Google-Vertriebschef Arora: "Wir müssen die Fragmentierung im Handy-Markt überwinden"

Google-Vertriebschef Arora: "Wir müssen die Fragmentierung im Handy-Markt überwinden"

von Michael Kroker

Nikesh Arora, weltweiter Vertriebs- und Strategiechef von Google, über die Pläne des Suchmaschinengiganten im mobilen Internet und die Motive hinter dem eigenen Google-Handy.

Bild vergrößern

Nikesh Arora

Apple hat mit seinem aktuell vorgestellten Tablet-Computer iPad eine große Begeisterung ausgelöst. Wird Google dem mit einem eigenen Produkt nachfolgen?

Sagen wir so: Wir müssen erst einmal abwarten, wie sich nun der Tablet-Markt entwickelt. Und dann entscheiden wir, ob Google in diesem Markt mitspielen muss

Anzeige

Also schließen Sie es nicht aus, dass Google auch einen eigenes Rechen-Tablett auf den Markt bringt?

Ich arbeite seit fünf Jahren für Google – und schließe daher gar nichts aus.

Immerhin, mit dem Anfang Januar vorgestellten Google-Handy Nexus One sind Sie ja auch schon so vorgegangen.

Es ist wichtig zu verstehen, wo wir herkommen: Unsere Philosophie mit dem eigenen Handy war, dass wir den Kunden eine Kombination der jeweils besten verfügbaren Einzelfunktionen innerhalb der Kategorie Smartphone bieten wollten. Weil wir es überdies auf unserem eigenen offenen Handy-Betriebssystem Android konzipiert haben, wollen wir zudem andere ermutigen, noch bessere Geräte zu bauen.

Warum das?

Damit die Entwicklung des mobilen Internets wirklich voran kommt, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen es nutzen. Wer ein Handy baut, ist letztlich egal – solange immer mehr Leute mobil Daten austauschen. Das ist gut für uns, weil dann mehr Menschen Dienste von Google nutzen, das ist gut für die Telekommunikationsunternehmen, weil sie mehr Bandbreite verkaufen, und es ist positiv für den Endkunden, weil der mehr Wahlmöglichkeiten hat.

Aber verprellen Sie mit Ihrem eigenen Google-Handy nicht Partner wie LG oder Samsung, die bereits eigene Google-basierte Smartphones auf dem Markt haben?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind doch nur für die Software und die Anwendungen des Nexus One verantwortlich. Wir wollen sicherstellen, dass der Nutzer ein gutes Produkterlebnis mit einer tollen Kombination aus Hardware, Software und Anwendungen hat. Wir waren eben teilweise unzufrieden damit, dass wir nicht ausreichend Anreize für tolle Geräte erzeugen konnten. Diesen Schritt haben wir mit dem Nexus One nun vollzogen.

Damit klagen Sie indirekt, dass Sie mit Ihren Handy-Partnern bisher nicht zufrieden waren.

Was wichtig ist: Jedes Produkt durchläuft einen gewissen Entwicklungsprozess im Zusammenspiel mit Kunden und Ingenieuren. Das heißt, es gibt eine Version 1, eine Version 2 und so weiter. Wenn Sie so wollen, ist das Nexus One die dritte Version eines Smartphones basierend auf der Google-Plattform Andoid. Damit haben wir jetzt die Messlatte so hoch gelegt, dass auch alle anderen Smartphone-Hersteller sie überspringen müssen. In sechs Monaten können Sie den Kunden jedenfalls kein Handy mehr verkaufen, das nicht mindestens genauso gut ist wie das Nexus One. Und genau das soll die Industrie antreiben, um noch bessere Geräte zu konzipieren.

Werden wir in diesem Jahr also auch weitere Smartphones von Google sehen?

Sagen wir so: Wir haben doch erst Januar – es liegt also noch ein langes Jahr vor uns.

Der Hauptgrund für Google, sich bei Smartphones zu engagieren, ist das gerade entstehende Geschäft mit dem mobilen Internet. Wird dieser Markt das stationäre Web schon bald überholen?

Was faszinierend zu beobachten ist: Ich habe mehr als zehn Jahre meiner beruflichen Karriere darauf verwendet, das Geschäft rund ums mobile Internet anzutreiben – das war in meinem alten Leben. Aber einer der Hauptfehler, den viele Telekommunikationsanbieter gemacht haben: Wir haben versucht, das mobile Internet anders zu gestalten als das stationäre Web. Und genau das funktioniert nicht. Letztlich ist das mobile Internet das Web, auf das Du zugreifst, wenn Du unterwegs bist. Dinge wie Klingeltöne oder Hintergründe sind sekundär. Wenn Sie die Nutzung eines Geräts wie das Nexus One untersuchen, finden Sie folgendes: Die Menschen machen Suchanfragen, sie nutzen Karten und Navigation, sie schauen Youtube-Videos – das unterscheidet sich nicht großartig von dem, was sie auch am PC machen. Daher spielt die Unterscheidung zwischen stationärem und mobilem Internet immer weniger eine Rolle, auch weil sich die Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen beiden immer mehr annähern.

Aber machen nicht immer noch Anbieter den Fehler, im mobilen Web künstliche Barrieren aufzubauen? Apples erfolgreicher App Store funktioniert nur mit dem iPhone, und das richtige Web stellt auch er nicht da; Android-Apps funktionieren nur bei Handys mit der Google-Plattform.

Vergleichen Sie doch nur die Entwicklung der PC- und der Handy-Industrie. Vor fünf Jahren, als die ersten Smartphones auf den Markt kamen, gab es ein mobiles Betriebssystem von Palm, eins von Symbian/Nokia, Motorala und LG hatten ihre eigenen. Das ist natürlich ein Alptraum für jeden Software-Anbieter, weil der eine App für jedes Gerät einzeln entwickeln muss. In der Computerindustrie ist das anders – da gibt es ein Betriebssystem, jeder baut Hardware, und es gibt viel mehr Zusammenspiel innerhalb der Industrie.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%