Geldinstitut: Warum die Deutsche Bank wieder zur Zockerbude wird

Geldinstitut: Warum die Deutsche Bank wieder zur Zockerbude wird

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

von Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Die Deutsche Bank wollte in der Krise ihr Geschäft stabiler machen und mehr Geld mit Privatkunden verdienen. Davon ist trotz teurer Zukäufe wenig zu sehen. Die Investmentbanker gewinnen noch mehr Macht - auch wenn die jüngsten Quartalszahlen in die andere Richtung weisen.

Anshu Jain ist bester Laune, als er vor einigen Wochen auf einer Konferenz in New York über Erfolge und Perspektiven des von ihm geleiteten Investmentbankings der Deutschen Bank referiert. Was er in seinem Vortrag auch abarbeitet, überall entdeckt er nur Chancen für Wachstum und Gewinne. Vergessen scheinen die Verluste von mehr als sieben Milliarden Euro, die seine Sparte im Krisenjahr 2008 verursacht hat.

Selbst die lästigen Regulierungsbemühungen in aller Welt würden die Erträge bloß um fünf Prozent reduzieren. Nur im Aktiengeschäft und bei Rohstoffen zähle die Deutsche noch nicht zu den weltbeherrschenden Instituten, bedauert Jain. Damit sich das ändert, kann er 1,6 Milliarden Euro ausgeben, um neue Banker einzustellen und die Technik aufzupeppen.

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Jain redet viel über die USA, die Chancen in Asien und anderen Schwellenländern. Über Europa sagt er wenig, über Deutschland nichts. Er ist für das traditionelle Geschäft auch nicht zuständig. Das Schweigen ist dennoch bezeichnend.

Latent schwelender Machtkampf

Die Bankenwelt hat sich komplett gedreht, die Investmentbanker haben wieder Oberwasser – auch bei Deutschlands größter Bank. Dabei hat gerade Josef Ackermann viel Geld in sogenannte „stabile Bereiche“ mit traditionellem Geschäftsmodell wie etwa den Kauf eines Teils der Postbank in Deutschland gesteckt. Die jedoch wachsen kaum.

Schon spekulieren Branchenkenner wegen der hohen Kosten und dem überschaubaren Nutzen der Deutschland-Initiative darüber, dass der latent schwelende Machtkampf zwischen Frankfurt und London wieder losbrechen könnte. Über Jahre hatten die angelsächsischen Investmentbanker die deutschen Bankschalter mit Argwohn beäugt, sogar offen durchkalkuliert, dass sie auch ohne den piefigen Anhang hervorragend zurecht kämen. Der Boom auf der einen und die Stagnation auf der anderen Seite könnten solche Tendenzen wieder aufleben lassen – und das Geschäft wieder riskanter machen. Zurück zur Zockerbude? Schon vor der Krise spottete das britische Magazin „Economist“, die Deutsche Bank mit ihren hochriskanten Geschäften sei eigentlich ein Hedgefonds mit angeschlossenen Bankschaltern.

Er wolle die Deutsche Bank unabhängiger von den Schwankungen der Kapitalmärkte machen, hatte Ackermann immer wieder betont. Um das zu erreichen, hat er seit 2006 mehr als fünf Milliarden Euro für Zukäufe wie die Berliner Bank, die Norisbank, Sal. Oppenheim, Teile der niederländischen ABN Amro und eine Beteiligung an der Postbank lockergemacht. Zwar betonte Ackermann stets, sein Institut bleibe eine „global führende Investmentbank mit starkem Privatkundengeschäft“. Aber es schien klar, wo nach den heftigen Ausschlägen der Krise die Betonung lag – auf der zweiten Hälfte.

Das Privatkundengeschäft dümpelt dahin

Bisher ist davon freilich nicht viel zu spüren, im Gegenteil: Aktuell beherrscht das Investmentbanking rund um Anleihen, Aktien und Finanzierungen die Deutsche Bank wie nie zuvor. Im ersten Quartal 2010 steuerte es 93 Prozent des Gewinns vor Steuern bei. An der Übermacht wird sich nichts ändern. So rechnen die Analysten von JP Morgan zwar wegen der durch die Furcht vor Staatspleiten gestiegenen Unsicherheit auf dem Kapitalmarkt mit Rückgängen. Doch selbst dann erwarten sie, dass die Investmentbanker im Gesamtjahr 2010 noch um die 75 Prozent zum Gewinn der Deutschen Bank beitragen.

Das liegt nicht an Zuwächsen in anderen Bereichen. Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung dümpelten zuletzt dahin. Im Vergleich zum vierten Quartal 2009 halbierte sich der Vorsteuergewinn in den ersten drei Monaten 2010. Der deutsche Privatkundenmarkt stagniert seit Jahren. Die Perspektiven sind mäßig.

Zudem stellt sich immer mehr die Frage, ob die Zukäufe Sal. Oppenheim und Postbank tatsächlich eine gute Idee sind oder ob sich Ackermann hier nicht neue Risiken einfängt. Auf jeden Fall zehren sie am Kapital. Schon durch den Kauf von Sal. Oppenheim fiel die Kernkapitalquote der Deutschen Bank im ersten Quartal von 12,6 auf 11,2 Prozent. Um die Postbank bis 2012 komplett zu übernehmen, wird sie kaum um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Analysten rechnen mit etwa sieben Milliarden Euro.

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