Google Plus: Der unerwartete Erfolg von Googles sozialer Revolution

Google Plus: Der unerwartete Erfolg von Googles sozialer Revolution

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Google Plus mischt den Markt für soziale Netzwerke auf

von Sebastian Matthes

Vor knapp zwei Wochen hat Google mit Google Plus sein neues soziales Netzwerk gestartet – und damit einen unerwarteten Erfolg gelandet. Damit könnte Google zum sozialen Rückgrat im Netz werden, die entscheidende Frage ist jedoch noch unbeantwortet.

Auf den ersten Blick ist es wenig verständlich: Der größte Suchmaschinenanbieter baut ein soziales Netzwerk auf, ein Hybrid aus Twitter und Facebook. Der ist hübsch gemacht, aber eben nicht mehr. Und so ist der erste Gedanke klar: „Das klappt nie.“ Denn wer braucht noch ein weiteres Netzwerk – neben Twitter und Facebook? Welchen Mehrwert bietet die neue Plattform tatsächlich? Viele haben sich das gefragt. Ich auch.

Doch schon nach wenigen Tagen haben sich nach Schätzungen 18 Millionen Menschen bei Google Plus angemeldet, eine Rekordzahl, in Rekordzeit.

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Was ist passiert? Woher kommt Googles Erfolg, nachdem der Online-Gigant in der Vergangenheit mit zahlreichen neuen Diensten – vom Multi-Kommunikationsdienst Wave bis zur Wikipedia-Konkurrenz Knol – eine bemerkenswerte Kette an Flops hingelegt hat? 

Google Plus ist einfacher in der Handhabung

Einer der Hauptgründe: Googles Stärke resultiert aus der (relativen) Schwäche des Netzwerk-Primus Facebook. Der war zuletzt wenig innovativ. Zwar hat das Netzwerk eine ganze Reihe neuer Funktionen hinzugefügt und eine Kooperation mit Skype verkündet. Doch die Facebook-Seite selbst wirkt zunehmend altbacken - vor allem im Vergleich zur aufgeräumten Oberfläche von Google Plus.  Schwerer wiegt noch, dass Facebook-Accounts immer aufwendiger zu managen sind, je mehr Bekanntschaften die Nutzer haben. Das Problem löst Google Plus damit, dass sich die digitalen Bekannten komfortabel in sogenannte Kreise einsortieren lassen, etwa Freunde, Arbeitskollegen und entfernte Bekannte.

Eine solche Sortierung ermöglicht Facebook zwar auch – aber sie ist nicht im Entferntesten so einfach zu handhaben, wie bei Google Plus. Ähnlich komfortabel ist die Auswahl mit einem Klick, wer welche Nachricht, welchen Pinnwandeintrag zu sehen bekommt. Mal Familienmitglieder, mal einzelne Empfänger und alle Interessierten im Netzwerk sehen. Solche Dienste haben durchaus das Potenzial, in Teilen die Email abzulösen – gerade wenn es um die Kommunikation mit größeren Gruppen geht. Jeder kann dann den Diskussionsstand in dem Nachrichtenstrom verfolgen und einzelne Antworten auf die erste Nachricht gezielt beantworten.  

Nicht zu unterschätzen ist zudem das miese Image von Facebook in Sachen Datenschutz, gerade in Deutschland. Zwar sammelt auch Google Daten haufenweise über seine Nutzer, um anhand detaillierter Nutzerprofile passende Werbung zu schalten. Aber nach den Eskapaden Facebooks und vor allem wegen der höchst unübersichtlichen Datenschutz-Einstellungen wirkt selbst Google plötzlich wie ein Musterknabe. Im Gegensatz zu Facebook verspricht Google den Nutzern seines sozialen Netzwerks zudem, dass sie frei über ihre Daten verfügen können, wenn sie das Netzwerk einmal verlassen wollen. Während Facebook ein weitgehend geschlossenes System ist, versucht sich Google damit als offene Plattform zu positionieren. Zumindest bei der ersten Welle der Google-Plus-Nutzer scheint das bisher anzukommen.

Auch der einstige Trendsetter Twitter hat im schnelllebigen Web-Geschäft zuletzt wenig Neues gebracht. Wer sehen will, wie oft bestimmte Kurznachrichten weitergeleitet wurden oder was andere Nutzer auf die Nachrichten geantwortet haben, muss sich spezielle Zusatzprogramm auf seinen Rechner laden, oder Web-Suchmaschinen nutzen. Googles neues Netzwerk bietet das auf einen Blick. Die Folge: Diskussionen lassen sich einfacher führen und nachverfolgen. “Google Plus hat Twitter langweilig gemacht”, schreibt daher auch Tech-Blogger Robert Scoble.

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