Geplatzter Milliarden-Auftrag: Ende der Schrecken für EADS

KommentarGeplatzter Milliarden-Auftrag: Ende der Schrecken für EADS

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EADS-Chef Louis Gallois

von Rüdiger Kiani-Kreß

Für viele hat EADS heute einen der schwärzesten Tage der Firmengeschichte. Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern ist ausgestiegen aus dem derzeit größten Rüstungsauftrag der Welt, dem Bau von Militärtankflugzeuge für die amerikanische Armee im Wert von 35 Milliarden Dollar.

Dazu hat das Unternehmen das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 800 Millionen Euro beendet, es knirscht auch weiterhin in allen Bereichen und die Aktie verlor fast fünf Prozent. Warum aber war EADS-Chef Louis Gallois so gut gelaunt, als er diese Dinge heute in Paris der Öffentlichkeit verkündete?

Weil unterm Strich die Aussichten eben keineswegs so schwarz sind, wie es scheint.

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Das beginnt beim Tankerauftrag. Sicher fehlt EADS nun ein Ausgleich gegen das stark schwanken Airbus-Zivilgeschäft und den fallenden Dollar, der Bilanzlöcher reist, weil Airbus Flugzeuge in US-Währung verkauft, aber zu mehr als Hälfte in Euro produziert. Doch ich frage mich, wen die heutige Nachricht eigentlich überrascht hat? Bereits seit November sagen EADS-Chef Gallois und Airbus-Chef Thomas Enders, dass sie die Ausschreibung in ihrer aktuellen Form für eine Farce halten und ohne Änderungen nicht teilnehmen.

In der Tanker-Ausschreibung ging es den Amerikaner einzig darum, was der Flieger kostet - und genau dort kann das Boeing-Modell punkten. Alle anderen Wettbewerbe zuvor konnte EADS gewinnen, weil ihr Flugzeug auch andere Dinge kann als Benzin zu verteilen, etwa Truppen oder Fracht zu transportieren und möglichst lange fliegen.

Auch keine Überraschung war der Verlust im Geschäftsjahr 2009. Unterm Strich hätte das Betriebsergebnis im Vergleich zu 2008 durchaus um mehr als 2,3 Milliarden Euro sinken können. Beim Militärfrachter A400M muss die EADS 1,8 Milliarden Euro mehr zahlen als bisher. Aber das ist nicht mal die Hälfte dessen, was der verkorkste Frachtvogel tatsächlich mehr kostet als bisher geplant.

Negative Überraschungen gab es bei einigen Details. Die deutlichste liefert der Superjumbo A380: Auch gut zwei Jahre nach dem Start der Serienproduktion hat Airbus den Bau noch nicht im Griff und musste erneut eine Viertel Milliarde Euro Mehrkosten verkraften. Das ist schon blamabel. Dazu sorgte der schwache Dollar für eine Belastung von 2,5 Milliarden Euro.

Zehn Milliarden auf der Kante

Das am Ende „nur“ 800 Millionen Euro Verlust übrig bleiben, ist noch ein Grund, warum Gallois gute Laune hatte. Zudem dürfte es nach den jetzigen Rückschlägen erst mal eine Weile keine vergleichbaren schlechten Nachrichten mehr geben.

Trotz Krise hat das Unternehmen mit knapp zehn Milliarden Euro Vermögen mehr Geld denn je auf der hohen Kante. Das ist mehr, als der A400M und neue Programme verschlingen werden. Das neue Langstreckenflugzeug A350 wird zwar mehr als fünf Milliarden Euro kosten, aber EADS glaubt beim Kurzstreckenflieger A320 mit neuen Triebwerken auszukommen, statt einen komplett neues Flugzeug bauen zu müssen. Das kostet nur gut eine Milliarde Euro - statt zehn, die eine Komplettrenovierung verschlingt.

Dazu neigt sich die Krise der Fluglinien dem Ende. So rechnet Airbus damit, 2010 bei den Auslieferungen sein drittbestes Jahr zu erleben und deutlich seltener als geplant klammen Airlines die Flieger finanzieren zu müssen.

Und vielleicht hat auch der verpatzte US-Tanker-Deal noch sein Gutes. Zwar rechnet im Konzern keiner mehr damit, dass kritische Worte europäischer Politiker EADS den Deal zurückbringen. Aber es könnte dazu führen, das bei kleineren Aufträgen in den USA häufiger mal die EADS zum Zuge kommt.

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