Experten warnen vor zahlreichen Risiken bei GM-Insolvenz

Leider läuft meist nicht alles perfekt nach Plan – schon gar nicht bei GM. Bereits heute fürchten Rechtsexperten, dass die Trennung der guten und der schlechten Teile von GM in eine Newco und eine Badco nicht ohne Probleme über die Bühne gehen wird. Es ist mit Klagen von Gläubigern vor US-Gerichten zu rechnen, die einen schnellen Abschluss des Konkursverfahrens für die Newco erschweren wenn nicht gar verhindern könnten. Auch die betroffenen Händler werden sich erbittert gegen die Schließung ihrer Standorte wehren. Bei Chrysler hat sich bereits eine entsprechende Initiative gebildet.
Zudem wird der Schrumpfungsprozess der Branche bei den zahlreichen Zulieferern die Pleitewelle weiter anschwellen lassen – mit noch unabsehbaren Folgen für die Hersteller. Vor erst zwei Tagen meldete mit Visteon ein ehemaliger Ford-Ableger Insolvenz an und flüchtete sich ebenfalls unter den Schutzparagrafen Chapter 11. Schon jetzt ist absehbar, dass auch hier die Regierung in den nächsten Monaten weitere Hilfspakete schnüren muss.
Sollten Chrysler und GM eine „länger dauernde und ungeordnete Insolvenz erleiden“, so eine vorige Woche veröffentlichte Studie des Center for Automotive Research (CAR) aus Ann Arbor in Michigan, würde das innerhalb eines Jahres in den USA mehr als 1,3 Millionen Arbeitsplätze kosten.
GM fehlen die Zugpferde in der Modellpalette
Das größte Hindernis für ein Wiedergesunden von GM dürfte allerdings die schwache Produktpipeline sein. Bei Chrysler soll Fiat diese Lücke füllen. Doch bei GM sehe es vor allem bei den für die Zukunft wichtigen Volumenmodellen „dünn“ aus, schreiben die Autoexperten von Goldman Sachs. Zwar habe GM weiter in neue Produkte investiert, aber die „Umsetzung ist durch die Störungen der vergangenen sechs Monate wahrscheinlich beeinflusst worden“.
Im Klartext: Bei der Produktentwicklung läuft es alles andere als rund. Das von GM-Managern enthusiastisch als Rettung gefeierte Elektroauto Chevy Volt dürfte kaum Geld verdienen können. Bei kleinen Autos und Hybridmodellen ist GM deutlich schlechter aufgestellt als die asiatische Konkurrenz. Außerdem müsse hervorgehoben werden, so die Goldman-Analysten, dass „GMs Fähigkeit von globalen Plattformen zu profitieren, stark davon beeinflusst ist, ob das Unternehmen Zugang zu Design und Technologie von Opel/Vauxhall behält“.
GM hat gute Gründe gegen eine Opel-Abspaltung
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum sich die GM-Verhandler in Berlin lange gegen eine Abspaltung gesträubt haben. Sollte GM wegen im Vergleich zur Konkurrenz schwacher Produkte aber weiterhin Marktanteile bei einem möglicherweise zudem kleineren Absatzvolumen in den USA verlieren, ist die Rückkehr in die Gewinnzone keineswegs garantiert. Das wahrscheinliche Zukunftsszenario für GM sieht deshalb eher alles andere als bilderbuchmäßig aus. Und die US-Steuerzahler sollten sich keinen Illusionen hingeben. Von den möglicherweise 50 bis mehr als 70 Milliarden Dollar, die vom Staat insgesamt in die GM-Rettungsaktion gesteckt werden könnten, werden sie bestenfalls einen Bruchteil wiedersehen.





















