Gewinnwarnung: Altlasten bei Großprojekten lassen Siemens-Aktienkurs abstürzen

Gewinnwarnung: Altlasten bei Großprojekten lassen Siemens-Aktienkurs abstürzen

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Siemens-Chef Peter Löscher kämpft mit Problemen bei Großprojekten.

Bittere Osterwoche für den Technologie-Riesen Siemens: Die Bewältigung von Altlasten bei Großprojekten kostet Siemens knapp eine Milliarde Euro. Siemens sprach deshalb heute eine Gewinnwarnung aus - und kassierte dafür Prügel an der Börse: Der Aktienkurs sank um 13 Prozent auf weniger als 70 Euro. Kein guter Wochenstart für den Technologie-Riesen Siemens: Heute gab der Konzern für das laufende Geschäftsjahr eine Gewinnwarnung heraus. Die Strafe folgte auf den Fuß: Zu Börseneröffnung brachen die Siemens-Papiere um bis zu zehn Prozent ein.

Wegen einer Vielzahl unrentabler Großprojekte im Kraftwerksbau, der Zugsparte und dem IT-Segment gab das Münchener Unternehmen am Montag seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2007/08 auf. Allein im laufenden Quartal werde der Gewinn dadurch mit 900 Millionen Euro belastet.

Die Anleger nahmen Siemens-Chef Peter Löscher die böse Überraschung übel: Die Siemens-Aktie brach um 13 Prozent auf weniger als 70 Euro ein. Damit verlor Siemens rund zehn Milliarden Euro an Börsenwert. Bislang war Siemens für das laufende Geschäftsjahr (zum 30. September) davon ausgegangen, den Umsatz doppelt so stark zu steigern wie die Weltwirtschaft wachse. Das operative Ergebnis sollte doppelt so stark wie der Umsatz zulegen. Ursprünglich galt die Prognose auch für das kommende Geschäftsjahr. Davon war Löscher allerdings bereits nach und nach abgerückt.

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 Eine neue Prognose für 2007/08 will Siemens erst Ende April formulieren. Von den bereits feststehenden Einbußen von 900 Millionen Euro beziehen sich 600 Millionen auf den Kraftwerksbau, 200 Millionen auf die Zug-Sparte und gut 100 Millionen auf die IT-Sparte SIS, wie Finanzchef Joe Kaeser sagte.

Die Manager lasteten das Finanzdebakel ihren Vorgängern an. „Was wir hier vor uns liegen haben, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit“, sagte Vorstandschef Löscher in einer Telefonkonferenz. Der Chef des Energiesegments, Wolfgang Dehen, räumte ein, dass Siemens sich mit Aufträgen für konventionelle Kraftwerke übernommen habe. „Wir haben die Zuliefersituation unterschätzt und wir haben unsere Personal- und Planungskapazitäten falsch eingeschätzt“, sagte er.

Straßenbahn-Sparte seit Jahren Problemkind

Die Sanierung defekter „Combino“-Straßenbahnen beschäftigt Siemens bereits seit Jahren. Gut die Hälfte der 475 ausgelieferten Züge seien mittlerweile repariert, sagte der neue Chef des Industrie-Segments, Heinrich Hiesinger, zu dem die Zugsparte gehört. Bis 2010 soll die Instandsetzung abgeschlossen sein - und wird Siemens bis dahin weiter Geld kosten.

Auch die Hängepartie um die Verlängerung der Transrapid-Strecke im chinesischen Shanghai belaste die ohnehin renditeschwache Sparte. 50 Millionen Euro habe Siemens bisher für Ingenieursleistungen ausgegeben, ohne sicher zu wissen, ob die Trasse jemals ausgebaut wird. Siemens hatte das Projektgeschäft mit Zügen und Kraftwerken auf den Prüfstand gestellt, nachdem die Sparten immer wieder ins Trudeln geraten waren und ihre Renditeziele verpasst hatten.

Die erst im vergangenen Jahr sanierte IT-Sparte SIS verlor unterdessen einen 85 Millionen Euro schweren prestigeträchtigen, Auftrag des britischen Arbeitsministeriums. Die Behörde stornierte die Order, nachdem Siemens einräumen musste, die neue EDV-Struktur nicht wie geplant bis 2010 installieren zu können.

Renditeziele für 2010 nicht in Gefahr

Mit den teuren Aufräumarbeiten habe Siemens das Schlimmste hinter sich, sagte Finanzvorstand Kaeser. Allerdings wollte er nicht ausschließen, dass es in den kommenden Quartalen noch zu Belastungen kommen könnte. Die Renditeziele für 2010 seien aber nicht in Gefahr, betonte Löscher. Analysten äußerten sich skeptisch. „Siemens derzeitige operative Leistung ist enttäuschend, und wir erwarten, dass die Margen in den kommenden 18 Monaten unter Druck kommen“, urteilte Bear-Stearns-Analyst Timm Schulze-Melander.„Siemens leidet unter einem tiefsitzenden Problem bei Orderakquise und -umsetzung.“

Siemens kündigte an, Aufträge allem im Kraftwerksbau künftig deutlich zurückhaltender anzunehmen. Der Konzern werde den Bau schlüsselfertiger Kraftwerke stark zurückfahren. Siemens wolle künftig jeweils ein Drittel des Geschäfts mit Dienstleistungen, Einzelkomponenten für die Energieerzeugung und schlüsselfertigen Kraftwerken machen, sagte Vorstand Dehen.

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