Großbritannien: Aldi und Lidl profitieren von der Krise

Großbritannien: Aldi und Lidl profitieren von der Krise

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Aldi-Filiale in Großbritannien - jede Woche ein neuer Supermarkt

Sparwelle, Woolworth-Pleite – wie die Discounter Aldi und Lidl von der Krise des Einzelhandels in Großbritannien profitieren.

Minus 30 Prozent – nur heute“ – wirbt das Plakat in den Schaufenstern des Londoner Kaufhauses Ely’s. Gegenüber in der Auslage des Naturkosmetikladens Lush prangt ein Schild mit der fröhlichen Aufschrift: „Danke, Darling!“ Kürzlich hatte Schatzkanzler Alistair Darling die Senkung der Mehrwertsteuer von 17,5 auf 15 Prozent angekündigt. Stürmen die Kunden nun die Läden? Fehlanzeige. Die meisten marschieren teilnahmslos vorbei.

Vorweihnachtszeit in Großbritannien. Das Inselreich trudelt wegen der Finanzkrise, abstürzender Häuserpreise und der hohen Verschuldung der privaten Haushalte in die schlimmste Rezession seit Anfang der Neunzigerjahre. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Verbraucher halten die Geldbörse zu. „Die Kunden sind wegen des Konjunkturabschwungs jetzt sehr, sehr vorsichtig“, sagt Andrew Higginson, Direktor für Strategie und Finanzen beim britischen Supermarktriesen Tesco.

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Hinter den Ladentheken herrscht Panik. Mit Sonderangeboten und langen Öffnungszeiten versuchen Händler ihr Weihnachtsgeschäft zu retten. Doch die Pleite der Traditionskette Woolworth hat die Stimmung weiter eingetrübt. Der Kollaps von „Woolies“ war für die Briten ein ähnlicher Schock wie die Pleite von Lehman Brothers für die Finanzmärkte. Dabei hatte die Billigkette, die etwa Haushaltswaren und Kinderkleidung im Sortiment führte, schon seit Jahren gegen den Niedergang angekämpft.

Krisengewinnler sind die deutschen Discountriesen Aldi und Lidl. Bisher kauften dort vor allem osteuropäische Immigranten und weniger betuchte Briten. Heute ziehen die schlichten Märkte mit ihrem Niedrigpreisangebot auch Kunden aus höheren Einkommens- und Bildungsschichten an, die sich dort früher kaum blicken ließen. „Im Moment probieren diese Käufer neue Geschäfte aus, weil auch sie sparen müssen“, sagt ein Branchenkenner.

Zugleich schafften es die Deutschen, ihr Arme-Leute-Image aufzupeppen. Seit etwa Gourmet-Köche in britischen Zeitungen Produkte von Aldi und Lidl als Geheimtipp bei der Zubereitung eines schicken Dinners für umgerechnet 9,45 Euro pro Kopf anpriesen, können auch Hausfrauen aus der gehobenen Mittelklasse ohne Scham billig einkaufen gehen.

Im Foyer der Lidl-Zentrale im Londoner Nobelvorort Wimbledon hängt eingerahmt der „Value for Money Award 2008“, ein Preis der Verbraucherschutzorganisation Which, mit dem Lidl im Juni ausgezeichnet wurde. Auf Platz zwei: Aldi.

Allein im August, September und Oktober wanderten insgesamt Umsätze in Höhe von zehn Millionen Pfund von Tesco zu Aldi, ermittelte das Marktforschungsinstitut Taylor Nelson Sofres.

Fünf Prozent Marktanteil für Aldi und Lidl

Im Vergleich zum Branchenprimus Tesco, der fast ein Drittel des Marktes beherrscht, sind Aldi und Lidl mit einem gemeinsamen Marktanteil von fünf Prozent zwar nach wie vor Zwerge, aber solche, die dem Riesen zu schaffen machen. Schon schlägt Tesco zurück: Der Marktführer führte billige Eigenmarken ein und wirbt jetzt mit dem Slogan „Großbritanniens größter Discounter“.

Aldi, genauer gesagt: Aldi Süd, das Discountreich von Karl Albrecht, ist auf der Insel mit rund 444 Märkten präsent und expandiert aggressiv. Jede Woche wolle man einen neuen Supermarkt eröffnen, bis zu 1500 seien geplant, so die Devise des UK- und Irland-Chefs Paul Foley.

Der Umsatz in Großbritannien wuchs im September um 36 Prozent und im Oktober um 33 Prozent. Bis zum Jahresende steuert die Kette auf ein Umsatzziel von zwei Milliarden (Vorjahr 1,5 Milliarden) Pfund zu. 2007 hatte Aldi seinen Vorsteuergewinn bereits um 45 Prozent auf 70 Millionen Pfund gesteigert.

Lidl, das ebenso wie Kaufland zum Imperium des verschwiegenen schwäbischen Milliardärs Dieter Schwarz gehört, gibt sich gewohnt zugeknöpft – dürfte aber nach Schätzungen von Branchenkennern im Vereinigten Königreich schon 480 Märkte betreiben und Aldi überflügelt haben.

Andererseits seien bei Aldi die Margen vermutlich größer, glaubt Einzelhandelsexperte Daniel Lucht vom Londoner Marktforscher Verdict Research: „Lidl mischt mehr Markenprodukte in sein Sortiment aus Eigenmarken und muss dafür an die Hersteller höhere Preise bezahlen.“

Die Woolworth-Pleite könnte den Expansionskurs der Deutschen beflügeln. Auf der Suche nach neuen Standorten werden Aldi und Lidl versuchen, sich attraktive Teile aus der Konkursmasse zu sichern. „Für sie ist ideal, dass Woolworth bereits in vielen Fällen die Genehmigung zum Verkauf von Lebensmitteln hatte“, sagt Lucht.

Das Wachstum ist jedoch kein Selbstläufer. Der britische Markt ist hart umkämpft, und nicht nur Tesco kupfert von den erfolgreichen Discountern ab. „Über einen Marktanteil von zusammen zehn Prozent kommen Aldi und Lidl wohl nie hinaus“, hofft ein Insider von der Konkurrenz.

Ob der Erfolg der deutschen Billigketten in Großbritannien nachhaltig ist, hängt auch davon ab, wie viele der besser verdienenden Kunden im nächsten Aufschwung weiter dort ihre Einkaufswagen vollpacken. Um sich für bessere Zeiten zu wappnen, rät Marktforscher Lucht Aldi und Lidl, ihr Sortiment rechtzeitig mit Bioprodukten aufzuwerten. Lidl testet bereits einen attraktiver eingerichteten Markt.

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