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Unternehmen: Going Global löst Probleme bei Auslandsjobs

Geschäftsidee: Online-Info-Dienst für deutsche Arbeitnehmer im Auslandseinsatz Umsatz: 130 000 Euro (2002) Kunden: alle Firmen, die deutsche Mitarbeiter ins Ausland schicken

DÜSSELDORF. Sie hatte sich bemüht. Hatte einen Englischkurs für Ausländer absolviert, sich am College für einen Business-Management-Kurs eingeschrieben, kümmerte sich um die Kinder, zwei und sechs Jahre alt. Doch schon nach wenigen Monaten begann der jungen Frau die Decke auf den Kopf zu fallen, in Tucson, Arizona. Dorthin war sie, die ihren Namen nicht preisgeben will aus „Angst vor Rückschlüssen auf den Arbeitgeber“, mit ihrem Mann und den Kindern umgezogen, weil der von seiner deutschen Firma einen Job in den USA angenommen hatte. Doch während ihr Mann den ganzen Tag im Büro ackerte, hatte sie, die in Deutschland täglich fünf Stunden arbeitete, ein schlechtes Gewissen. „Ich bekomme keine Arbeitserlaubnis und komme mir irgendwie überflüssig vor“, schreibt sie in einer E-Mail nach gut 15 Monaten. „Ich vermisse Deutschland und sehne unsere Rückkehr herbei.“

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E-Mails, wie sie Brigitte Hild zuhauf bekommt. Die 41-Jährige betreibt seit rund eineinhalb Jahren über das von ihr in Kronberg bei Frankfurt gegründete Unternehmen Going Global eine Internetplattform mit Informationen und Beratung für im Ausland tätige deutsche Arbeitnehmer und – vor allem – deren Angehörige. Rund 150 000 Deutsche, so das Ergebnis von Hilds Umfragen bei deutschen Auslandshandelskammern, arbeiten derzeit im Ausland. Egal, ob Kenia, Kalifornien und Kuala Lumpur – die Fragen der Expatriates rund um das Thema Entsendung gleichen sich rund um den Globus: Sei es Arbeitsrecht („Können beide Partner im Ausland tätig sein?“), Erziehung („Wie lernen Kinder Sprachen?“), Partnerschaft („Mein Mann entwickelt sich weiter – wo bleibe ich?“) oder Umzug („Kann mir jemand Tipps geben?“) bis hin zu Technik („Unser Faxgerät funktioniert hier nicht – wer weiß weiter?“) und mögliche Probleme nach der Rückkehr („Draußen ein Fürstchen, zuhause ein Würstchen“), überall stehen die Entsandten vor denselben Herausforderungen. Und bleiben damit meist allein. „Diese Dinge bewegen alle“, so Brigitte Hild, „in den Personalabteilungen der Entsendefirmen spielen sie allerdings noch immer kaum eine Rolle.“

Sollten sie aber. Denn die Antworten, die Hild und ein Team aus acht freien Mitarbeitern – Arzte, Psychologen, Pädagogen, Personalmanagern und ein Spediteur – beantworten, können über den Erfolg einer Entsendung entscheiden und somit den Unternehmen helfen bares Geld zu sparen: Bis zu 30 Prozent aller Auslandsaufenthalte, so eine Untersuchung des Instituts für Interkulturelles Management, werden vorzeitig abgebrochen, oft aus familiären Gründen. Hinzu kommt: Jede gescheiterte Entsendung, so errechnete die Lufthansa schon 1997, kostet mindestens 125000 Euro. „Die mitreisende Famlie,“, so Anders Hovemyr von SAS Intercultural Training, „ist das der Schlüssel zu einem erfolgreichen Auslandseinsatz.“

Das hat Going-Global-Gründerin Hild selbst erfahren. Zwölf Jahre, von 1985 bis 1997, lebte die gelernte Luftverkehrskauffrau an der Seite ihres Mannes, eines Lufthansa-Managers, im Ausland. Doch ob China, Marokko, Finnland oder Schweden – „immer fehlte eine unkomplizierte Anlaufstelle“. So reifte noch in Stockholm die Idee, diese Beratung auf die Beine zu stellen. „Fühlt sich die Familie in ihrer neuen Lebenssituation wohl, kann sich der Mitarbeiter voll auf seine Aufgaben konzentrieren“, so Hilds Fazit. „Ein zufriedener Mitarbeiter ist der beste Botschafter seines Unternehmens.“

Eine Erkenntnis, die sich auch in den Personalabteilungen allmählich durchsetzt. Zu Hilds Kunden gehören mittlerweile große Unternehmen wie Degussa oder HeidelCement, rund 100 Expatriates beziehen ihren kostenpflichtigen Service zurzeit. Ihr Ziel für dieses Jahr: 300 Abonnenten und 130000 Euro Umsatz. Ihr Traum für die fernere Zukunft: der Aufbau eines weltweiten Netzwerks von Going-Global-Clubs, die den Expatriates das Einleben am jeweiligen Ort erleichtern. „Und auf jedem PC steht dann eine Webcam – damit der Austausch noch direkter möglich ist.“

Manfred Engeser, Quelle: WirtschaftsWoche

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