Gerhard Cromme: Der wahre Siemens-ThyssenKrupp-Chef

Gerhard Cromme: Der wahre Siemens-ThyssenKrupp-Chef

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Der zukünftige ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger (M).

von Michael Kroker und Andreas Wildhagen

Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und ThyssenKrupp, beherrscht beide Unternehmen - Die Lektion der angekündigten Berufung von Heinrich Hiesinger als neuer Stahlchef: Siemens- und Krupp-Topmanager sind austauschbar - wenn Cromme dies für richtig hält.

Heinrich Hiesinger wird neuer ThyssenKrupp-Chef. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Spätestens im Januar 2011 wird der 49-jährige Diplomingenieur und Dr.Ing. Nachfolger des langjährigen ThyssenKrupp-Lenkers Ekkehard Schulz, der sich dann ganz auf seine Tätigkeit in der Essener Krupp-Stiftung konzentrieren wird, die über 25 Prozent am Stahl- und Technologiekonzern hält.

Die Überraschung birgt eine Fülle von Folgen in sich - und Einsichten. Die wichtigste: Gerhard Cromme, Chefkontrolleur beider Konzerne, ist mehr als nur ein Korruptions-Ausputzer bei Siemens, der den wegen Schmiergeldvorwürfen damals in Bedrängnis geratenen Heinrich von Pierer ablöste. In einer Blitzaktion installierte Cromme auch einen neuen Siemens-Vorstandschef - Peter Löscher - und kurbelte ein in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmaliges und unter Siemens-Altvorderen auch stark umstrittenes, internes Ermittlungsverfahren gegen die Korruptionsverdächtigten an. Sein Job könnte heute - da viele, auch von Pierer längst Schadensersatz gezahlt haben - bei Siemens beendet sein. Doch er fängt gerade erst an.

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Mehr als ein Korruptions-Ausputzer

Dass nun Heinrich Hiesinger in der ThyssenKrupp-Aufsichtsratsssitzung am 12. Mai zum neuen Vorstandschef gekürt werden soll, hat Sensationscharakter. Denn die Konsequenzen dieser Entscheidung sind gravierend und vielfältig.

1. Die als Kronprinzen einst hochgelobten ThyssenKrupp-Vorstände Olaf Berlien, Edwin Eichler und Alan Hippe, der erst im vorigen Jahr als Finanzchef von Continental zum Stahl-und Technologiekonzern kam, haben keine Chance mehr, an die Spitze vorzurücken. Alle drei eignen sich aber auch nicht gerade als Männer, die in der zweiten Reihe auch in den nächsten zehn Jahren, im Vorstand Kärrnerarbeit leisten. Das Trio will jeder für sich auch einmal Unternehmenschef werden. Bei ThyssenKrupp können sie dieses Ziel nun nicht mehr erreichen.

2. Mit Hiesinger wird ein Mann an die Spitze von Krupp rücken, der von außen kommt. Hiesinger kennt die Industriewelt zwar aus dem Effeff, gehört aber nicht zum Ruhrgebietsklüngel. Genauso wenig ist er mit den Altlasten des Konzerns behaftet - Stahlkrise, Automobilkrise, Kurzarbeit, Straffung der Konzernorganisation, Arbeitnehmerproteste. Einzig die Rohstoffkrise ist vertraut - die drei großen Erz-Oligopole der Welt zeigen Muskeln und verderben den Stahlkochern die Bilanz.

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