General Motors: Hendersons großer Haken im GM-Sanierungsplan

KommentarGeneral Motors: Hendersons großer Haken im GM-Sanierungsplan

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WirtschaftsWoche-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna

Teilverstaatlichung, Beschränkung auf Kernmarken, Schuldenverzicht: General-Motors-Chef Fritz Henderson fährt eine ganze Armada an Sanierungsmaßnahmen auf, um den Autobauer im letzten Moment zu retten. Doch ein Blick auf die Details zeigt: In Wirklichkeit hat Henderson etwas ganz Anderes vor.

Was muss bei einem Unternehmen vorgehen, damit sich dessen Chef entschließt, die Sanierungspläne einen ganzen Monat früher zu präsentieren als ursprünglich geplant? So viel plötzliche Offenheit nach Monaten der Geheimniskrämerei macht schon ein wenig stutzig. Heute trat General-Motors-Chef Fritz Henderson die Flucht nach vorne an und präsentierte seine Pläne für einen Totalumbau des maroden Autobauers.

Das einzig Schillernde an der Präsentation war Hendersons silbrigglänzende Krawatte – die Überlebenschancen des Notfallpatienten General Motors sind damit nicht gestiegen. Im Gegenteil: Hendersons Plan macht eine Insolvenz erst recht wahrscheinlicher.  

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US-Autofanatiker werden schwer an seiner Ankündigung zu kauen haben, den traditionsreichen Sportwagenhersteller Pontiac bis 2010 abzuwracken. Wirklich spannend an Hendersons Ausführungen waren aber die finanziellen Details. Henderson will, dass die US-Regierung die Hälfte der Schulden erlässt, die der Autobauer durch die milliardenschweren Rettungszahlungen angehäuft hat. Im Gegenzug soll der Staat mindestens 50 Prozent an General Motors bekommen und somit neuer Mehrheitsaktionär werden. Dasselbe Spiel – Schuldenerlass gegen Aktien – plant General Motors auch mit den Gewerkschaften und privaten Gläubigern. Die mächtige Autogewerkschaft UAW könnte dann 40 Prozent an GM halten, Gläubiger 10 Prozent.

Pleite von General Motors immer wahrscheinlicher

Verbriefte Schulden in Höhe von 27 Milliarden Dollar will Henderson so in Eigenkapital umwandeln. Das Zahlenwerk klingt im ersten Moment durchaus machbar – und ist doch eine einzige große Nebelkerze. In Wirklichkeit hat sich Henderson längst damit abgefunden, General Motors in die Pleite zu schicken. Sein heute vorgestellter Umschuldungsplan hat einen Haken: Der Plan kommt nur dann ins Laufen, wenn ihm insgesamt 90 Prozent der Anleihegläubiger zustimmen. Die Frage ist bloß: Warum sollten sie das tun? Warum sollten Gläubiger Anteile an einem Unternehmen halten wollen, dessen Aktienkurs im letzten Jahr von 25 Dollar auf 1,70 Dollar gefallen ist?

General Motors rechnet offenbar selbst nicht mit überwältigender Zustimmung. Sollte der Plan auf zu geringe Zustimmung stoßen, hieß es von Seiten des Unternehmens, werde der Autobauer Insolvenz anmelden. Selbst Henderson gab sich alles andere als zuversichtlich: Die Annahme des Angebots sei alles andere als sicher, meinte er auf der Pressekonferenz. Eine Insolvenz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts ist nun laut Henderson „wahrscheinlicher“. Da drängt sich dann die Frage auf, was der tiefere Sinn hinter der Präsentation solcher Überlebenspläne ist.

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