Großbritannien: Wie die anglikanische Kirche Geld verzockte

Großbritannien: Wie die anglikanische Kirche Geld verzockte

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Erzbischof von Canterbury Rowan Williams: Die Rente der Priester ist bedroht

von Yvonne Esterházy

Die Anglikaner wollten im Kasinokapitalismus mitspielen. Und haben dabei kräftig Federn gelassen.

Der wortgewaltige Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, ist ein hemmungsloser Kapitalismus-Kritiker. Den Bankern der Londoner City fehle es an dem, „was wir Christen Bußfertigkeit nennen“, wetterte das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, ein ernster Mann mit grauem, struweligem Bart, neulich in einem Radiointerview. Das Verhältnis vieler Briten zu Geld und Kapital sei „Götzenanbetung“. Die britische Regierung forderte er deshalb auf, sich stärker für die Regulierung der Finanzmärkte einzusetzen, und sprach sich für eine Steuer auf Finanzgeschäfte aus.

Das Wort ist die eine, die Praxis die andere Seite der anglikanischen Kirche. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“, heißt es zwar in der Bergpredigt. Doch bei der Geldanlage hört die Bibel offenbar auf. Wie sich kürzlich herausstellte, hat sich die Rentenkasse der anglikanischen Kirche bei Aktien- und Immobiliengeschäften so sehr verspekuliert, dass der Wert ihrer Anlagen um 20 Prozent schrumpfte. Nun ist die Altersversorgung der Geistlichen bedroht, die Kirche denkt über eine Kürzung der Bezüge nach. Auf rund 850 Millionen Euro summieren sich die Rentenansprüche der anglikanischen Priester dem Vernehmen nach. Doch der Wert des Aktienportfolios der Pensionskasse beläuft sich nur noch auf rund 460 Millionen Euro.

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In Rentenkasse klafft ein Loch

Nicht nur die Rentenkasse, auch das gesamte Vermögen der Gemeinschaft der Gläubigen hat gelitten. Die „Financial Times“ hat recherchiert, dass erhebliche Summen des kirchlichen Vermögens, das 2007 noch 7,7 Milliarden Euro betrug, auf noch 4,8 Milliarden Euro zusammengeschmolzen war. Verantwortlich dafür war die Freigabe von Geldern für Leerverkäufe, also die schiere Spekulation mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse. Hinzu kam die Anlage ausgerechnet in Öl- und Bergwerksaktien, deren Kurse in der Krise fast am schlimmsten abstürzten.

War es Gier oder Dummheit, nicht auf weniger riskante Rentenpapiere zu setzen? „In neun der vergangenen zehn Jahre hat die Rendite unseres Pensionsfonds davon profitiert, dass wir die Mehrheit unserer Vermögenswerte in Aktien und Immobilien investiert hatten“, meint Andrew Brown, Sekretär der Kirchenkommission, räumt allerdings ein: „2008 hat die Performance gelitten, weil wir recht wenig Anleihen in unserem Portfolio hatten.“

Offenbar hat die anglikanische Kirche auch Geld in US-Immobilien gesteckt – nun drohen laut amerikanischen Medienberichten Verluste in Höhe von rund 46 Millionen Euro für eine Fehlinvestition in den angeschlagenen New Yorker Apartmentkomplex Stuyvesant Town/Peter Cooper Village.

In Großbritannien gibt es anders als in Deutschland keine Kirchensteuer, sodass die Kirche ihre Ausgaben aus Spenden, Kollekten und den Erträgen ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens bestreiten muss. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die kirchlichen Vermögensverwalter großen Wert auf hohe Renditen legen und dabei auch gerne auf Risiko gehen. Selbst Investitionen in Hedgefonds waren für die kirchlichen Fondsmanager keineswegs tabu.

Wie gerne Anglikaner zocken, zeigte Ende September ihre Reaktion auf die geplante neue EU-Finanzrichtlinie zur Regulierung alternativer Investment-Vehikel. So schrieb einer ihrer Vertreter an den Europaausschuss des britischen Oberhauses. „Wir sorgen uns, dass dies die Mittelbeschaffung für unsere wohltätigen Aufgaben einschränken und damit unsere Möglichkeit, Gutes zu tun, behindern wird.“

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