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Gewinnwarnung von Arcandor: Das Karstadt-Debakel

von Henryk Hielscher mit Material von AP/rtr

Die Prognose von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff fiel düster aus. Angesichts miserabler Ergebnisse der Warenhaustochter Karstadt stampft der Konzern-Chef die Gewinnziele für das kommende Geschäftsjahr ein. Die Börse schickt die Arcandor-Aktie auf Talfahrt.

Spätestens am 18. Juli war klar, dass Arcandor-Chef Thomas Middelhoff von seiner Konzernsparte Karstadt am liebsten nichts mehr wissen will. In einer kurzen Pressemitteilung hatte das Unternehmen den neuen Karstadt-Chef Stefan Herzberg vorgestellt und beiläufig erwähnt, dass Herzberg - anders als seine Vorgänger - keinen Sitz mehr im Konzernvorstand bekommen werde. Statt an Middelhoff direkt werde er an den Finanzvorstand Peter Diesch berichten.

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Die heutigen Quartalszahlen des Arcandor-Konzerns geben eine Erklärung für die middelhoffsche Distanz. Die traditionsreiche Warenhauskette hat miserable Zahlen veröffentlicht - und Besserung ist nicht in Sicht.

Für den Zeitraum von April bis Juni wies Karstadt einen operativen Verlust von 51 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust noch bei acht Millionen Euro. Der Quartalsumsatz ging um 1,9 Prozent zurück. Berücksichtigt man, dass vier Prozent der Verkaufsfläche derzeit umgebaut werden, ergibt sich flächenbereinigt zwar ein kleines Plus. Doch insgesamt blieb Karstadt weit unter den Erwartungen.

Auch drei Jahre nach Sanierungsbeginn sind die Kosten bei der Kaufhauskette immer noch zu hoch. Nun soll es ein neues so genanntes Effizienzsteigerungsprogramm richten. „Wir sind der Meinung, wir sollten da nochmals richtig durchkehren", kündigte Middelhoff an. Dies werde nicht ohne Personalabbau gehen.

Plus bei Thomas Cook und Primondo

Während in den vergangenen Monaten die boomende Konjunktur einen Teil der Misere kaschierte, vermiesen inzwischen die hohen Benzin- und Lebensmittelpreise den Verbrauchern die Einkaufslaune. Sollte die Konjunktur weiter schwächeln und die Inflation steigen, dürfte es daher noch weiter abwärts gehen.

Unterm Strich ist das Quartal für Karstadt damit ein Debakel. Dies um so mehr als die mauen Zahlen den Gesamtkonzern nach unten ziehen. Denn die Entwicklung der anderen Geschäftsbereiche - der Touristiktochter Thomas Cook und der Versandhandelstochter Primondo mit der Kernmarke Quelle - verlief positiv. Thomas Cook verbesserte das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) trotz des Kerosinpreis-Anstiegs der vergangenen Monate um rund vier Prozent auf 104 Millionen Euro. Primondo steigerte das Ergebnis um 19 Millionen Euro und schrieb eine schwarze Null.

Angesichts der Karstadt-Zahlen und der Konjunktur-Entwicklung strebt der Konzern für das kommende Geschäftsjahr 2008/2009 nun nur noch einen bereinigten Gewinn (Ebitda) von 1,1 Milliarden Euro statt der bislang vorausgesagten 1,3 Milliarden Euro an.

Schon beschweren sich Analysten über die verfehlte Kommunikationspolitik von Middelhoff, der immer wieder den Eindruck erweckt habe, die Ziele seien locker zu schaffen. Und tatsächlich nimmt der Konzernchef Abschied von einem Versprechen, dass er seinen Aktionären erst auf der Hauptversammlung im April gab.

Damals hatte der Vorstandschef seine Vertragsverlängerung um ein Jahr bekannt gegeben und bekräftigt, der Konzern werde sein Gewinnziel von 1,3 Milliarden Euro halten. „Nicht zuletzt um dieses Versprechen einzulösen, habe ich meinen Vertrag verlängert", gab Middelhoff zu Protokoll.

Arcandor-Anteilseigner sind indes Enttäuschungen gewöhnt. Vor nicht allzu langer Zeit hatte Middelhoff prophezeit, der Kurs der Aktie stehe bis Ende 2008 bei „40 Euro plus x". Die Realität sieht anders aus: Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen sackte der Arcandor-Kurs gegen 11.15 Uhr um mehr als sechs Prozent auf 7,46 Euro.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.10.2008, 13:06 UhrAnonymer Benutzer: Peter u. Paul

    Die leidtragenden sind wieder mal die Mitarbeiter im Verkauf und Nebenbetrieben. Man soll schcon wieder mal auf Gehalt verzichten. Man spricht von ca. 5% Gehaltsverzicht um für die nächsten 3 Jahre 115 Mil. € einzusparen. Alle Versprechen sind nicht gehalten worden.
    Na dann frohe Weihnachten.

  • 07.10.2008, 20:41 UhrAnonymer Benutzer: Tina

    Der gesamt Einzelhandel sollte mal wieder umdenken. Die Öffnungszeiten müssen wieder zurückgeschraubt werden um Kosten zu sparen. ich arbeite selber im Einzelhandel und weiß wie viel es ein Unternehmen kostet um so lange zu öffnen. Da wird als erstes am Personal gespart. Und die Kunden, die wirklich kaufen wollen, kommen auch wenn der Laden um 18.30 Uhr schließen würde. Hat schließlich früher auch geklappt. Und die kleinen Geschäfte, die heute immer noch an den alten Öffnungszeiten festhalten überleben ja auch noch. Würden die großen Häuser probeweise ein Jahr die alten Zeiten einführen, hätten sie unter Garantie am Ende eine Menge gespart, könnten wieder Personal einstellen, und wir als Verkäufer hätten endlich wieder Zeit uns um die Kunden zu kümmern.

  • 25.09.2008, 21:26 UhrAnonymer Benutzer: Ray

    Harald Schmidt hat schon vor Jahren folgenden Sketch gebracht, als Karstadt eine "Freundlichkeits- und Lächeloffensive" starten wollte:
    2 Karstadtverkäuferinnen unterhalten sich. Sagt die eine zur anderen:"Wenn das wirklich kommt mit der Lächeloffensive, dann geh´ich zur Post!" Dieser Satz drückte den Zustand des gesamten deutschen Einzelhandels und seiner Umgangsformen so treffsicher aus, dass dem nichts hinzuzufügen ist.

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