GM-Insolvenz: Ende und Neuanfang für General Motors

GM-Insolvenz: Ende und Neuanfang für General Motors

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GM-Zentrale in Detroit. Der Niedergang ist kaum noch zu stoppen

Das größte Insolvenzverfahren in der US-Geschichte hat begonnen. General Motors rettet sich unter Gläubigerschutz und soll so gesund geschrumpft werden. Die US-Regierung übernimmt 60 Prozent der Anteile. Kann Obama GM retten?

Stunde Null für den einst größten Autobauer der Welt: Nach jahrelangen Milliardenverlusten hat die bisherige Opel-Mutter General Motors als letzte Überlebensmöglichkeit Insolvenz angemeldet. Die Unterlagen wurden am Montag um 8.00 Uhr Ortszeitbei einem Insolvenzgericht in New York eingereicht. Es ist das größte gerichtliche Gläubigerschutz-Verfahren eines Industriekonzerns in der US-Geschichte.

Gut 100 Jahre nach seiner Gründung steht der führende US-Autoriese damit am Scheideweg zwischen Neustart und Untergang. Mit General Motors (GM) und dem Rivalen Chrysler sind binnen eines Monats zwei der drei großen US-Hersteller in die Pleite gerast. Nur die Nummer zwei - Ford - will trotz Milliardenverlusten ohne Staatshilfe weitermachen.

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Ford hat in den vergangenen Jahren zwar auch Milliardenverluste eingefahren, doch der zweitgrößte US-Autobauer will nun von den schweren Turbulenzen der Rivalen General Motors (GM) und Chrysler profitieren und Marktanteile gewinnen. Ford werde die Produktion im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent hochfahren, zitierte das „Wall Street Journal“ am Montag einen namentlich nicht genannten Konzernvertreter.

GM plant Gewinn ab 10 Millionen verkaufter Autos

Die Entscheidung über die Zukunft von GM liegt nun in der Hand des Insolvenzrichters, für das Verfahren wird eine Dauer von 60 bis 90 Tagen angepeilt, hieß es von US-Regierungsbeamten. Nach der de facto Verstaatlichung soll sich GM - geschützt vor dem Zugriff der Gläubiger - in der Insolvenz („Chapter Eleven“) gesundschrumpfen - der Konzern wird in einen „guten“ und einen „schlechten Teil“ aufgespalten.

GM soll künftig schon in die Gewinnzone fahren, wenn in den USA - wie etwa für 2009 erwartet - lediglich zehn Millionen Autos aller Hersteller pro Jahr verkauft werden. Bislang lag die Schwelle bei 16 Millionen.

Präsident Barack Obama hat sich optimistisch über die Aussichten des Traditionskonzerns gezeigt. Der Plan zur Umstrukturierung des Autoriesen sei „glaubhaft und vielversprechend“, sagte Obama am Montag in Washington. Es sei„absolut zuversichtlich“, dass GM bei gutem Management „einer neuen Generation von Amerikanern helfen werde, ihre Träume zu verwirklichen“. Obama warnte aber zugleich, dass auf die Beschäftigten angesichts weiterer Jobverluste und Werksschließungen neue Opfer zukämen. „Ich will nicht vorgeben, dass die harten Zeiten vorüber sind“, sagte er.

Der US-Präsident hatte dem Traditionsunternehmen ein Ultimatum bis zum 1. Juni gestellt: Entweder legt GM einen überzeugenden Sanierungsplan vor oder als einzige Überlebenschance bleibt die Insolvenz nach US-Muster. Nun wird der Konzern radikal umgekrempelt: Laut Regierung sollen elf Werke geschlossen und drei weitere nicht mehr genutzt werden. Berichten zufolge sollen erneut Zehntausende Stellen wegfallen - auf weit unter 100 000 allein in Nordamerika. Vor zehn Jahren gab es noch mehr als doppelt so viele.

Verzicht auf Pontiac, Saab, Hummer und Saturn

Die Zahl der US-Marken wird auf vier halbiert - es bleiben GMC, Chevrolet, Cadillac, Buick. Für die schwedische GM-Tochter Saab gab es zuletzt noch zwei bis drei mögliche Käufer. Auch der Geländewagenbauer Hummer und die US-Marke Saturn sollen verkauft werden, Pontiac muss sterben.

„Während des Insolvenzverfahrens wird GM wie gewöhnlich arbeiten“, hieß es aus dem Weißen Haus. Die US-Regierung übernimmt rund 60 Prozent an dem Konzern, Kanada 12 Prozent. Die Autogewerkschaft UAW erhält für Milliarden-Zugeständnisse knapp 18 Prozent an GM.

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