Geschäftsidee: Geld verdienen mit Altpapier

Geschäftsidee: Geld verdienen mit Altpapier

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DRP-Chef Olaf Hagedorn: "Wichtig ist, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen"

Ein zerknüllter Briefumschlag macht aus einem Arbeitslosen einen Unternehmer, dessen Firma DRP mit Altpapier Geld verdient.

Fünf lange Jahre war Olaf Hagedorn arbeitslos, der Maschinenbau-Ingenieur schrieb eine Bewerbung nach der anderen. Es wurden Hunderte. Und dann die Initialzündung: Er entdeckt einen Tippfehler im Anschreiben, zerknüllt den Brief und feuert ihn in den Papierkorb. Doch dieses Mal zürnt der Tüftler nicht nur über den Fehler, sondern auch über das verschwendete Papier. So sehr, dass er einen Tag lang DIN-A4-Blätter knickt, faltet, zurechtschneidet, verklebt und wieder auseinandernimmt – so lange, bis er das perfekt gefaltete Kuvert in Händen hält. Das war Mitte der Neunzigerjahre in Münster.

Aus dem Zornausbruch des Tüftlers entstand die Firma Direkt Recycelte Papierprodukte (DRP), die bereits ökologisch arbeitete, als andere dabei nur an Müsli und Jute dachten, und gleichzeitig Menschen Arbeitsplätze bietet, die anderswo wenig Chancen auf eine Stelle hätten. Hagedorn, 49, der die Herstellung der Umschläge inzwischen ausgelagert hat, beschäftigt heute in Münster sieben Schwerbehinderte und einen früheren Langzeitarbeitslosen, Leute, für die er sich verantwortlich fühlt: „Wichtig ist, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen und der Arbeitsplatz gesichert ist – dafür setzen wir die Gewinne ein.“

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DRP ist ein kleines Unternehmen – aus 25 Tonnen Altpapier entstehen hier jeden Monat 2,5 Millionen Umschläge. Das ist im Vergleich zu einem Papierriesen wie Mayer-Kuvert-network aus Heilbronn nicht viel, die stellen als Unternehmensgruppe täglich in Europa mit 2600 Mitarbeitern 70 Millionen her. Doch Hagedorns Kuverts haben eine Besonderheit: Sie bestehen gut sichtbar aus ausrangierten, bunten Landkarten: Da ziert eine kleine Insel mitten im Rhein das Kuvert, Straßen ziehen sich rot durch die Landschaft – ein Farbtupfer im Einheitsgrau deutscher Posteingangskörbe.

Aus alten Karten werden Kuverts

Den Rohstoff dafür bezieht DRP günstig von Verlagen und Druckereien; die Münsteraner kaufen veraltete Landkarten und abgelaufene Kalender. Um an die richtigen Materialien zu kommen, schickt Hagedorn seinen kaufmännischen Leiter Martin Behnke jedes Jahr 50.000 Kilometer quer durch die Republik. Was Behnke einkauft, verarbeitet DRP nicht mehr nur zu Briefumschlägen, sondern auch zu Geschenkboxen, Tragetaschen oder Gesprächsnotiz-Zetteln. Sein Kernprodukt, der Briefumschlag im Landkartenlook, sei dabei nicht nur ansehnlich, sondern umweltfreundlich, sagt der Chef, der am liebsten Jeans und Turnschuhe trägt: Im Vergleich zu herkömmlichen Recyclingprodukten, bei denen das Altpapier zunächst bearbeitet wird, könne DRP durch die direkte Wiederverwertung vollständig auf Bindemittel, Wasser, Bleichmittel und Frischholzfasern verzichten und spare in der Summe gut 95 Prozent Energie.

„Die ersten 20.000 Briefumschläge haben wir noch von Hand geklebt“, erinnert sich Hagedorn. Wir, das waren er und sieben andere Arbeitslose. Ein halbes Jahr lang schnitt der eine mit Schablone und Teppichmesser zu, der andere drückte die Knickfalten mit einem Lineal und einem Tafelmesser ins Papier. Der Nächste klebte die Laschen zusammen, und die Spritzen für den Leim kamen aus der Apotheke. „Die dachten, wir seien drogenabhängig, weil wir so viele Spritzen kauften“, erinnert sich Hagedorn. Der Tüftler verkauft seine Ware damals noch auf Flohmärkten, kämpft sich durch. Das Umweltamt Münster schließlich greift zu seinen Kuverts, ein Arzt nimmt 1000 Stück ab. Der Anfang ist gemacht, 1996 gründet Hagedorn DRP. Doch es dauert sieben Jahre, ehe er 2003, endlich, kleine Gewinne schreibt.

Die Zahl der Aufträge steigt seither, so sehr, dass Hagedorn die Produktion ausgelagert hat: Weil eigene Maschinen für die Kuvertherstellung zu teuer sind, fertigen mittlerweile Unternehmen in Heilbronn und in Ungarns Hauptstadt Budapest die Umschläge für die mehr als 18.000 Kunden an, die DRP in der Kartei hat. In Münster betreibt das Unternehmen seinen eigenen Online-Shop, über den der Verkauf läuft, sie wickeln die Bestellungen ab und denken sich neue Produkte aus – wie etwa große Einkaufstaschen aus ausgedienten Riesenreklame-Postern, das Stück zu 24,99 Euro.

Der Umsatz bleibt Hagedorns Geheimnis – nur so viel verrät er: Jährlich steige der Gewinn um 20 Prozent, der Umsatz im Schnitt um 15 Prozent: „Der durchschnittliche Bestellwert steigt, derzeit liegt er bei 50 Euro.“ Stolz wedelt Hagedorn mit einer aktuellen Bestellung: Sie trägt die Rechnungsnummer 30.000. Vor Kurzem kam die erste Bestellung aus Japan. Ein Mann aus Kobe orderte Kuverts mit dem Stadt-Land-Fluss-Design im Wert von 150 Euro. Er muss es lieben – die Versandkosten ab Münster kommen den Papierfreund teurer als die Kuverts.

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