Grossbritannien: Gefährlicher Sparkurs

Grossbritannien: Gefährlicher Sparkurs

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Ein Mann passiert den Eingang einer Royal Bank of Scotland.

Der Sparkurs der britischen Regierung schadet der Bonität der Banken. Abschreckendes Beispiel ist die Royal Bank of Scotlandt. Das Urteil von Moody's und Fitch: Kaputtsaniert.

Nach der Bankenrettung ist vor der Bankenrettung. Die Erkenntnis, die vom Fußballspiel stammt, bestimmt auch in Großbritannien das Verhältnis zwischen Kreditwirtschaft und Staat. Nur dass dies auf der Insel gerade paradoxe Folgen hat.

Als die Finanzkrise 2008 die britischen Institute bedrohte, machte die Labour-Regierung Milliarden locker. Das trug dazu bei, dass die Nettoneuverschuldung des Staates im Haushaltsjahr 2009/10 auf elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes explodierte. Bei den gesamten Staatsschulden haben die Briten mit rund 80 Prozent zu Deutschland aufgeschlossen. Also entschied die konservativ-liberale Regierung nach ihrem Antritt im Mai 2010, extrem zu sparen.

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Ratingagenturen stufen ab

Doch nun bekommt Premier David Cameron eine unschöne Quittung. In den vergangenen zwei Wochen stuften die Ratingagenturen Moody’s und Fitch die Bonität mehrerer britischer Institute herab. Begründung: Der drastische Sparkurs der Regierung habe zur Konsequenz, dass notleidende britische Banken nicht mehr automatisch mit Milliarden aus den öffentlichen Kassen rechnen könnten. Aufgeschreckt bekundete Cameron die Bereitschaft, angeschlagenen Instituten doch unter die Arme zu greifen.

Die Bankenrettung vor rund drei Jahren war kein durchgreifender Erfolg. Denn die Skepsis von Moody’s und Fitch gilt nicht nur den kleineren Instituten des Landes, sondern auch den systemrelevanten Banken, die der Staat bereits rettete. So stufte die Ratingagentur die langfristige Bonität der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Lloyds Banking Group herab. Barclays und HSBC, die bisher ohne Geld vom Steuerzahler auskamen, behielten ihr Rating.

Risiko trotz Stresstest

Damit bleibt die RBS die Problembank des Landes. Ihre Rettung vor drei Jahren kostete den britischen Steuerzahler umgerechnet 52 Milliarden Euro, nun gehört die RBS zu 83 Prozent dem britischen Staat. Ein Ausstieg des Staates ist derzeit kein Thema.

Zwar kann sich RBS damit trösten, den Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) im Sommer bestanden zu haben. Dass Staatspleiten ausgeklammert wurden, muss dem Institut wohl keine Bange machen. Nach Analystenschätzungen hat die RBS nur für rund 2,5 Milliarden Euro Staatspapiere Portugals, Italiens, Irlands, Griechenlands und Spaniens (PIIGS) in den Büchern. Deshalb tat die Bank Risiken durch Zahlungsprobleme dieser Länder als „pure Spekulation“ ab. Gleichwohl ließ der EBA-Stresstest die Kernkapitalquote der RBS, die das voll haftende Eigenkapital beschreibt, im schlimmsten angenommenen Fall auf 6,3 Prozent sacken. Wie weit sie sinken würde, wenn die RBS gleichzeitig größere Teile ihres Geschäfts in den PIIGS-Ländern im Umfang von rund 70 Milliarden Euro abschreiben müsste, ist völlig offen.

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