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Genfer Autosalon: Getrübte Freude bei den Autoherstellern

von Wilfried Eckl-Dorna mit dpa/dapd/Reuters

Die Autokonzerne erwirtschaften Milliardengewinne, trotzdem ist die Stimmung auf dem Genfer Autosalon gedrückt. Denn die Nachfrage dürfte bald sinken, und die Elektro-Mobile, die Autos der Zukunft, verkaufen sich nur sehr schleppend. Jetzt setzen die Hersteller auf kleine Flitzer.

Getrübte Freude trotz Quelle: dpa
Getrübte Freude trotz Milliardengewinnen: Blick ins Palexpo Messegelände beim Autosalon in Genf Quelle: dpa

Eigentlich müssten die Autohersteller mehr als zufrieden sein: Die Jahre der Krise sind nach einem hervorragenden Jahr 2010 fast schon wieder vergessen.Daimler hat erst kürzlich seine dreifach erhöhte Gewinnprognose für das Jahr 2010 übertroffen. Vokswagen hat vor kurzem die Eckdaten für 2010 veröffentlicht: Mit einem Gewinn von mehr als sieben Milliarden Euro haben die Wolfsburger einen neuen Rekord aufgestellt – und den Gewinn von 911 Millionen Euro im Krisenjahr 2009 verachtfacht. Die VW-Tochter Audi hat im November 2010 den Absatzrekord von 2008 eingestellt und wird am 8. März neue Rekorde vermelden. BMW wird Mitte März vermutlich ebenfalls Rekordzahlen präsentieren. Renault und Peugeot melden ebenfalls Rekord-Verkaufsergebnisse. 

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Die Stimmung in der europäischen Automobilindustrie könnte vor dem Genfer Autosalon eigentlich kaum besser sein: Dennoch werden die Sektkorken in Genf weniger laut knallen, als diese Zahlen vermuten lassen. Denn Experten gehen davon aus, dass sich die Euphorie in Grenzen halten wird. Zwar präsentiert die Branche vom 3. bis 13 März am Genfer See ihre leistungsstarken Sportwagen, bunten Cabriolets und batteriebetriebenen Stadtflitzer. Doch die nächste Krise naht bereits.

„Elektroautos stehen bei Händlern wie Blei“

„Wir sind jetzt wieder konfrontiert mit gesättigten Märkten“, sagt Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. Eine rasche Trendwende ist vorerst auch nicht von den Elektroautos zu erwarten, mit denen die Hersteller ihr grünes Image aufpolieren. Während die E-Wagen auf großen Automessen einen immer größeren Stellenwert haben, sind sie auf den Straßen erst selten zu sehen: Ganze 541 Neuzulassung hat das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr gezählt. „Die stehen bei den Händlern wie Blei“, meint Becker. „Kein Mensch kauft solche Autos, solange sie so teuer sind.“

Die Autonachfrage tritt in den meisten europäischen Ländern ohnehin auf der Stelle, seit die staatlichen Stützprogramme ausgelaufen sind. Neues Wachstum ist auch nicht zu erwarten, solange viele Staaten mit den Folgen der Schuldenkrise zu kämpfen haben. „Das würde erst einsetzen, wenn es spektakuläre Durchbrüche bei den Antriebstechnologien gäbe. Wenn wir tatsächlich Automobile auf den Markt bringen könnten, bei denen jeder zugreift und sagen könnte, damit spare ich zwei, drei Liter auf hundert Kilometern“, sagt Becker. Und das kann dauern.

Wann sich Elektroautos durchsetzen, steht nach Meinung von Experten in den Sternen. Dazu sind vor allem günstigere Batterien nötig. „Mein Gefühl ist zudem, dass die Anfangsbegeisterung nachlässt“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Er ist überzeugt, dass Elektrofahrzeuge in Deutschland erst dann gekauft werden, wenn der Staat die Anschaffung kräftig subventioniert. Da das aber nicht zu erwarten ist, setzen die Hersteller darauf, den Spritverbrauch ihrer Wagen mit herkömmlichen Antrieben weiter zu senken. Daneben haben inzwischen immer mehr Autobauer Hybridwagen im Angebot, die auch längere Strecken batteriegetrieben fahren.

