert und betreibt bereits zwei Filialen der Italo-Kette Vapiano. Mittelfristig will Burscheidt, in Deutschland 30 Le-Pain-Quotidien-Filialen eröffnen. Nach München stehen Frankfurt und Köln auf dem Programm, dann sollen Hamburg und Berlin folgen. Auf die Spitze treiben will Le-Pain-Quotidien-Chef Herbert seine Restau-rantidee im kommenden Jahr. Dann will er ein Lokal im New Yorker Central Park eröffnen, in bester Lage mit Blick auf den Great Lawn. Das Restaurant soll ein Stück Landleben in die amerikanische Metropole bringen: mit eigenem Bauerngarten mit Obst und Gemüse – weil sich das einfache Gute einfach gut verkauft.

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