WirtschaftsWoche: Herr Lanci, mit der Übernahme von Gateway lassen Sie den Erzkonkurrenten Lenovo im Kampf um Platz drei im weltweiten PC-Geschäft klar hinter sich. Nehmen Sie jetzt Dell, die Nummer zwei ins Visier? Lanci: Natürlich können wir durch den Einstieg bei Gateway unsere Position im hart umkämpften PC-Geschäft erheblich verbessern. Aber das dient nicht dem Ziel, Dell zu schlagen. In einem so hart umkämpften Markt wie der PC-Industrie braucht man eine Mindestgröße, um marktrelevant zu sein und so beispielsweise beim Einkauf Kostenvorteile durchsetzen zu können. Diese Schwelle liegt oberhalb von 15 Milliarden Dollar Umsatz und entspricht einem Marktanteil von mehr als zehn Prozent. Gemeinsam mit Gateway sollten wir im kommenden Jahr 18 bis 20 Milliarden Dollar Umsatz erreichen. Damit sind wir in einer sehr guten Position. Der Podestplatz selbst – ob erster, zweiter oder dritter – ist da nicht so wichtig. Allerdings könnten Sie, wenn Sie Ihr Wachstum beibehalten, Dell in drei bis fünf Jahren einholen ... Das könnte schon sein. Andererseits ist es relativ unrealistisch, dass wir das gegenwärtige Tempo auch bei der künftigen Unternehmensgröße aufrechterhalten können. Das PC-Geschäft wird zunehmend ungemütlicher. Die Jahre mehrstelliger Absatz- und Umsatzsprünge sind vorbei. Wie wollen Sie weiter wachsen? In Zeiten, in denen nur noch die Stückzahlen zulegen und nicht mehr die Umsätze, konsolidiert sich die Branche. Da müssen Sie sich entscheiden, ob Sie Treibender des Prozesses sein wollen oder Getriebener. Wir sind die Treiber. Und werfen damit das alte Acer-Credo über Bord, nur organisch zu wachsen. Irgendwann ist das Potenzial organischen Wachstums ausgereizt. Das war uns schon seit einiger Zeit klar. Mit Gateway ist nun auch die passende Gelegenheit für einen Zukauf da. Ist dieser Kauf nur der erste Schritt, dem weitere folgen werden? Die weitere Marktbereinigung zeichnet sich schon ab. Gateway hat angekündigt, sein Vorkaufsrecht für Packard-Bell auszuüben. Das passt perfekt in unsere Pläne und macht das Geschäft für uns ja gerade so interessant. Denn damit verbessern wir im Zuge des Gateway-Engagements nicht nur unsere Position in den USA auf rund elf Prozent Marktanteil, sondern legen – dank Packard-Bell – auch in Europa auf gut 14 Prozent zu. Im Vergleich zum Konsumentengeschäft sind Sie bei Unternehmen jenseits von kleinen Kunden schwach. Müssen Sie Ihr Geschäftsmodell ändern? Nein, hier bleiben wir unserer Strategie treu. Das zeigt sich auch daran, dass wir Gateways Plan unterstützen, sein Geschäftskundensegment zu verkaufen. Die Verhandlungen laufen bereits. Was danach für uns übrig bleibt, ist das profitable Konsumentengeschäft. Steht das nicht im Konflikt dazu, dass Unternehmenskunden für Acer profitabler wären? Die kaufen ja nicht nur Computer, sondern oftmals Services wie Installation und Wartung gleich mit. Der PC wird schon seit einigen Jahren immer mehr zum Standardprodukt. Viele Großunternehmen kaufen ihre Computer heute schon wie Papier oder Kulis ein: über das Internet. Je stärker dieser Trend anhält, desto besser funktioniert unser Modell des indirekten Vertriebs. Und deshalb besteht für uns kein Anlass, über andere Geschäftsmodelle nachzudenken.
Gianfranco Lanci: Acer-Chef: "Wir sind Treiber"
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