Genfer Autosalon: Autobranche zwischen Frust und Fortschritt

Genfer Autosalon: Autobranche zwischen Frust und Fortschritt

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Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW

Opel hat drei Werke zuviel, Berater warnen vor Zulieferpleiten und Krise bis 2012: die Hiobsbotschaften drücken in Genf die Stimmung. Dabei gibt es auch sehenswerte Highlights, der größte deutsche Schlager ist - die Abwrackprämie.

Europapremiere des neuen Toyota Prius in einem Genfer Nobelhotel. Geräuschlos, abgasfrei und in makellosem Weiß rollt das futuristische Hybridauto auf die Bühne. „Sieht er nicht großartig aus," ruft Tadashi Arashima, Europachef von Toyota, und blickt erwartungsvoll ins Publikum. Doch der erhoffte Beifall bleibt aus. Es entsteht eine peinliche Pause.

Die Stimmung beim diesjährigen Autosalon in Genf könnte besser sein. Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften aus der Autobranche werden die neuen, auf Hochglanz polierten Modelle fast zur Nebensache. Die Hersteller sind gekommen, um Optimismus zu verbreiten, um mit umweltfreundlichen Antrieben zu begeistern, um zu zeigen: Wir lassen uns von den weltweiten Absatzeinbrüchen nicht entmutigen.

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Doch die Gespräche an den Messeständen drehen sich um die Folgen, die ein Zusammenbruch von General Motors für Wettbewerber und Zulieferer hätte, um mögliche Staatshilfen für Opel, um Überkapazitäten und Fabrikschließungen. Allein bei Opel lägen die Überkapazitäten bei dreißig Prozent, sagte der Europa-Chef von General Motors, Carl-Peter Foster. Letztlich gebe es drei Werke von Opel und der Schwester-Marke Vauxhall zuviel.

Für Diskussionsstoff sorgt auch eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Demnach stehen die Autozulieferer vor der größten Krise ihrer Geschichte. 20 Zulieferer mussten allein in Deutschland in den vergangenen drei Monaten aufgeben, weitere dürften folgen. Denn die Berater zeichnen ein düsteres Szenario: Die Autobranche werde sich demnach frühestens 2012 erholen. 

Auch die Deutschen präsentieren zahlreiche Neuheiten

Dabei haben die Autobauer durchaus einige sehenswerte Highlights im Gepäck: Toyota kann nicht nur mit dem neuen Prius glänzen, der mit 3,9 Litern Benzin weniger verbraucht, als die meisten Kleinwagen. Die Japaner haben auch den Hybrid-Geländewagen Lexus RX 450h auf den sensationell niedrigen Verbrauch von 6,3 Litern Benzin getrimmt.

Lange hatten deutsche Hersteller bezweifelt, dass sich der Hybridantrieb durchsetzen wird. „Spätestens mit diesen Verbrauchswerten dürfte klar sein," sagt ein Toyota-Manager, „dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben."

Auch Volkswagen glaubt an grüne Werte. Zum Auftakt der Messe rückt VW-Chef Martin Winterkorn den umweltfreundlichen Antrieb in den Mittelpunkt der Konzernstrategie – und präsentiert, wie zum Beweis, den neuen Polo mit einem Verbrauch von nur 3,5 Litern in der Turbodiesel-Version.

Mercedes zeigt in Genf erstmals das Coupé der E-Klasse, Audi präsentiert das A5 Cabrio. Am BMW-Stand gibt es zum ersten Mal den GT zu sehen, eine Art Kreuzung von X6 und 5er Touring.

Exportschlager Abwrackprämie

Eine deutsche Erfindung der ganz anderen Art sorgt ebenfalls für reichlich Gesprächsstoff in Genf: die Abwrackprämie. Dass sie den Verkauf in Deutschland gewaltig beflügelt hat, hat sich in der geschundenen Autoindustrie wie ein Lauffeuer verbreitet. Von Tokio bis Moskau, von Detroit bis Rom, überall wird plötzlich eine staatliche Prämie nach deutschem Vorbild gefordert.

Selbst bei Toyota, dem weltgrößten und finanziell extrem soliden Autobauer, würde man sich ein wenig staatlicher Unterstützung nicht verweigern: „Oh ja," sagt Toyota-Europe-Boss Arashima, „so eine Prämie wäre auch sehr gut in Japan." In Japan seien 16 Millionen alte Autos unterwegs, da könnte die Prämie gute Dienste leisten.

Die Abwrackprämie könne die Folgen der Krise ein wenig mildern, so die Hoffung bei Toyota. Später könnten dann die Marktkräfte wieder für Erholung sorgen: „Anfang oder Mitte 2010", sagt Arashima, „könnte es wieder aufwärts gehen."

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