Gefahr der Wirtschaftsspionage: Sicherheitslücke Blackberry

Gefahr der Wirtschaftsspionage: Sicherheitslücke Blackberry

von Jürgen Berke

Experten machen bei der beliebten E-Mail-Maschine Blackberry gravierende Sicherheitslücken aus. Sie fürchten den Zugriff durch Spione.

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Experten warnen: Der Blackberry öffnet<br>Wirtschaftsspionen die Tür.

Manfred Jung ahnte nicht, welche Risiken er beim Lesen der E-Mails auf seinem Blackberry einging. Monatelang kämpfte der IT-Manager des Ingolstädter Autoherstellers Audi für einen verstärkten Einsatz der bei Führungskräften beliebten E-Mail-Maschine. Mehrere hundert Mitarbeiter sollten auf die Geräte des kanadischen Herstellers Research In Motion (RIM) umsteigen. Mit dem Blackberry, inzwischen bei vielen Topmanagern ein Kultprodukt, sollten künftig auch viel reisende Außendienstler ihre unterwegs eingehenden E-Mails sofort lesen und beantworten können.

Aber das Prestigeprojekt liegt vorläufig auf Eis. In detaillierten Sicherheitsanalysen kommt der Audi-Mutterkonzern Volkswagen zum Ergebnis, dass der Blackberry erhebliche Sicherheitslücken hat und nicht ohne Weiteres zum Einsatz kommen darf. Insbesondere das von RIM gewählte Verfahren, alle E-Mails über drei Rechenzentren in London, Kanada und Asien zu leiten, stößt bei VW in Wolfsburg auf große Bedenken.

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Hinter dem Rücken von Volkswagen, so der Vorwurf, könne RIM jederzeit auf die internen Mail-Server zugreifen oder Dritten den Zutritt zu den ansonsten hermetisch abgeriegelten IT-Heiligtümern des Konzerns gewähren. Vertragliche Vereinbarungen verbieten zwar solche Aktionen. Nur: Deren Einhaltung lässt sich nur schwer prüfen. Das Risiko bleibt, dass Geheimdienste oder Wirtschaftsspione über den Blackberry vertrauliche E-Mails mit hochsensiblen Informationen abfangen.

Volkswagen stößt eine Diskussion an, die den Siegeszug der Blackberrys abrupt beenden kann. Wie kein anderes Unternehmen hat es RIM in den vergangenen zwei Jahren geschafft, den Geschmack der Manager zu treffen. 3,65 Millionen Führungskräfte nutzen bereits den mobilen E-Mail-Service, der alle auf dem PC eingehenden Briefe automatisch auf das von RIM entwickelte E-Mail-Handy weiterleitet. Jedes Quartal kommen weitere 600.000 bis 700.000 Kunden hinzu.

RIM will den Markt großflächig besetzen, bevor Riesen wie Nokia und Microsoft mit eigenen mobilen E-Mail-Systemen nachziehen. Bereits im Frühjahr soll die magische Marke von fünf Millionen Blackberry-Nutzern fallen. Kooperationen mit allen vier deutschen Mobilfunkbetreibern – T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 – sollen die IT-Abteilungen deutscher Großunternehmen überzeugen, dass aus dem Lieblingsspielzeug der Topmanager ein Standardwerkzeug für jeden Mitarbeiter wird, der häufig unterwegs ist.

Die jetzt aufkeimenden Sicherheitsbedenken könnten die Expansionspläne gefährden. Nach Volkswagen meldet auch das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Bedenken an und warnt vor dem Gebrauch der mobilen E-Mail-Maschine. „Auf Grund der unsicheren Architektur ist der Blackberry für den Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und spionagegefährdeten Unternehmen nicht geeignet“, heißt es in einer BSI-Analyse. Der „nur zum internen Gebrauch“ erstellte Bericht kreidet RIM an, dass das „gesamte Nachrichtenaufkommen zwangsweise“ über ein Rechenzentrum in Egham bei London geleitet wird. „Nach britischem Recht“ – so der BSI-Bericht – können „die örtlichen Sicherheitsbehörden unter sehr weit gefassten Voraussetzungen (unter anderem zum Wohle der britischen Wirtschaft)“ – Zugang zu allen Verbindungsdaten und Inhalten erhalten. „Es gibt damit die theoretische Möglichkeit, dass Dritte auf die E-Mails zugreifen, die vom Blackberry versandt werden“, erklärt BSI-Referatsleiter Michael Dickopf.

Das BSI will zwar keine Angaben darüber machen, ob und in welchem Umfang von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird. Ausdrücklich weist das Bundesamt darauf hin, dass die ausländischen Blackberry-Rechenzentren außerhalb des Einflussbereichs deutscher Unternehmen und Behörden liegen. Das BSI bevorzuge deshalb – so Dickopf – „nationale Lösungen“.

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