Gefängnis-Report: Nadelstreifen hinter Gittern: Manager berichten aus dem Knast - Seite 5

Gefängnis-Report: Nadelstreifen hinter Gittern: Manager berichten aus dem Knast

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Bosse hinter Gittern
Zahl der Personen, die am 31.3.2008 wegen ausgewählter Wirtschaftsstraftaten Freiheitsstrafen verbüßten

Anwälte behaupten, es gebe bei Gefängnissen ein Süd-Nord-Gefälle in Deutschland. Besonders liberal und resozialisierungsfreundlich handhaben demnach Länder wie Nordrhein-Westfalen und Berlin den offenen Vollzug. Der Heidelberger Strafverteidiger Alexander Keller, zu dessen Mandanten der wegen Betrugs verurteilte Flowtex-Chef Manfred Schmider gehörte, versucht Mandanten deshalb „möglichst nach NRW“ zu bekommen. Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Hessen gelten als restriktiv. Die Chance, gleich als Freigänger die Haft anzutreten, sei dort geringer. JVA-Chef Beckheuer warnt bereits vor „Vollzugstourismus“. Gefangene hätten ihren Wohnsitz schon von Hessen nach NRW verlagert, um ihre Strafe dort abzusitzen. Aber die strenge Ordnung der süddeutschen JVA hat auch etwas für sich, sagt Feldmayer-Anwalt Reymann-Brauer: „Für bürgerliche Häftlinge bedeutet sie einen besseren Schutz vor Übergriffen. Wo es lockerer zugeht, dominieren diejenigen, die sich im Knast-Milieu zu Hause fühlen.“

Der Neuanfang ist extrem schwierig

Und nach der Haft? Der Neuanfang ist extrem schwierig. Oft steht nur noch die Familie hinter den gefallenen Größen – wenn überhaupt. Der Gastronom und frühere Präsident des Fußballvereins 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser senior, bekannte nach drei Tagen U-Haft im Frühjahr 2004: „Als ich nach der Entlassung durch den Biergarten ging, das war mit das Schlimmste. Da braucht man eine innere Überwindung, weil man sich doch schämt.“ Ermittelt wurde gegen ihn wegen Schmiergeldzahlungen beim Bau des Münchner Fußballstadions Allianz-Arena. Das Verfahren gegen Wildmoser senior wurde eingestellt, weil sein Sohn ihn entlastete und 2005 wegen Untreue und Bestechlichkeit zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Michael Kölmel, der zwei Tage in U-Haft saß und eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten aufgebrummt bekam, feierte dagegen ein erfolgreiches Comeback. Der ehemalige Kinowelt-Chef, der mit dem Filmrechtehändler 2002 pleitegegangen war, kaufte zurück, was von dem bankrotten Unternehmen übrig war. Dann baute er es zu Deutschlands größtem DVD-Händler mit rund 20 Tochtergesellschaften auf. Im Januar dieses Jahres schließlich verkaufte er die neue Kinowelt nach Brancheninformationen für 70 Millionen Euro an die französische Filmgruppe Studio Canal.

Knast als Therapie

Es gibt aber auch Manager, die ihre Haft zur überfälligen Läuterung nutzen. „In der Untersuchungshaft fallen einem alle Sünden ein“, sagt Anlagebetrüger Sommer. Für ihn sei der Knast „sogar heilsam“. „Man kommt als der Größte dort an“, erinnert er sich, „der Türrahmen ist für das Ego zu niedrig.“ Die ersten zwei Anwälte – „teure Leute, bekannte Namen“ – setzten ihm Hirngespinste in den Kopf, sie würden ihn ganz schnell rausholen aus dem Gefängnis. Erst der dritte Anwalt habe ihm die Augen für seine „wirkliche Lage“ geöffnet.

Über sein Vorleben als Manager sagt Sommer heute: „Im Grunde war ich krank. Ich konnte nicht schlafen, ich nahm Morphine und lag mit zitternden Beinen im Bett. Das war kein Leben mehr.“ Jahrelang hatte er mit allen legalen und illegalen Mitteln versucht, sein Unternehmen zu retten. Dass das Lügen- und Finanzkonstrukt am Ende zusammenbrach, sagt er nun und lächelt, das war „meine Lebensrettung“.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.03.2009, 11:36 UhrAnonymer Benutzer: Martin S.

    Auf keinen Fall alle Manager verteufeln, AbER
    die, die mist gebaut haben dürfen kein Abfindungen mehr
    bekommen und müssen endlich mal behandelt werden wie
    das kleine Volk! Also, in den Knast mit den Sche*ßtypen !

  • 28.12.2008, 14:24 UhrAnonymer Benutzer: ELIASS

    in China werden korrupte Manager sogar hingerichtet...

    Es gibt viele Manager die mit Leuten wie z.b. von Pierer einer Meinung sind: Die Deutschen Arbeitnehmer sind zu anspruchsvoll.

    "...Mehrfach hatte er gesagt, Siemens werde in Zukunft vor allem in Niedriglohnländern beschäftigung aufbauen. Als beispiel nannte von Pierer China: "12.000 ingenieure kosten dort so viel wie in Deutschland 2000...." (Spiegel Online 22.03.2004)

    Diesen Managern möchte ich sagen: ich bin gern bereit, für das gleiche Geld wie ein Chinese zu arbeiten, wenn in Deutschland korrupte Manager ebenso bestraft werden wie in China: mit Genickschuss !"

  • 13.12.2008, 10:46 UhrAnonymer Benutzer: guenter

    Alle Manager haben sich über das buch" Nieten in Nadelstreifen" mokiert. Herr Kohl, Herr Schröder und Frau Dr. Merkel haben sich vor die Führungsriege gestellt!
    Die kommen doch sowieso nicht ni den Knast

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