Geschäftsreisen: Billigflieger und Budget-Hotels für Manager

Geschäftsreisen: Billigflieger und Budget-Hotels für Manager

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Leere Business Class: Selbst auf Langstecken ist die Holzklasse meistens Standard

Die deutschen Unternehmen haben ihre Reisebudgets drastisch heruntergefahren. Welche Anbieter das am stärksten trifft und warum sich viele Manager auch nach der Krise auf Billigflieger und Budget-Hotel einstellen müssen.

Deutschlands Geschäftsreisende erkannte man jahrelang an drei Attributen: einem dunklen Anzug, der Aktentasche und der Lufthansa-Vielfliegerkarte, bevorzugt in Gold. Neuerdings haben sie ein weiteres und das ist klein, rot und süß: das Schokoladenherz, das der Billigflieger Air Berlin seinen Passagieren beim Aussteigen anbietet.

Das bunte Naschwerk ist die süße Seite eines bitteren Trends. In der Wirtschafts- und Finanzkrise haben Deutschlands Unternehmen die Reisekosten als wichtiges Feld ihrer Sparbemühungen entdeckt, weil es schneller als andere Kostensenkungsprogramme Ergebnisse bringt. Laut einer Umfrage der Geschäftsreisekette Hogg Robinson Group (HRG) geht es dabei vor allem um die Flugkosten.

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Der Trend wird zum Standard

Der Rotstift wird quer durch alle Branchen angesetzt: Knapp 30 Prozent aller Mitgliedsunternehmen verzichten auf alle nicht unbedingt notwendigen Reisen, ergab eine Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) unter seinen Mitgliedern. "Seit Oktober vergangenen Jahres beobachten wir einen klaren Trend – es wird weniger und günstiger gereist", bestätigt Patrick Diemer, Geschäftsführer des Kreditkartenunternehmens AirPlus International, über das die meisten deutschen Unternehmen ihre Geschäftsreiseumsätze abwickeln. Fachleute gehen davon aus, dass der Trend zum Standard wird – auch wenn die Krise irgendwann überwunden ist. "Wenn die Komforteinschränkungen erst einmal in den Reiserichtlinien stehen, ist das wie in Stein gemeißelt", sagt VDR-Präsident Dirk Gerdom.

Zwar sind die Reaktionen in Deutschland nicht so radikal wie in den USA, wo rund ein Fünftel aller Unternehmen ihre Reisetätigkeit zeitweise komplett auf null herabgefahren haben. Wie die AirPlus-Umsatzstatistik für das erste Halbjahr 2009 zeigt, haben aber auch die deutschen Firmen ihre Dienstreisebudgets zeitweise um bis zu 30 Prozent gekürzt.

Allerdings verläuft der Sparkurs je nach Unternehmensgröße unterschiedlich: Während in zwei von drei mittelständischen Unternehmen bisher nur geringe Auswirkungen auf das Reiseverhalten zu spüren sind, haben die Travel Manager der Konzerne voll auf die Bremse getreten. "Je größer das Unternehmen, umso deutlicher die Folgen und umfangreicher das Maßnahmenbündel", schreiben die Autoren der VDR-Geschäftsreiseanalyse 2009. In knapp einem Viertel aller Unternehmen mit mehr als 1500 Mitarbeitern habe die Krise "deutliche Folgen".

Prosecco statt Champaner

Auf Sparkurs: Wie deutsche Unternehmen die Reisekosten senken

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Mehr als zwei Drittel der Firmen reisen weniger und sparsamer als bisher, ein Drittel spart auch bei Veranstaltungen: Die Teilnahme an Messen wird ganz abgesagt, oder es werden weniger Firmenvertreter dorthin entsandt, Werbe- und Informationsveranstaltungen für Kunden werden abgesagt oder zumindest abgespeckt: "Statt Champagner gibt es Prosecco, statt eines opulenten Büfetts nur noch Fingerfood, und um 22.30 Uhr ist Schluss", sagt der Veranstaltungsleiter eines Industrieunternehmens aus Stuttgart.

Zu Buche schlagen die Kostensenkungen in fast allen Bereichen: Die Ausgaben der Firmen für Hotels und Mietwagen sind um 13 Prozent gesunken. Getroffen hat es aber vor allem den Flugbereich: Allein im ersten Halbjahr haben die Unternehmen 17 Prozent weniger Flüge gebucht und gut ein Viertel weniger dafür ausgegeben. Das liegt zum größten Teil daran, weil Reisen einfach gestrichen wurden, aber auch an Sondertarifen durch früheres Buchen. Zudem wurden Reisen genauer geplant und darum seltener storniert. Innerdeutsch fuhren mehr Manager ICE statt Airbus: „Die Deutsche Bahn gehört mit einem Plus von fünf Prozent bei den Ticketverkäufen zu den wenigen Krisengewinnern“, sagt AirPlus-Geschäftsführer Diemer. Trotzdem hat das Schienenunternehmen ein neues Angebot für ausgewählte Großkunden geschaffen: Die können künftig eine Art Flatrate-Vertrag abschließen – ist das Geschäftsvolumen größer als vereinbart, sind die zusätzlichen Zugfahrten kostenlos.

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