Am Tropf von China und den USA

Wären da nicht die USA und der boomende chinesische Markt, könnten Oberklasseautobauer wie BMW und Daimler mit der Edelmarke Mercedes-Benz ihre Werke hierzulande nicht auslasten. Auch Volkswagen profitiert mit seiner Tochter Audi von der enormen Nachfrage der wachsenden Mittelschicht im Reich der Mitte nach Luxusautos.

Aber was geschieht, wenn die Kauflust der Chinesen nachlässt? Die Volksrepublik versucht derzeit, dem Verkehrschaos in ihren Großstädten mit Zulassungsbeschränkungen Herr zu werden. Zu Jahresanfang hat sich der Boom auf dem weltweit größten Pkw-Markt deshalb etwas abgeschwächt. Europa ist dank des Exports früher aus der Krise gekommen. Allerdings hat sich der Binnenmarkt noch nicht erholt. „Wir schieben immer noch einen enormen Ersatzbedarf vor uns her“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen. Die Abwrackprämie habe zwar dafür gesorgt, dass viele alte Wagen von den Straßen verschwunden seien. „Am Durchschnittsalter aller Pkw in Deutschland hat sich dadurch aber nur hinter dem Komma etwas geändert“, sagt Dudenhöffer. Es liegt weiter über acht Jahren.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.04.2011, 10:55 UhrAnonymer Benutzer: Bürger

    Die namhaften deutschen Hersteller haben doch dieses Jahr wirklich kein Grund zum Trübsal. Das ihre umgebauten benzindroschken zu Elektromobilen nicht zum Erfolg führen, ist ihnen doch selbst bewußt.
    Dafür gibt es doch kaum einen Markt. Geringe Reichweite, viel zu schwer, der momentane Stand der Technik von Akkus ist nicht in der Lage ein Fahrzeug mit 1,5 Tonnen Gewicht mit Energie für Transport und Klimatisierung zu versorgen.
    Die Autoindustrie hat auch kein interesse mögliche spartanische Leichtfahrzeuge zu entwickeln, die den momentanen Akkumulatoren entsprechen.
    Vielleicht decken ja die Chinesen in Zukunft diesen Markt ab und die deutschen Hersteller werden dann ähnlich darstehen, wie die Amerikaner nach der ersten Erdölkrise.
    Das der normalverdienende bürger sich bald vom Autofahren verabschieden muss, ist ja nichts Neues. Die Nutzung seines Vehikels in der Freizeit muss er aus Kostengründen eh schon deutlich einschränken.
    Die Einführung einer Autobahngebühr, wird dann nochmals deutlich die Spreu vom Weizen trennen.
    ich denke aber nicht, dass die immer mehr auftretenden brennenden Autos in Großstädten eine Verzweiflungstat ihrer besitzer sind, sondern der Frust einer in die Enge getriebenen bevölkerungsschicht.

  • 01.03.2011, 09:54 UhrAnonymer Benutzer: Joker10

    Die Automobiler dürfen sich doch nicht wundern, daß die Nachfrage
    in Europa sinkt; müssen mal ihre Preise ansehen und auf die
    Preistafeln der Tankstellen schauen ! Wär seit über 30 Jahren mit
    seiner Zukunft spielt, nichts tut, nur die Motoren aufbohrt, damit die
    Kisten noch mehr Sprit verbrauchen und "Schnick Schnack" ent-
    wickelt, darf sich doch nicht wundern, wenn der normal verdienende
    bürger kein Auto kauft ! Es müssen alternative Treibstoffe her, egal
    ob Strom oder Wasserstoff, bloßü es muss endlich was passieren
    und zwar muss die "brühe" bezahlbar sein, sonst wirds verdammt
    eng ! Geht endlich ans Wesentliche, sonst könnt ihr eure branche
    vergessen, ihr Vollottos !

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