Geplante Verschmelzung: Warum der Zeitplan für die Porsche-VW-Ehe stockt

Geplante Verschmelzung: Warum der Zeitplan für die Porsche-VW-Ehe stockt

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Der Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE), Martin Winterkorn (r.) und Porsche-AG-Chef, Matthias Müller (l.)

Dem Sportwagenbauer Porsche geht es wieder blendend. Doch der Zeitplan für die Integration in den Volkwagen-Konzern wankt wegen Schadensersatz-Streitfällen. Die für Ende 2011 geplante Verschmelzung dürfte sich verzögern.

Keine Frage, Porsches Umsätze glänzen wieder wie ein blankpolierter 911 aus dem Werk der Zuffenhausener Sportwagenbauer: 7,8 Milliarden Euro hat der Sportwagenbauer im Geschäftsjahr 2010/2011 erzielt, das am 31. Juli endete. Damit hat Porsche seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um knapp 18 Prozent gesteigert. Seine Rendite hat Porsche so auf 16 Prozent hochgeschraubt, mit 1,2 Milliarden Euro hat sich Porsches Gewinn fast verdoppelt.

Beeindruckende Zahlen also, die aber bei der Präsentation der Jahresbilanz nur am Rande interessieren. Denn das Zahlenwerk ist seit einigen Tagen bekannt – und viel spannender ist nun die Frage, wie es denn nun mit Porsche unter VW-Ägide weitergeht. Bei der heutigen Bilanzvorlage der Porsche-Holding hatte VW-Chef Martin Winterkorn aber weniger erfreuliche Nachrichten im Gepäck: VWs bisheriger Zeitplan, nach dem Porsche bis Ende 2011 in den Konzern eingegliedert werden sollte, ist möglicherweise nicht zu halten. Die angestrebte Verschmelzung könne sich „möglicherweise verzögern“, sagte Winterkorn, der gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender der Porsche-Holding ist, heute. Nach Bekanntwerden der Nachricht fiel der Kurs der in keinem Index vertretenen Porsche-Aktie um 3,6 Prozent.

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Zeitplan gefährdet, aber nicht Fusion an sich

Grund für die Verzögerung sind verschiedene Gerichtsverfahren und Unklarheiten bei Steuerfragen. Wie die WirtschaftsWoche berichtete, klagen in den USA mehrere Investmentfonds wegen möglicher Gesetzesverstöße bei dem gescheiterten Versuch von Porsche, Volkswagen im Jahr 2009 mithilfe komplizierter Finanztransaktionen zu übernehmen. Die Fonds streben zwei Milliarden Dollar Schadenersatz an, weil sie Falschinformationen vermuten. Über den Verdacht der Marktmanipulation berichtete die WirtschaftsWoche als erstes Medium umfassend Anfang Juni 2009. Auch in Deutschland planen Rechtsanwälte Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe, wie die WirtschaftsWoche im Mai aufdeckte.

In Gefahr ist die Vereinigung beider Autobauer aber nicht, betonte Winterkorn heute in Stuttgart nochmals. „Der integrierte Automobilkonzern wird umgesetzt.“ Wie die Vereinigung ablaufen soll, hat die Porsche-Führungsmannschaft vorab in einem Gespräch mit Journalisten skizziert. Der integrierte Autokonzern soll nach Willen der Manager auf jeden Fall Realität werden. Mögliche Schadenersatzklagen in den USA und Deutschland können die Verschmelzung zwar verzögern, aber nicht verhindern, hieß es.

Für das erste Halbjahr 2011 plant Porsche eine Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, die zu gleicher Zahl aus Stamm- und Vorzugsaktien bestehen soll. Die Stammaktionäre, also die Familien Porsche und Piëch, tragen das mit und haben 2,5 Milliarden Euro zugesagt. Auch vom Emirat Katar hat Porsche bisher kein negatives Signal erhalten, die Scheichs seien bei der bisherigen Entwicklung sehr unterstützend unterwegs gewesen, hieß es.

Am 30. November will Porsche bei der Aktionärsversammlung diesen direkten Weg vorschlagen, zur Sicherheit werden noch Bankschuldverschreibungen hinterlegt. Mit der Kapitalerhöhung soll die Schuldenlast von derzeit sechs Milliarden Euro deutlich reduziert werden. Eine solche massive Entschuldung ist die Grundlage für die Verschmelzung – aber noch nicht die Garantie dafür.

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