
Wegen der gestiegenen Strom- und Gastarife sind sie als Abzocker verschrien, jede neue Preisrunde oder Versorgungspanne löst bei Politikern und Verbraucherverbänden reflexartig Proteststürme aus. Dass sich das bald ändert, ist eher unwahrscheinlich. „Das Image war noch nie so schlecht wie zur Zeit“, räumen Vertreter von Energieunternehmen und Branchenverbänden ein. Mit Zeitungsanzeigen und Informationsmaterialien versuchen sie ihr Bild bei den Verbrauchern aufzupolieren. So weisen sie darauf hin, dass der Staat über Steuern und Abgaben ordentlich mitkassiert. Doch die Wirkung der Kampagne ist begrenzt: So lange die Preise nicht sinken, kocht die Volksseele weiter. „Das Ansehen der Versorger hat massiv unter der Strompreisdiskussion gelitten“, sagt der Energieexperte vom Bankhaus Sal. Oppenheim, Matthias Heck. Die Spannung zwischen den Energiekonzernen und der Politik hätten deutlich zugenommen. Deutlichstes Zeichen: Nun meldeten sich in der Diskussion auch Politiker zu Wort, die keine Energieexperten seien. Breite Front gegen Marktmacht der Konzerne Und auch im kommenden Jahr müssen sich die Versorger auf Ungemach einstellen. Dabei drohen Konfrontationen nicht nur mit erzürnten Verbrauchern und Politikern, sondern auch noch mit den Kartellwächtern. Die EU-Kommission will im Januar ihren Bericht zum Energiemarkt vorlegen. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes will die Vormachtstellung der großen Konzerne schon seit langem brechen vor und hat deswegen Ermittler in die Büros von E.On, RWE, EnBW und Vattenfall Europe geschickt. Kroes macht sich für eine Trennung des Netzgeschäfts von der Stromerzeugung stark. In Deutschland haben die Konzerne zwar für die Netze Tochtergesellschaften gegründet, haben aber beide Bereiche weiter fest im Griff. Zusätzlich bereiten den Versorgern die Pläne von dass Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zur Verschärfung des Kartellrechts Kopfzerbrechen. Glos will Gewinne aus der Stromproduktion verbieten, die er für ungerechtfertigt hält, weil sie nur Ausfluss der marktbeherrschenden Stellung der Konzerne seien. RWE und Vattenfall haben deswegen gedroht, Investitionen in neue Kraftwerke zu verschieben oder sie ganz abzublasen - was ihnen postwendend neue Kritik einbrachte. Bundeskartellamts-Chef Ulf Böge bezeichnete die Ankündigung als Beleg für mangelnden Wettbewerb. „Bei einem funktionierenden Wettbewerb wäre das unvorstellbar. Dann würde ein anderes Unternehmen sofort in die Bresche springen“, sagte er. Rote Karte für RWE Der scheidende Behördenchef war es auch, der RWE kurz vor Weihnachten die Rote Karte zeigte. Der Essener Konzern habe die Preise künstlich in die Höhe getrieben, indem er den Wert der Verschmutzungsrechte in die eigene Preiskalkulation einbezog, obwohl diese kostenlos zugeteilt worden waren, sagte Böge. Eine ähnliche Abmahnung droht in Kürze auch E.ON. Die Unternehmen argumentieren, ihr Vorgehen sei betriebswirtschaftlich notwendig und gerechtfertigt. Nicht zuletzt aus Imagegründen müssen die Versorger hoffen, 2007 von Pannen verschont zu bleiben. „Die Stromausfälle im letztem Jahr bei RWE im Münsterland und dieses Jahr bei E.On haben dem Ansehen klar geschadet“, sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Heck. Gerade in der Preisdiskussion hatten die Versorger immer wieder darauf verwiesen, dass Stromausfälle in Deutschland im europäischen Vergleich sehr selten seien.













