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GM/Opel: Ende einer Dienstfahrt

von Henning Krumrey (Berlin)

Die Konzernmutter in Detroit will einfach nicht so wie die deutsche Bundesregierung - Ein Lehrstück gegen Interventionismus, die Geschichte eines großen Missverständnisses zwischen Politik und Unternehmen.

Die Zentrale von General Quelle: dpa
Die Zentrale von General Motors in Detroit, US-Bundesstaat Michigan Quelle: dpa

Jochen Homann blickte erschreckt auf die Uhr. „Hoppla, die Entscheidung müsste doch längst da sein“, dachte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und oberste Unterhändler im Fall Opel. „Das scheint wohl schwierig zu werden.“ Ihm schwante: Der Verwaltungsrat von General Motors in Detroit hat den Verkauf von der deutschen Tochter Opel an den Investor Magna nicht einfach durchgewinkt. Das war um 20 Uhr deutscher Zeit am Dienstag.

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Um 22 Uhr meldete meldete sich GM-Boss Henderson und bat um ein Telefonat mit dem Minister. Eine weitere halbe Stunde später teilte er dem geschockten Rainer Brüderle mit: GM behält Opel. Die Begründung war ebenso lapidar wie zutreffend: Die wirtschaftliche Lage der Mutter habe sich deutlich gebessert, und das Konstrukt mit zahlreichen - auch russischen - Partnern sei zu unübersichtlich.

Merkel indirekt informiert

Eineinhalb Stunden zuvor hatte Henderson bereits die Bundeskanzlerin informiert – indirekt. Angela Merkel saß – letzter Programmpunkt ihrer Kurzvisite in Washington – mit „Wirtschaftsvertretern“ beim Essen im feinen Ritz Carlton-Hotel in Georgetown, als der GM-Manager ihren Wirtschaftsberater Jens Weidmann herausklingelte. Es gebe da Probleme, lautete die noch etwas vage Botschaft. Erst ein zweites Telefonat brachte Gewissheit. Kurz nachdem Angela Merkel in einer bejubelten Rede im Kongress das schöne amerikanische Versprechen von „partnership in leadership“ als Geste tiefer Freundschaft gewürdigt hatte, brüskierte der Staatskonzern GM die deutsche Regierungschefin.

Für den deutschen Steuerzahler könnte der Opel-Verbleib bei GM die billigere Lösung sein. Schon in seinem Telefonat mit Kanzlerinnen-Berater Weidmann hatte GM-Boss Henderson mitgeteilt, der Kapitalbedarf für die Opel-Sanierung unter seiner Führung läge bei drei Milliarden Euro. Das wären zumindest 1,5 Milliarden Euro weniger als nach dem Magna-Konzept. Die Rückzahlung der Überbrückungshilfe (aktuell rund eine Milliarde Euro) zum 30. November machte der Kanzlerin gleich nach der Hiobsbotschaft keine Sorgen.

Die hatte Henderson gegenüber Weidmann zugesagt. Aber dass es jetzt alles wieder von vorn losgeht! Wieder müsse sich der Staat kümmern, so tickt die Kanzlerin. Im Zentrum der Merkel-Sorge: Nun seien die Arbeitnehmer zu schützen.

Noch vom Flugzeug aus setzte Merkel ihren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla in Marsch. Er solle den Opel-Betriebsratsvorsitzenden Franz für Mittwoch ins Kanzleramt einladen. Schließlich gesellte sich die Regierungschefin selbst zum Treffen mit dem Gewerkschafter.

Was wusste US-Präsident Obama?

In Merkels Gespräch mit US-Präsident Barack Obama am Morgen hatte Opel gar keine Rolle mehr gespielt. Nicht nur, weil die Deutschen fest vom Magna-Deal ausgingen. Der US-Präsident, der derzeit große innenpolitische Sorgen hat, hatte die Probleme der Autobauer stets weit von sich gewiesen.

Im Mai hatte Merkel ein Telefonat über den heiklen Verkauf bei Obama angemeldet. Doch als die Kanzlerin beim amerikanischen Präsidenten anrief, hatte der sich den Finanzminister Timothy Geithner und den Beauftragten für die Automobilindustrie, Ron Bloom ins Oval Office geholt. Der US-Präsident erklärte der verblüfften Kanzlerin, dass er sich mit diesem Problem nicht befasse; das sei nicht seine Ebene.

