Geldinstitute im Umbruch: Was haben die Banken aus der Finanzkrise gelernt?

Geldinstitute im Umbruch: Was haben die Banken aus der Finanzkrise gelernt?

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Die Spitzen der Frankfurter Bankentürme verschwinden in den Nebelschwaden

Zwei Jahre Finanzkrise, eine halbe Billion Euro Staatshilfe für deutsche Banken, mehr als 20 gefeuerte Vorstände – und das Ende ist noch nicht in Sicht. Den Geldinstituten drohen neue Belastungen, doch klare Strategien sind Mangelware. Was haben die Herren des Geldes aus dem Desaster gelernt?

Am 4. September 2007 hat Josef Ackermann seinen ersten öffentlichen Auftritt als oberster deutscher Finanzkrisenexperte. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB sind kurz zuvor faktisch zusammengebrochen und hektisch gerettet worden. Dennoch gibt sich Ackermann vorsichtig optimistisch. Es gebe Signale für eine Entspannung, verkündet der Chef der Deutschen Bank: „Die Liquidität beginnt zurückzukommen.“ Die Krise, so die Botschaft, ist ein ernstes, aber vorübergehendes Phänomen, das sich bald erledigt haben sollte.

Es kam anders. Wie Salzsäure hat sich die Krise in den vergangenen zwei Jahren durch immer neue Schichten des weltweiten Finanzsystems gefressen. 119 Milliarden Euro deutsches Privatvermögen löste sich in Luft auf. Weltweit mussten die Regierungen taumelnde Finanzinstitute mit milliardenteuren Hilfspaketen auffangen. Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 bekamen die Banken am Kapital- und Geldmarkt zeitweise kein Geld mehr.

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Fass ohne Boden

Das Weltfinanzsystem stand vor dem Zusammenbruch. Der Glaube an die Selbstregulierung der Märkte, das Vertrauen auf die Effizienz eines möglichst schrankenlosen Kapitalverkehrs – beides ist selbst engagiertesten Marktwirtschaftlern abhanden gekommen.

Atemberaubende vier Billionen Dollar, so schätzt der Internationale Währungsfonds, müssen Banken und andere Finanzdienstleister bis 2010 auf Kredite und Kreditprodukte abschreiben. Auf mehr als 200 Milliarden Euro schätzt die Europäische Zentralbank die Verluste, die allein die 20 größten Banken Europas in den kommenden eineinhalb Jahren noch einfahren werden. Rund eine halbe Billion Euro stellt die deutsche Bundesregierung bisher für die Bankenstabilisierung zur Verfügung. Niemand kann sagen, ob das reicht.

Sorgenkind Kreditgeschäft

Denn die nächsten Schockwellen rollen bereits an. Die Ratingagenturen könnten bald weitere strukturierte Produkte wie verbriefte Kreditpakete herabstufen, weil sich die Bonität der dahinterstehenden Schuldner verschlechtert hat. Das hat dann schmerzhafte Folgen für die Banken. Denn je schlechter die Ratingnote eines Produkts, desto mehr Eigenkapital müssen die Banken dafür zurücklegen. Bei von ihnen finanzierten Gewerbeimmobilien drohen den Kreditinstituten ebenso erhebliche Verluste wie beim Geschäft in einigen vom weltweiten Konjunkturabschwung besonders hart getroffenen osteuropäischen Ländern.

Aktuellstes und größtes Sorgenkind jedoch ist das klassische Kreditgeschäft. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet für 2009 in Deutschland mehr als 35.000 Firmenpleiten. Für die Banken bedeutet das, dass sie erst für Wackelkandidaten ihre Risikovorsorge erhöhen und dann weiter abschreiben müssen, wenn die Kredite ausfallen. „Auf deutsche Banken kommen im Zuge der Rezession in den kommenden drei Jahren Kreditausfälle im Volumen von 100 bis 120 Milliarden Euro zu“, sagt Stefan Best, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor’s.

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