
Mühsam ringt sich Kazuo Okamoto ein Lächeln ab, ehe er seinen Text vom Blatt abliest: ….wir entschuldigen uns bei unseren Kunden…wir haben Maßnahmen ergriffen, dass so etwas nie mehr wieder passiert… Der Toyota-Topmanager weiß, dass so etwas wie die Sache mit den klemmenden Gaspedalen auch nie wieder passieren darf, wenn der japanische Autoriese auch nur einen Rest seines einst makellosen Images in die Zukunft retten möchte. Viel ist ohnehin nicht mehr übrig, nachdem unkontrolliert beschleunigende Toyota-Fahrzeuge für mehrere tödliche Unfälle in den USA verantwortlich gemacht werden und Toyota Millionen Autos zurück in die Werkstätten rufen musste. „Wir haben lange gebraucht, um den Fehler zu identifizieren“, räumt der Manager ein.
Gute Laune bei VW
Martin Winterkorn kennt solche Sorgen derzeit nicht. Der VW-Chef nippt auf dem Konzernabend an seiner Rotweinschorle („Wenn’s ein guter Wein ist, gibt er auch ne gute Schorle“) und parliert gut gelaunt drauf los. Über die Pläne, die er mit dem neuen Kooperationspartner Suzuki hat, über die große Elektroautooffensive, die der Konzern ab 2013 starten will. Klar, auch bei VW ist nicht alles eitel Sonnenschein. Skoda etwa gefällt ihm gerade nicht. „Wir müssen aufpassen, dass uns bei Skoda die Profitabilität nicht abhanden kommt“. Die Währung nage gerade an den Renditen, aber auch die Produkte seien zum Teil noch zu teuer in der Produktion. „Simply Clever heißt nicht, dass man die Lüftungsauslässe auch noch in Chrom fassen muss“, stichelt er gegen die tschechische Tochter, die sich in Punkto Qualitätsanmutung jüngst vielleicht ein wenig zu sehr an die Konkurreenz herangewanzt hat.
Dennoch: Die Sorgen eines Toyota scheinen hier weit weg. Überhaupt scheinen sich hier alle, die sich noch vor einem Jahr erbittert gestritten haben, wieder ganz lieb zu haben. Da sitzt der Konzernaufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech gut gelaunt neben seinem Cousin Wolfgang Porsche und Porsche Betriebsratschef Uwe Hück witzelt mit seinem VW-Kollegen Bernd Osterloh. Die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche ist geschlagen und wer wissen will, wer gewonnen hat, braucht nur einen Blick auf die Bühne zu werfen. Da steht der Prototyp des Porsche 918 Spider einmütig zwischen einem Bentley Cabriolet und dem neuen VW Sharan. Die neue Marke im VW-Konzern ist angekommen. Auch, wenn sie noch nicht neben den übrigen Konzernmarken auf der Banderole an der Wand stehen darf – das haben die Konzernjuristen verboten, so lange Porsche noch nicht offiziell zu VW gehört. Aber lange wird das wohl nicht mehr dauern. Die Kapitalerhöhung steht bevor. Dann wird das nächste Kapitel aufgeschlagen auf dem Weg zu dem erklärten Ziel, 2018 die Nummer eins der Welt unter den Autoherstellern abgelöst zu haben: Toyota.
Bei Toyota gibt es nur ein Thema
Eigentlich würde auch Kazuo Okamoto hier vor den versammelten Journalisten gern über die neuen Hoffnungsträger des Konzerns sprechen, wie den Sportwagen FT86, der einmal im Revier von Audi TT und Co. wildern soll. Doch die Fragen kommen immer wieder: Wie konnte das passieren? Warum haben Sie das erst so spät gemerkt? Wie wollen Sie Ihre Abläufe verändern, damit so etwas nicht mehr vorkommt? Okamoto merkt, dass dies das Thema bleiben wird, ganz gleich, wie er das Gespräch auch zu lenken versucht. Gehör für neue Produkte und die Pläne für die Zukunft wird er wohl erst auf der nächsten Autoschau finden.

























