Goldman-Sachs-Partner: Private Equity: "Der Appetit ist da"

InterviewGoldman-Sachs-Partner: Private Equity: "Der Appetit ist da"

Goldman-Sachs-Partner Martin Hintze über neue Milliardenübernahmen und alte Risiken.

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Martin Hinze ist bei der Investmentbank Goldman Sachs für das Private-Equity-Geschäft im deutschsprachigen Raum verantwortlich. (Foto: Goldman Sachs, All Rights Reserved)

Herr Hintze, in der Private-Equity-Branche scheint wieder Zuversicht zu herrschen. Zu Recht?

Viele Restrukturierungen sind besser ausgegangen, als man das vor einem Jahr erwartet hätte. Finanzierungen wurden neu verhandelt, zum Teil wurde von den Investoren neues Kapital eingeschossen, sodass jetzt viele schwierige Situationen zumindest erst einmal stabilisiert sind. Wenn auch nicht alle.

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Und wie lange hält „erst einmal“?

In vielen Branchen gab es im November und Dezember deutlich bessere Auftragseingänge. Und es ist auch im Januar weiter eine Erholung erkennbar. Insgesamt stellen sich die meisten Investoren aber darauf ein, dass auch 2010 ein schwieriges Jahr wird und erst ab 2011 mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen ist.

Trotzdem planen viele Private-Equity-Gesellschaften für dieses Jahr schon wieder große Übernahmen.

Die wird es auch geben. In Deutschland ist mit dem Verkauf von Springer Science+Business Media erst kürzlich eine neue Milliardenübernahme durch einen Investor gelungen. Zudem gibt es einige größere Unternehmen, die zum Verkauf stehen, auch in Deutschland.

Hieß es nicht bis vor Kurzem noch, dass die Banken für so große Übernahmen keine Kredite zur Verfügung stellen?

Die Banken tasten sich langsam wieder an das Geschäft heran. Anders als in den Boomjahren 2006 und 2007 müssen Sie als Investor aber deutlich mehr Eigenkapital mitbringen. 40 bis 50 Prozent werden erwartet, manchmal auch mehr.

Woher bekommen Sie jenseits der Banken zurzeit Geld für Ihr Geschäft?

Auf den Anleihemärkten lassen sich Transaktionen derzeit gut finanzieren. Und auch wenn das Interesse der Anleger an riskanteren, aber hoch verzinsten Anleihen erfahrungsgemäß genauso abrupt wieder nachlässt, wie es gekommen ist, glaube ich, dass das freundliche Umfeld noch eine Weile anhalten wird.

Viele Fonds wollen aber nicht nur neu einsteigen. Einige müssen auch dringend wieder aus Beteiligungen raus, um ihre Investoren auszubezahlen. Viele planen dazu Börsengänge. Gelingt das?

Allein in unserem Portfolio haben wir im vierten Quartal 2009 fünf Unternehmen in den USA an die Börse gebracht, zum Beispiel den Discounter Dollar General und den Ölförderer Cobalt Energy. Das zeigt, dass auch für etwas riskantere Sachen wieder Appetit da ist. Auch in Deutschland gibt es Vorbereitungen für Börsengänge.

2006 und 2007 haben manche PE-Firmen Unternehmen zu Fantasiepreisen übernommen. Die leiden jetzt unter hohen Schulden, die ihnen der Finanzinvestor zur Finanzierung des Kaufs aufgeladen hat.

Es ist richtig, dass zum Teil sehr hohe Preise in den Boomjahren gezahlt wurden, allerdings handelte es sich hier in vielen Fällen um sehr gute Unternehmen, die über die Zeit eine gute Rendite erwirtschaften. Ich würde nicht ausschließen, dass der eine oder andere in diesem Jahr den Druck verspürt, seinen Geldgebern zu zeigen, dass er noch Transaktionen machen kann und deswegen bereit ist, einen sehr hohen Preis zu bezahlen. Aber wie gesagt: Wer kaufen will, muss mehr Eigenkapital mitbringen.

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