_

Gewinne 2012: Was auf die Dax-Firmen zukommt

von Ulf Sommer Quelle: Handelsblatt Online

Das Geschäftsjahr 2012 dürfte die gleichen Gewinner sehen wie das Geschäftsjahr 2011. Allerdings wird es nicht mehr so viele Rekordgewinne geben wie im vergangenen Jahr.

Das Logo auf der Firmenzentrale des Software-Konzerns SAP. Quelle: dpa
Das Logo auf der Firmenzentrale des Software-Konzerns SAP. Quelle: dpa

DüsseldorfAn der Sieger- und Verliererliste des vergangenen Jahres wird sich auch 2012 nicht viel ändern. Das zeigen schon die Äußerungen mehrerer Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne.

Anzeige

BASF-Chef Kurt Bock etwa, der schon 2011 einen Rekordgewinn erzielte, hat gerade erst seine Langfristprognosen erhöht - ungeachtet der Euro-Krise und der Rezessionsängste in Europa. Und SAP-Chef Jim Hagemann Snabe, auch er ein Sieger des vergangenen Jahres, registrierte zuletzt eher unter- als übertreibend "viel Schwung im Unternehmen". Die Auftragsbücher des Walldorfer Softwarekonzerns sind prall voll.

Ganz anders hingegen äußert sich beispielsweise Lufthansa-Chef Christoph Franz. Er musste die Beschäftigten sogar in seinem Weihnachtsbrief auf ein neues Sparprogramm einstimmen. Auch der Mischkonzern Thyssen-Krupp sowie die Versorger RWE und Eon - allesamt 2011 auf der Verliererliste - haben keine begründete Hoffnung, in diesem Geschäftsjahr zu den Gewinnern zu gehören.

Einig sind sich Unternehmen und Analysten jedoch darin, dass auch die Gewinne der 2011 so erfolgreichen Großunternehmen durchweg nicht mehr so wie bislang weitersteigen werden. "Schon seit Mitte 2011 sind die Gewinnerwartungen für die Dax-Konzerne deutlich gefallen", sagt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Allerdings haben Unternehmen und Analysten ihre Prognosen für 2012 von einem sehr hohen Niveau aus abgesenkt. So erwarteten die Analysten noch im vergangenen Sommer, dass 30 Dax-Konzerne 2012 insgesamt 86 Milliarden Euro verdienen würden. Inzwischen sind diese Prognosen wegen der Eintrübung des konjunkturellen Umfelds um 13 Prozent auf 74 Milliarden Euro gesenkt worden. Das wäre immerhin noch eine Milliarde Euro mehr als im Erfolgsjahr 2011 - und nur fünf Milliarden Euro weniger als 2007, dem Jahr mit den höchsten Unternehmensgewinnen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Was das abgelaufene Geschäftsjahr und die in dieser Woche beginnende Bilanzsaison betrifft, so ermöglichen die bereits präsentierten Neunmonatszahlen, Vorabzahlen einiger Unternehmen, firmeneigene Prognosen und die Schätzungen internationaler Analysten, die bei Finanzdatenspezialisten wie Factset und Bloomberg zusammenlaufen, zuverlässige Berechnungen der Jahresergebnisse der 30 Dax-Konzerne.


Thyssen-Krupp hat selbst Schuld

Das Ergebnis: Erfolgreich ist, wer frühzeitig seine Exporte, Betriebsanlagen sowie Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in Boomländer wie China und Brasilien verlagert hat. Dazu zählen BASF, Linde und Adidas mit Umsatzanteilen im Ausland von mehr als 75 Prozent. Als Gewinner der Globalisierung eilen sie von Rekord zu Rekord.

Auf der anderen Seite sind neben einer unzureichenden Globalisierung der Konzerne auch firmeneigene Schwächen ausschlaggebend für den unternehmerischen Misserfolg. Die Banken und Versicherer etwa leiden unter falschen Anlageentscheidungen und der Euro-Schuldenkrise. Das senkt die Gewinne mehr als deutlich. Deutsche Bank, Commerzbank und Münchener Rück dürften im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent hinter ihren einstigen Rekordgewinnen zurückbleiben.

Der Mischkonzern Thyssen-Krupp muss sich seinen Milliardenverlust ebenfalls selbst zuschreiben. Der Bau des neuen Stahlwerks in Brasilien war schlecht geplant und viel teurer als ursprünglich veranschlagt. Obwohl sich die Weltkonjunktur 2011 gut entwickelte und ein so konjunktursensibler Konzern wie Thyssen-Krupp Gewinne hätte erzielen müssen, steht unter dem abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus von 1,29 Milliarden Euro.

Die Versorger Eon und RWE wiederum machen den von der Politik verfügten Atomausstieg verantwortlich für ihren geschäftlichen Misserfolg. Klar ist aber auch, dass sich die Stromerzeuger angesichts der deutschlandweit verbreiteten Ablehnung der Atomenergie viel zu lange auf die hohen, gut kalkulierbaren Gewinne aus den Atommeilern verlassen hatten. Die Folge: Sie beschäftigten sich zu wenig mit "grünen" Zukunftstechnologien, die die Märkte von morgen prägen werden.

RWE ist im Übrigen mit einem Auslandsumsatz von weniger als 50 Prozent auch eines der am wenigsten globalisierten deutschen Großunternehmen.

weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.