Gbureks Geld-Geklimper: Die Ohnmacht der Fondsmanager

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Den richtigen Fonds auszuwählen, erfordert angesicht des riesigen und verwirrenden Angebots Durchblick

Kolumne

Diesmal nimmt WirtschaftsWoche-Kolumnist Manfred Gburek die Mechanismen der Fondsbranche, des Fondsvertriebs und die Argumente der Fondsverkäufer unter die Lupe.

Das heißt, der Kaufimpuls geht von Verkäufern aus, die sich als Anlage- oder Finanzberater tarnen, bei Banken und Sparkassen angestellt sind oder als freie Mitarbeiter von Versicherern und Finanzvertrieben ihre Provision verdienen. Damit potenzielle Kunden sich einbilden können, der Kaufimpuls komme von ihnen selbst, müssen ihnen die Vorteile des Fondskaufs klar werden. Da schlägt die Stunde der Verkäufer: Steigen die Aktienkurse, verkaufen sie Aktienfonds; ihren Kunden suggerieren sie so den Vermögensaufbau und weihen sie nebenbei in die Geheimnisse des Cost Averaging ein, das Sparen in Raten - leider mit ungewissem Ausgang. Ist dagegen wie jetzt allseits die Wirtschaftskrise spürbar, schwenken die Verkäufer auf Geldmarkt- und Rentenfonds um, die am besten noch mit Garantien ausgestattet sein sollten; ihren Kunden suggerieren sie damit Sicherheit. Und über allem schwebt das Argument, Fonds seien durch die breite Streuung ihrer Anlagen mit einem Risikopuffer ausgestattet.

Durchblick ausgeschlossen

So funktioniert das Fondsgeschäft im Prinzip schon seit Jahrzehnten. Das schließt indes nicht aus, dass die Investmentbranche den Verkäufern immer wieder mit neuen Fondsvarianten auf die Sprünge hilft. So beispielsweise zu Beginn dieses Jahres, als der deutsche Branchenverband BVI im Rahmen einer Umgruppierung innerhalb der ohnehin schon in alle Richtungen ausfransenden Statistik mit Zielvorgabe-, Lebenszyklus-, Hybrid- und Alternative Anlage-Instrumente-Fonds aufwartete. Oder etwas später im März, als der Verband für Geldmarktfonds eine "Rendite-Risiko-gestützte Differenzierung" einführte, wonach solche Fonds auf Euro-Basis in die Kategorien "klassisch" und "chancenorientiert" aufgeteilt wurden. Aktuell können Kunden in der ersten Kategorie zwischen 76 Fonds mit Jahrsergebnissen (Basis: drei Jahre) von plus 3,87 bis minus 1,34 Prozent wählen, in der zweiten Kategorie zwischen 30 Fonds mit plus 3,46 bis minus 16,78 Prozent.

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Da blicken sogar ausgebuffte Verkäufer nicht mehr durch, geschweige denn ihre Kunden. Dabei ist das nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fondsvielfalt. Hinzu kommen zum Beispiel 15 Rentenfonds- und 25 Aktienfonds-Kategorien mit Hunderten überwiegend spezialisierter Fonds allein von Seiten der BVI-Mitgliedsfirmen. Berücksichtigt man auch die weiteren in Deutschland zugelassenen Fonds, ergibt sich eine stattliche vierstellige Zahl, die zudem ständig variiert, weil fast täglich neue Fonds entstehen und alte von der Bildfläche verschwinden.

Keine präzisen Vorhersagen

Nun könnte man meinen: Wie gut, dass es Ratingagenturen gibt, die den Verkäufern und ihren Kunden angeblich den nötigen Durchblick verschaffen. Doch diesbezüglich sind erhebliche Zweifel angebracht. Denn die Agenturen mischen mit ihren diversen Kenzahlen in der Regel zwar die Performance-Hitlisten auf, aber welche Fonds in den nächsten Jahren voraussichtlich am besten abschneiden werden, können sie auch nicht vorhersagen. Dafür gelingt es ihnen, mit den Ergebnissen ihrer Arbeit die Investmentgesellschaften und deren Fondsmanager zu beglücken, die sich aus Dutzenden von Auszeichnungen (so genannten Awards) auf Basis pseudowissenschaftlicher Recherchen fast immer eine passende aussuchen können. Mit denen gehen die Verkäufer, unterstützt von flotten Werbesprüchen, danach auf Kundenfang - was ein Mal mehr die These stützt, dass Fonds nicht gekauft, sondern verkauft werden.

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