Geldinstitute: Banken: Mit kleinen Schritten zu mehr Wachstum

Geldinstitute: Banken: Mit kleinen Schritten zu mehr Wachstum

Bild vergrößern

Commerzbank: Zehn neue Niederlassungen in Hamburg

Die deutschen Großbanken legen ihre Fusionspläne vorerst auf Eis. Der Weg zu mehr Wachstum führt über den mühsamen Kampf um jeden Kunden.

So sieht eine einmalige Chance aus: Über Jahre haben deutsche Bankmanager mit neidischem Blick auf das benachbarte Ausland die Zersplitterung des Geschäfts auf dem Heimatmarkt beklagt, die Konsolidierung angemahnt. Und dann waren zu Beginn des Jahres mit der Citibank, der Dresdner Bank und der Postbank auf einmal gleich drei deutsche Institute zu haben. Ein Anlass für kühne Spekulationen und hoch fliegende Pläne. Die einzige Frage schien nur, wer denn nun mit wem zusammenkommt.

Nun ist es jedoch gut möglich, dass die Gelegenheit ungenutzt verstreicht. Dass die Deutsche Post ihren Mehrheitsanteil an der Postbank bald verkauft, ist wegen der weit auseinandergehenden Preisvorstellungen zwischen Eigentümer und Interessenten unwahrscheinlich. Dresdner und Commerzbank verhandeln zwar weiter über einen Zusammenschluss, es gibt jedoch erhebliche Hindernisse. Auch hier geht es um den Preis, zudem schaffen die nur schwer einschätzbaren Belastungen durch die Finanzkrise bei der Allianz-Tochter Unsicherheit.

Anzeige

Traditionsgeschäft verschafft stabile Erträge

Die große Fusionswelle könnte also wieder einmal ausfallen. Wenn es nicht doch noch zu einer Einigung kommt, hätte lediglich die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel das deutsche Privatkundengeschäft der Citi Group gekauft, der Finanzinvestor Lone Star die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB übernommen. Das war’s dann fürs Erste.

Wenn die Banken ihre Kundenzahl nicht durch eine Übernahme mit einem großen Schlag erhöhen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als – wie bisher – jeden einzelnen Kunden von ihren Vorzügen zu überzeugen und so den mühsamen Weg des organischen Wachstums zu gehen. Seit Jahren steht das Privatkundengeschäft wieder verstärkt im Fokus der Großbanken. Erfolgreiche Institute wie UniCredit in Italien oder Santander in Spanien profitieren vor allem von ihrer starken Stellung auf dem Heimatmarkt. Gerade in der Finanzkrise verheißt das Traditionsgeschäft viel eher als das extrem schwankende Investmentbanking stabile Erträge und verschafft den Banken zudem durch die Einlagen der Kunden sicheres Kapital.

Die Geschäftsbanken sind in diesem Segment in Deutschland allerdings schwachbrüstig. Sie kommen zusammen nur auf etwa 20 Prozent Marktanteil, mehr als 50 Prozent der deutschen Kunden vertrauen nach wie vor den Sparkassen.

Direktbanken locken mit günstigen Konditionen

Sie von dort loszueisen ist schwer. Einerseits beschäftigen sich die meisten Normalverdiener traditionell nur ungern mit Themen wie Geldanlage und Altersvorsorge. Andererseits ist ein Wechsel mit großem Aufwand verbunden. Daueraufträge müssen umgebucht werden, Geschäftspartner über die neue Bankverbindung informiert werden. Berechnungen der Unternehmensberatung Investors Marketing zufolge, denken gerade einmal zehn Prozent der Bankkunden darüber nach, ihre Hausbank zu verlassen. Und vor großen Investitionen in neue Produkte und Werbekampagnen schrecken die Banken zurück. „Die Banken beschäftigen sich derzeit eher damit, wie sie kurzfristig ihr Ergebnis verbessern können“, sagt Investors-Marketing-Chef Oliver Mihm. „Es wird deshalb zu kleinen Schritten kommen.“

Ein schlagkräftiges Argument sind günstige Konditionen. Mit ihnen zogen zunächst Direktbanken wie die ING Diba im großen Stil die Kunden von ihren Hausbanken ab. In dem Kampf mischen inzwischen auch alle Großen mit. Einige greifen mit eigens geschaffenen Ablegern mit überschaubarem Angebot die Direktbanken frontal an. So hat die Deutsche-Bank-Tochter Norisbank seit ihrem Neustart im vergangenen Jahr bereits 500.000 Kunden gewonnen. Die im Frühsommer an den Markt gegangene Dresdner Direct 24 kommt inzwischen auf 250.000 Kunden.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%