GM-Europa-Chef Forster im Interview: "Lokale Autonomie für Opel"

GM-Europa-Chef Forster im Interview: "Lokale Autonomie für Opel"

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Carl-Peter Forster Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lhe (zu dpa 0931) (c) dpa - Bildfunk

Der voraussichtliche Opel-Chef Carl-Peter Forster über den Einstieg von Magna und der russischen Sberbank, das Verhältnis zur US-Mutter General Motors, den Weg aus den roten Zahlen – und eine mögliche Party mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

WirtschaftsWoche: Herr Forster, Opel wird voraussichtlich an das Magna-Konsortium verkauft. Was bedeutet das für Opel?

Forster: Wir bei Opel haben immer deutlich gemacht, was uns wichtig ist: Planungssicherheit, ausreichende Investitionen in neue Produkte und eine positive Zukunft für die Mitarbeiter und deren Familien. Die Chance, dies nun gemeinsam mit Magna zu verwirklichen, sind gut.

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Ist das die Entscheidung? Oder wird es sich GM noch mal anders überlegen?

Die GM-Empfehlung für eine Zusammenarbeit mit Magna ist ein wichtiger Schritt. Aber es sind noch weitere Schritte notwendig, um den Weg bis zum Ende zu gehen. Alle involvierten Gruppen – die Unternehmen, aber auch Politik und Treuhand – müssen jetzt weiter hart arbeiten, damit diese Empfehlung mit Inhalten gefüllt wird und tatsächlich in einen unterschriftsreifen Vertrag mündet.

Warum zog sich die Entscheidung so lange hin?

Es ging um nicht weniger als die zukünftige Position von General Motors im europäischen Automarkt. Die Frage, welche Rolle Opel dabei spielt, war von extremer Tragweite für den Konzern. Das war wirklich nicht leicht zu beantworten. Am wenigsten für die neuen Mitglieder des Verwaltungsrates, die erst seit Kurzem im Amt sind und sich erst einmal in die Thematik einarbeiten mussten.

Sie haben sich schon vor der GM-Entscheidung eindeutig für Magna ausgesprochen. Da haben Sie hoch gepokert. Was, wenn es nicht Magna geworden wäre?

Ich habe nie ausschließlich für Magna plädiert. Ich habe nur gesagt, welche Chancen ich für Opel in Europa sehe und dass ich der Meinung bin, dass der neue Eigentümer von Opel sich langfristig engagieren sollte. Das hätte Magna sein können. Das wäre aber theoretisch auch unter dem Dach von GM gegangen. Opel braucht jemanden, der die Chancen für Opel in Russland gerne wahrnehmen will. Und natürlich suchen wir nach einem Weg, der Marke Opel die größtmöglichen Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Wenn ich das addiere, dann bietet Magna eine gute Perspektive.

Welche Voraussetzungen sehen Sie für eine gute Zusammenarbeit mit Magna?

Es sollte eine Zusammenarbeit sein, die locker und straff zugleich ist. Sie brauchen eine Organisation, die auf der Basis gemeinsamer Lösungen und technischer Standards arbeitet, sonst erzielt man keine Vorteile durch die gemeinsame Größe. Auf der anderen Seite müssen die Mitarbeiter, die die Autos bauen und verkaufen, die Chance haben, eigenständig und schnell auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren. Dafür müssen sie den Opel-Mitarbeitern eine lokale Autonomie ermöglichen. Diesen Spagat muss man hinkriegen.

Lokale Autonomie? Mit GM wäre das schwierig geworden…

GM war früher bekannt für regional höchst unterschiedliche Fahrzeuge. Es gab im Konzern eher zu wenige Standards, was verhinderte, die Kostenvorteile großer Stückzahlen zu heben. In den vergangenen Jahren ging es jedoch in die andere Richtung. Es gab zu viele Standards und zu wenig lokale Autonomie.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hat gesagt, dass Opel durch die Verzögerungen der vergangenen Monate 1,1 Milliarden Euro verloren habe. Stimmt das?

Solange es keine Entscheidung über den neuen Eigentümer gab, konnten wir die Kosten nicht so stark senken, wie wir das gerne getan hätten. Aber die genannten Verluste stimmen nicht. Herr Franz macht manchmal so seine eigenen Rechnungen, die wir nicht immer ganz nachvollziehen können. 1,1 Milliarden Euro ist jedenfalls viel zu hoch.

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