Goldman Sachs: Das Schweigen von Goldman-Europa-Chef Dibelius

Goldman Sachs: Das Schweigen von Goldman-Europa-Chef Dibelius

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Alexander Dibelius

Auch das Europa-Geschäft der US-Investmentbank Goldman Sachs hat unter dem Image-Crash in den USA gelitten. Wie der Rufschaden vor allem Geschäfte mit Berlin stört.

Die Probleme, unter denen Goldman Sachs derzeit leidet, beschränken sich längst nicht mehr auf die USA. Auch in Deutschland wenden sich Kunden ab. In den sogenannten Leak-Tables des Datenanbieters Dealogic, die den Erfolg der Investmentbanken auf den unterschiedlichen Geschäftsfeldern vergleichen, fällt Goldman seit Jahresbeginn in mehreren Bereichen zurück.

Beim Begleiten von Kapitalerhöhungen westeuropäischer Unternehmen kommt Goldman bislang nicht in die Top Five. 2009 belegte die Bank noch Platz zwei. Auch bei Börsengängen von Unternehmen aus Gesamteuropa, dem Mittleren Osten und Afrika rutschte die Bank bis Ende vergangener Woche auf Platz vier ab. 2009 hatten die Truppen um Europa-Statthalter Alexander Dibelius in diesem Segment noch das Feld angeführt.

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Der smarte wie durchsetzungsstarke Dibelius ging monatelang auf Tauchstation. Als gegen Goldman wegen fragwürdiger Geschäfte in den USA ermittelt wurde, schwieg er. „Er wollte sich nicht beschädigen lassen“, heißt es in seinem Umfeld. Dennoch stellten Politiker von Union und FDP die Geschäfte der deutschen Regierung mit Goldman Sachs infrage. Reaktion der Goldman-Deutschlandzentrale in Frankfurt: „Kein Kommentar!“

Heimvorteil schwindet

Dabei genoss Dibelius im Geschäft mit deutschen Regierungsaufträgen lange Heimvorteil. Er galt als enger Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel. So mischte Goldman unter anderem beim gescheiterten Börsengang der Deutschen Bahn mit. Um sich die Politik gewogen zu halten, hatte Dibelius vor der Arcandor-Insolvenz einen vergeblichen Rettungsversuch gestartet. Ein Geschmäckle hatte dabei die Tatsache, dass Metro, die Mutter von Karstadts wichtigstem Konkurrenten Kaufhof, von Dibelius’ langjährigem Kunden und Trauzeugen Eckhard Cordes geleitet wird.

Dibelius versucht nun erneut, sein Ansehen in Berlin zu verbessern. Goldman-Fonds halten 51 Prozent an Highstreet, dem Immobilienkonsortium, dem 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser gehören. Noch ist offen, ob sich Highstreet mit dem Investor Nicolas Berggruen über die Mieten einigt. Aber Dibelius verkündete in einem Interview schon mal öffentlichkeitswirksam die endgültige Rettung von Karstadt.

Doch das wird kaum reichen, um in Berlin zu punkten. Noch immer sorgt ein Statement Dibelius’ vom Jahresanfang für Unmut in Kanzleramt und Reichstag: Damals hatte der Banker öffentlich eine gesellschaftliche Verantwortung der Banken für das Gemeinwohl verneint. „Ein Fauxpas, den man der Öffentlichkeit nicht erklären kann“, rügt ein ranghoher Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums.

Geschäft neu verteilt

Die Konkurrenz reibt sich die Hände. Die Mandate im „Public Sector“, dem Staatsgeschäft, werden neu verteilt. „Da sind die Türen jetzt offen“, freut sich der Deutschland-Chef einer ausländischen Investmentbank in Frankfurt. Allzu viel ist bei Geschäften mit dem Staat allerdings nicht zu verdienen. „Die riesigen Deals sind da nicht in der Pipeline“, sagt ein Goldman-Intimus. Ausfälle könne man deshalb wohl verschmerzen. „Außerdem sind viele Firmenkunden der Bank nach wie vor treu.“

Das ist Dibelius’ Verdienst, auch wenn er polarisiert: „Er war nie unumstritten“, sagt einer, der ihn seit Jahren kennt. Immer noch gebe es Kunden, die ihm nicht vertrauten und deshalb kein Geschäft mit ihm machten. Doch die Goldmänner genießen immer noch den Nimbus des aggressivsten Marktteilnehmers. Ein Ex-Goldman-Banker erzählt: Wenn ein Kunde keinen Rat mehr wusste, habe Goldman mitunter als einzige Investmentbank einen Ausweg aufzeigen können: „Unsere Lösungen waren legal, aber hart am Wind.“ Und so fädelt Dibelius weiter Deals ein. „Solange die Zahlen stimmen, kann er weitermachen, so lange er möchte“, sagt ein Vertrauter. Und wenn nicht? „Dann ist er weg.“

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