General Motors : Zu viele Konjunktive in der Causa Opel

KommentarGeneral Motors : Zu viele Konjunktive in der Causa Opel

Bild vergrößern

Opel Werk Eisenach

Verkaufsgerüchte machen Opel-Mitarbeiter und Politik nervös. Aber warum eigentlich? An der Haltung von GM hat sich nichts geändert und für Opel läuft es gut. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Zwei Berichte von "Auto Bild" und "Spiegel" haben Opel und die deutsche Medienlandschaft in helle Aufruhr versetzt. Artikel, in denen wenig Neues berichtet, dafür aber um so mehr spekuliert wird: GM könnte von Opel bald die Nase voll haben, Chinesen könnten nach Opel greifen und Volkswagen könnte sich dann als patriotischer Retter der „gelben Gefahr“ (Auto Bild) in den Weg stellen.

„Hätte, könnte, würde, sollte. Zu viele Konjunktive?“ fragt sogar der Auto-Bild-Autor gegen Ende seiner Ausführungen. Stimmt genau, verdammt viele Konjunktive. Dass GM ungeduldig auf schwarze Zahlen in Europa wartet, ist bekannt. Dass in Detroit nicht nur Opel-Fans sitzen und die Konzernspitze schwach werden könnte, wenn jemand einen guten Preis für Opel bietet, daraus machen GM-Manager seit Jahren keinen Hehl. Der Rest sind Konjunktive.

Anzeige

Doch daran stört sich scheinbar niemand. Auch nicht an der Tatsache, dass die Bundesregierung, die sich laut der Berichten schon seit Wochen mit dem Verkauf von Opel beschäftigt, das klar dementiert, dass Opel und GM die Berichte als „reine Spekulation“ zurückweisen, dass sich sämtliche Experten partout nicht vorstellen können, warum GM seine Europa-Tochter ausgerechnet jetzt verkauften sollte und für die Idee, dass ausgerechnet VW in die Bresche springen könnte, nur Spott übrig haben.

Die Chinesen sind immer da, wenn man sie braucht

Niemand scheint hören zu wollen, dass GM-Chef Dan Akerson erst vor Kurzem die Fortschritte von Opel öffentlich lobte, dass GM Milliarden in die Sanierung von Opel gesteckt hat - und nun die Früchte sehen kann: Die Verkäufe laufen gut, Opel erobert seit Monaten Marktanteile zurück, was in dem wettbewerbsintensiven, europäischen Markt wahrlich nicht einfach ist. In diesem Jahr wird der Autobauer operativ wohl schwarze Zahlen schreiben und hat angesichts starker neuer Modelle gute Karten für die nächsten Jahre.

Für echte Windmacher zählt das alles freilich nicht. Dass die Politik in den Chor der Aufgeregten einstimmt und Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz kämpferisch eine Klarstellung aus Detroit fordert, macht die Sache nicht besser. Auf einen Treueschwur der GM-Spitze wird sie aber vergeblich warten. Natürlich behält sich der Konzern das Recht vor, Opel zu verkaufen, wenn das besser für GM ist. Alles andere wäre den Aktionären nicht zu vermitteln.

Man darf festhalten: GM behält Opel erst mal, könnte aber in Zukunft auch einem Verkauf nicht abgeneigt sein. In der Zwischenzeit freut sich die Konzernführung über die brodelnde Gerüchteküche in Deutschland, weil die Angst vor den Chinesen den Opelanern bei ihren Sparbemühungen richtig schön einheizt.

Das ist das Tolle mit den Chinesen: Sie sind immer da, wenn man sie braucht. Als GM Magna und der Bundesregierung einen höheren Preis für Opel abtrotzen wollte, kam ein chinesisches Angebot um die Ecke. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schluss mit dem Spekulieren

Auch der heute so kraftstrotzende VW-Konzern war vor einigen Jahren angeblich von chinesischen Investoren bedroht. Als sich dann Porsche als Retter vor der "gelben Gefahr" gerierte und bei VW einstieg, war man in Wolfsburg schwer erleichtert. Heute ist klar: Die vermeintlichen Chinesen waren ein Ammenmärchen, mit dem die VW-ler auf die neuen Porsche-Herren eingestimmt werden sollten. „Ich habe nie an die Geschichte der chinesischen Investoren geglaubt“, sagt der ehemalige VW-Aufsichtsrat und heutige Bundespräsident Christian Wulff rückblickend.

Und was, wenn doch? Wenn doch die Chinesen kommen? Dann können sich die Rüsselsheimer freuen. Die Chancen stünden nicht schlecht, dass die neuen Eigentümer ihnen mehr Freiheiten in Europa ließen, als die selbstbewussten Bosse in Detroit. Opel wäre allein zwar zu klein, könnte mit klug gestrickten Kooperationen aber am Markt bestehen.

Vor allem aber könnte Opel endlich in China Fuß fassen, und vielleicht auch in anderen Wachstumsmärkten, in die GM die Deutschen bislang nicht hinein lässt. Dann steckte Opel endlich nicht mehr im stagnierenden europäischen Markt fest, könnte seinen ehemaligen Eigentümer GM in den wichtigen Wachstumsmärkten angreifen und sich über dessen winzige Marktanteile mit der Marke Chevrolet in Europa amüsieren. Zu viele Konjunktive? Ganz recht. Also Schluss jetzt mit dem Spekulieren.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%