
„Der Stellenabbau in Deutschland ist absolut die richtige Entscheidung“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet am Freitag in München. Die Versicherung habe seit einem Jahr durch natürliche Fluktuation und freiwillige Abgänge bereits 1.100 Vollzeit-Arbeitsplätze gestrichen und zähle heute noch 29.000 Mitarbeiter. Ob der bis 2007 zugesagte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen angesichts des Gewinnwachstums verlängert werde, wollte Perlet nicht sagen. Das sei Teil der Verhandlungen mit dem Betriebsrat, die sehr kooperativ liefen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein sollten. Damit die Allianz langfristig stark bleibe, müsse sie die bislang getrennt arbeitenden Versicherungszweige bündeln und so effizienter und kundennäher werden. Der Umbau solle der Allianz jährlich 600 Millionen Euro Kosten sparen. Die dafür notwendigen Aufwendungen seien bereits verdaut. Am Donnerstagabend hatte der Münchner Versicherungsriese für das dritte Quartal 2006 eine Verdopplung des Gewinns gemeldet und die Prognose für das Gesamtjahr leicht angehoben. Der Überschuss stieg im Zeitraum Juli bis September auf 1,59 Milliarden Euro nach 794 Millionen im Vorjahr. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 1,24 Milliarden gerechnet. Den überraschend deutlichen Anstieg erklärte das Unternehmen mit operativen Verbesserungen in den meisten Sparten und Sondererlösen aus Beteiligungsverkäufen wie dem der britischen Pflegeheimkette Four Seasons Healthcare. Diese Transaktion verbesserte das Ergebnis allein um knapp 300 Millionen Euro. Weitere Gewerkschafts-Proteste wahrscheinlich Angesichts des Rekordgewinns dürften die Proteste der Gewerkschaften gegen den geplanten Personalabbau zunehmen. Die Arbeitnehmervertreter im Unternehmen sehen ihre Verhandlungsposition jedenfalls gestärkt. Gabriele Burkhardt-Berg, Betriebsratsvorsitzende der Allianz-Versicherungs AG sagte am Freitagnachmittag gegenüber der WirtschaftsWoche: "Der Arbeitgeber sollte überlegen, ob er in dieser Kombination Rekord-Gewinn und Rekord-Personalabbau in den Medien erscheinen möchte." Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in den vergangenen Monaten bereits an mehreren Standorten, die von der Schließung bedroht sind, mit Streiks gegen die Sparpläne demonstriert. Auch aus der Politik hatte es kritische Stimmen gegeben. Die Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat werden am Montag in der Allianz-Zentrale in München fortgesetzt. Bis Ende des Jahres, so Burkhardt-Berg, sollen "die Eckpunkte feststehen". Die Allianz will vom einmal eingeschlagenen Kurs nicht abweichen. „Es wäre falsch, sich jetzt zurückzulehnen“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Es seien im Versicherungsgeschäft noch Anstrengungen nötig, um die erreichte Marktposition zu stärken. Der Vorstand beklagt, dass der Konzern in den vergangenen Jahren viele Kunden und Marktanteile verloren hat. Daher soll die Profitabilität gesteigert werden, um auf Dauer mit den ausländischen Rivalen wie der französischen AXA oder dem US-Konzern AIG mithalten zu können. Zusammengelegt werden die Sparten Lebens-, Sach- und Krankenversicherung. Bei der Allianz selbst sollen 5000 Stellen, bei der Tochter Dresdner Bank 2500 wegfallen. Kündigungen soll es zunächst nicht geben. Gewinnziele mehrfach erhöht Im Gesamtjahr 2006 rechnet die Allianz nach den gestern vorgelegten Zahlen mit einem Überschuss von mehr als sechs Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von mindestens 9,5 Milliarden. Erst im Sommer hatten die Münchner ihr Gewinnziel für 2006 auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro hoch geschraubt, nachdem zuvor 4,9 Milliarden in Aussicht gestellt worden waren. Operativ waren bislang neun Milliarden Euro eingeplant gewesen. In den ersten neun Monaten hat die Allianz ihren Gewinn aus dem gesamten Vorjahr bereits klar übertroffen und steuert damit auf ein neues Rekordergebnis zu. In der Schaden- und Unfallversicherung, der wichtigsten Sparte der Allianz, stieg das operative Ergebnis im dritten Quartal um 74 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Schaden/Kostenquote lag bei 90,2 Prozent. Ab einer Quote unter 100 Prozent sind Schadenszahlungen und Verwaltungskosten aus den Prämieneinnahmen gedeckt. Einer der wichtigsten Gründe für das gute Abschneiden ist, dass die Hurrikane in den USA und der Karibik in diesem Jahr vergleichsweise harmlos waren und nur geringe Schäden anrichteten. Vor Jahresfrist hatte der Wirbelsturm „Katrina“ noch gigantische Schäden verursacht und die Bilanzen zahlreicher Versicherer durcheinander gewirbelt. Im Bereich Lebens- und Krankenversicherung erhöhte sich das operative Ergebnis derweil um elf Prozent auf 617 Millionen Euro, bei der Dresdner Bank sogar um 38,2 Prozent auf 311 Millionen Euro. In der Vermögensverwaltung blieb das operative Ergebnis mit 294 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.