Er habe dafür seine Experten hinzugebeten. „Ich gebe Dir mal Timothy Geitner“, wimmelte Obama ab. Aber das sah Merkel nun wiederum nicht als ihre Spielklasse an. „Meine Leute werden das mit deinen Leuten besprechen“, verabschiedete sich Merkel. Geärgert hatte sie sich freilich schon, dass die US-Regierung so tat, als habe sie mit dem Staatskonzern nichts zu tun. Auch als Merkel am Mittwochabend bei Obama durchklingelte, um sich über die eiskalte Kehrtwende zu beschweren, versicherte der Präsident, er habe von der ganzen Sache nichts gewusst. Merkel bekräftigte ihre Forderung, General Motors müsse nun schnell ein Sanierungskonzept vorlegen, musste aber ansonsten unverrichteter Dinge auflegen.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.11.2009, 07:13 UhrAnonymer Benutzer: Mariopsa

    Flipperkugel und Marktwirtschaftler kann ich nur zustimmen. Wenn die Gelder, die in Opel gesteckt werden für junge Gründer zur Verfügung ständen, könnte man wesentlich mehr erreichen. Jobs schaffen in Deutschland im Wesentlichen die kleinen und mittleren Unternhemen und nicht die Großunternehmen. Aber natürlich ist es für Politiker und auch Gewerkschafter viel interessanter die Großen zu stützen. Da winkt ja Popularität und Sitze in den Aufsichtsgremien. Ein junger ingenieur der eine zündende Geschäftsidee hat läuft sich dagegen die Hacken ab um auch nur einen Euro Fremdmittel zu erhalten

  • 09.11.2009, 17:13 UhrAnonymer Benutzer: @Flipperkugel

    absolut d'accord.

    Und warum sollen die ingenieure und Mitarbeiter ein immerwährendes Anrecht darauf haben, dass sie sich nicht ändern brauchen? Nichts dazulernen? Jeden Tag das tun, was man gestern auch gemacht hat.

    Wenn die Leute im Osten Deutschlands nach dem Mauerfall das gleiche gemacht hätten? Na ok, sie haben's versucht, aber mit der Zeit merkt auch der letzte, dass die Welt sich dreht und ändert.

    Wenn man neben Golf, C'eed und Focus eben nicht auch noch einen Astra braucht, muss man eben in das investieren was nachgefragt wird.

    Deswegen gibt es den Markt. Um die Änderung zu koordinieren und zu steuern.

  • 09.11.2009, 14:56 UhrAnonymer Benutzer: Flipperkugel

    @witzke
    Wie kommen Sie auf 150.000?? OPEL Deutschland hat ca. 25.000 beschäftigte, die im übrigen wie alle anderen bandschrauber in Deutschland jahrzentelang fürstlich für ihren Job entlohnt wurden, mit Sozialleistungen, von denen ich und andere Arbeitnehmer in diesem Land nur träumen können. Das das so nicht ewig weitergehen konnte, dürfte jedem normal denkenden Menschen klar sein (auch andere deutsche Hersteller werden früher oder später Probleme bekommen). Wenn die Produkte von OPEL so toll sind, warum hat das Unternehmen dann überhaupt Probleme? Oder anders gesagt, selbst wenn die Produkte eines Unternehmens großartig sind, muß es trotz allem auch noch Kunden geben, die diese dann kaufen. Und offenbar gibt es nicht genügend OPEL-Käufer von denen der Hersteller in dieser Größe weiter überleben kann. Und da OPEL ein privat geführtes Unternehmen ist, kann es nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein eine nicht konkurrenzfähige Firma "zu stützen". Ähnliches Engagement hätte man ja sonst auch für ARCANDOR zeigen müssen (immerhin geht es da auch um über 56.000 Jobs). Und was ist mit den ganzen Kleinbetrieben, die vielleicht 5-10 MA haben? Die stehen nicht im öffentlichen interesse und werden mit ihren, oftmals unverschuldeten Problemen, alleine gelassen (schlechte Zahlungsmoral der Auftraggeber z.b.). Und deren MA profitieren leider nicht von Sozialleistungen und Abfindungen aus Wirtschaftswunderzeiten, wie die Kollegen der deutschen Autobauer!

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